Nicht nur im Gazastreifen auch im Libanon ist die Kriegszerstörung groß

Über 50.000 Häuser im Libanon-Krieg beschädigt oder zerstört

Donnerstag, 23. April 2026 | 13:05 Uhr

Von: APA/dpa

Im jüngsten Krieg zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon sind in dem Land mehr als 50.000 Häuser beschädigt oder zerstört worden. Das teilte der libanesische Nationale Rat für Forschung am Donnerstag mit, der Schäden im Krieg seit 2023 im Auftrag der Regierung untersucht. Mehr als die Hälfte der Schäden und Zerstörung gab es demnach im südlichen Libanon und im Gebiet nahe der israelischen Grenze.

Libanesischen Medienberichten zufolge soll Israels Armee dabei auch Feuer legen und Sprengsätze nutzen, um Gebäude zu sprengen. Israelische Bodentruppen seien in mehr als 50 Dörfern im südlichen Libanon im Einsatz, berichteten israelische Medien. Die Armee habe vergangene Woche begonnen, die “erste Reihe an Dörfern” im Libanon nahe der Grenze systematisch zu zerstören. Ziel sei, eine Rückkehr der schiitischen Anrainer in diese Gebiete zu verhindern, damit Hisbollah-Kämpfer sich dort nicht verstecken und neue Angriffe gegen Israel durchführen könnten.

Israels Armee hat erklärt, dass die Einsätze erneute Aktivitäten der Schiiten-Miliz Hisbollah im südlichen Libanon verhindern sollen. Kritiker halten dagegen, dass die systematische Zerstörung ganzer Dörfer Kriegsverbrechen darstellen könnten. Für die Arbeiten habe Israels Armee Bulldozer und andere schwere Geräte in den Libanon gebracht, berichtete der israelische TV-Sender N12 – einige davon aus dem weitgehend zerstörten Gazastreifen. Auch private Baufirmen seien von Israels Armee beauftragt worden, um die Arbeiten im Libanon zu beschleunigen.

Gespräche in Washington

Die israelische und die libanesische Regierung wollen noch am Donnerstag in Washington erneut zu Gesprächen zusammenkommen. Das Treffen auf Botschafterebene soll erneut im US-Außenministerium stattfinden. Teilnehmen sollen die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, sowie der israelische Vertreter in Washington, Yechiel Leiter. Beide hatten sich bereits in der vergangenen Woche miteinander in Washington getroffen. Es waren die ersten direkten Gespräche von Repräsentanten beider Länder seit Jahrzehnten. US-Angaben zufolge gab es “konstruktive Gespräche über Schritte zur Aufnahme direkter Verhandlungen”.

Israel strebt mit den direkten Verhandlungen nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon sowie eine Entwaffnung der proiranischen Hisbollah-Miliz an. Die libanesische Regierung will eine dauerhafte Waffenruhe und einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Libanons erreichen. In der Nacht auf Freitag trat im Libanon eine zehntägige Waffenruhe in Kraft.

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