Massive ukrainische Drohnenangriffe im Gebiet Woronesch (Symbolbild)

Ukraine-Krieg: Mehrere Tote auf beiden Seiten bei Angriffen

Montag, 26. Oktober 2026 | 19:24 Uhr

Von: importer

Bei gegenseitigen Angriffen sind in der Ukraine und in Russland am Montag mehrere Menschen getötet worden. Bei einer russischen Attacke auf die ostukrainische Großstadt Charkiw kamen mindestens zwei Menschen ums Leben. Zuvor waren bereits von russischer Seite im Gebiet Woronesch mindestens drei Todesopfer gemeldet worden, nachdem dort die Ukraine mit Drohnen angegriffen hatte,

In Charkiw seien zudem mindestens vier Menschen verletzt worden, berichtete Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram. “Es wurden Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser und Autos beschädigt”, fügte er hinzu. Die Rettungsdienste waren am Abend noch im Einsatz. Erst am Samstagabend war ein Baumarkt in Charkiw von mehreren russischen Geschossen getroffen worden. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Tags zuvor wurden bei einem russischen Angriff auf die umliegende Oblast mindestens sieben Menschen verletzt. Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Da die Stadt in Frontnähe liegt, wird sie immer wieder vom russischen Militär angegriffen – sowohl mit Artillerie als auch mit Drohnen.

In Woronesch wiederum sei zudem auch ein Zug getroffen worden. Insgesamt gebe es 39 Verletzte, die meisten in dem Zug, teilte Gouverneur Alexander Gussew mit. In Woronesch selbst und in der Region seien 113 Drohnen abgeschossen worden. Russland kündigte indes an, trotz geplanter Gespräche unter US-Vermittlung die Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen.

Der Zug sei in einem Vorort von Woronesch unterwegs gewesen, als Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne auf ihn gefallen seien, sagte Gussew. Beschädigt worden sei ein Waggon des Zugs Nummer 11 auf dem Weg von Anapa am Schwarzen Meer nach Moskau, teilte die russische Eisenbahngesellschaft RZD mit. Wegen der Angriffe sei der Zugverkehr in der Region vorübergehend eingestellt worden. Russische Medien berichteten, in dem Zug seien Fußballer des Vereins Lokomotive Moskau gewesen, die von einem Auswärtsspiel zurückkehrten.

Feuer in Geschäftszentrum

Nach Darstellung von Gouverneur Gussew geriet bei den Angriffen in Woronesch auch ein Geschäftszentrum in Brand. Schäden gebe es unter anderem auch an Industrieanlagen, einem Wohnhaus und einer Schulsport-Anlage. Fast in allen Teilen der Stadt gebe es Schäden an Fassaden und Fenstern. Aus der Ukraine gab es zunächst keine Angaben zu dem Angriff.

Russland: Drohnenangriff auf Moskauer Luftabwehr vereitelt

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat unterdessen nach eigenen Angaben einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein wichtiges Element der Moskauer Luftabwehr und eine Stromanlage vereitelt. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, teilte der FSB am Montag mit. Die Männer stammten aus der Region Südkaukasus und hätten im Auftrag des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU gehandelt. Sie sollen sogenannte FPV-Drohnen (First Person View) und Sprengstoff beschafft und in die Region Moskau gebracht haben. Die Drohnen hätten von der Ukraine aus ferngesteuert werden sollen. FPV-Drohnen sind per Videobrille gesteuerte Drohnen, die im Ukraine-Krieg häufig als bewaffnete Kamikaze-Drohnen verwendet werden.

Einer der Männer sei von einem SBU-Mitarbeiter gegen das Versprechen einer Geldzahlung angeworben worden, erklärte der FSB weiter. Er habe daraufhin einen Bekannten aus seinem Umfeld für das Vorhaben gewonnen. Die Festnahme sei erfolgt, als die Verdächtigen den Anschlag vorbereiteten. Eine Stellungnahme des SBU oder der ukrainischen Regierung lag zunächst nicht vor. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Drohnenangriffe auf die russische Hauptstadt verstärkt. Russland hat seinerseits die Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung und andere Infrastrukturziele intensiviert.

Russland will Angriffe trotz Gesprächen mit USA und Ukraine fortsetzen

Russland kündigte unterdessen an, trotz geplanter Gespräche unter US-Vermittlung seine Angriffe auf die Ukraine fortsetzen zu wollen. “Die Entscheidung für eine Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche beinhaltet keine Einschränkungen für die Kampfhandlungen”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag vor Journalisten. “Unsere Streitkräfte werden ihre massiven Angriffe auf den militärisch-industriellen Komplex der Ukraine fortsetzen.”

Auf die Frage, ob die Regierung in Moskau weiteren örtlich begrenzten Waffenruhen wie zuletzt für den südukrainischen Ort Oleschky zustimmen würde, sagte der Kremlsprecher, dies sei “zu humanitären Zwecken auf jeden Fall” möglich. Zugleich warf Russland der Ukraine vor, mit wiederholten Angriffen die geplante Waffenruhe in Oleschky zu gefährden. Die Ukraine habe die von Russland kontrollierte Stadt seit dem 19. Oktober 18 Mal mit Artillerie beschossen und mehr als 120 Drohnenangriffe geflogen, erklärt das Verteidigungsministerium in Moskau. Dadurch seien die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten sowie eine Evakuierung verhindert worden.

In der von Russland besetzten südukrainischen Stadt soll am Dienstag eine befristete Waffenruhe in Kraft treten. Die Feuerpause wurde angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten von Melania Trump vermittelt, der Ehefrau von US-Präsident Donald Trump.

In den vergangen Wochen hatte Russland seine Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine verstärkt und dabei insbesondere Energieanlagen nahe größeren Städten attackiert. Ähnliche Angriffe hatten im vergangenen Winter bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Millionen Menschen zeitweise von der Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten.

Nach mehreren erfolglosen Verhandlungsrunden wollen Vertreter der Ukraine und Russlands im kommenden Monat mit Unterhändlern von US-Präsident Donald Trump erneut Gespräche über ein Ende des Krieges führen. Moskau fordert bisher weitere Gebietsabtretungen in der Ostukraine sowie weitreichende militärische und politische Beschränkungen für Kiew. Die Ukraine und ihre Verbündeten sehen darin Forderungen, die faktisch einer Kapitulation gleichkämen.

E5-Staaten wollen Ukraine vor Winter militärisch stärken

Die fünf militärisch stärksten europäischen NATO-Mitglieder wollen die Ukraine vor dem bevorstehenden Winter mit Luftabwehrsystemen und weiterer Ausrüstung militärisch stärken. “Wir haben im Rahmen unserer Ukraine-Unterstützung Winterpakete geschnürt”, sagte Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius am Montag ach einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Polen, Großbritannien und Italien in Paris. “Wir werden darüber hinaus alles dafür tun, dass auch die USA die Ukraine mit ihren Lieferungen unterstützen oder eben vor allem auch mit nachrichtlichen Informationen und Satellitendaten.”

Die sogenannten E5-Länder arbeiteten außerdem mit der Ukraine an der Entwicklung eines Luftverteidigungssystems. “Dieses soll zusätzlich zu den Patriots und anderen Systemen die Ukrainer vor den Angriffen aus der Luft schützen”, sagte Pistorius. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin warf er Terror gegen die Zivilbevölkerung vor. “Er wird auf einen kalten Winter setzen und die Bedingungen für die Menschen in der Ukraine weiter verschlechtern, indem er die ukrainische Energie- und Wasserversorgung zerstören lässt, ganz systematisch.”

Ukraine braucht dringend mehr Luft- und Raketenabwehr

“Wir haben heute darüber gesprochen, dass Europa an verschiedenen Fronten verstärkt Hilfe leistet – mit Finanzmitteln, Ausrüstung und Nachschub”, sagte die an dem E5-Ministertreffen beteiligte stellvertretende NATO-Generalsekretärin ist Radmila Šekerinska. “Wir konzentrieren uns darauf, dass weiterhin Luftabwehrsysteme und andere lebenswichtige Ausrüstung über verschiedene Kanäle in die Ukraine gelangen.”

Mit dem nahenden Winter aber nehme die Bedrohung der Ukraine zu. Deshalb seien die Bündnispartner dazu aufgerufen worden, insbesondere im Bereich der Luft- und Raketenabwehr mehr zu tun. “Und wir müssen dies jetzt tun. Denn jede Nacht ist der Druck Russlands in fast jeder ukrainischen Stadt zu spüren.”

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