Von: APA/Reuters/dpa/Ukrinform
Die ukrainische Armee hat in der Nacht auf Mittwoch Ziele bis tief hinein nach Russland mit Drohnen angegriffen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, 326 Drohnen seien abgefangen worden. Dabei wurde auf der annektierten Krim-Halbinsel ein historisches Museum getroffen. Die Ukraine ihrerseits meldete sechs Verletzte nach russischen Drohnenangriffen auf Charkiw. Die Atomenergiebehörde zeigte sich besorgt über zunehmende Militäraktivitäten in der Nähe von AKW.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) warnte vor verstärkten militärischen Aktivitäten in der Nähe ukrainischer Kernkraftwerke wie Tschernobyl und das von Russland besetzte AKW Saporischschja. Die Behörde wies darauf hin, dass von IAEA-Teams, die an drei von der Ukraine kontrollierten Kernkraftwerken – Chmelnyzkyj, Riwne und Süd-Ukraine – sowie am Standort Tschernobyl stationiert sind, militärische Aktivitäten gemeldet wurden. Nach Angaben von IAEA-Experten wurden in den vergangenen zwei Wochen mehr als 100 Drohnen rund um die Anlagen gesichtet, einige davon in einer Entfernung von nur zwei Kilometern.
Geschichtsmuseum in Sewastopol getroffen
In Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim schlug eine Drohne in ein Geschichtsmuseum ein. Das Dach des Museums, das an den Krimkrieg von 1853 bis 1856 erinnert, geriet in Brand. Der Chef der Besatzungsverwaltung, Michail Raswoschajew, sprach auf Telegram von einem gezielten Angriff auf eine Kultureinrichtung.
Dies wäre indes untypisch für die bisherigen Angriffsmuster der ukrainischen Armee. Umgekehrt hat Russland in mehr als vier Jahren Angriffskrieg viele Museen, Theater, Bibliotheken, Schulen und Kirchen in der Ukraine bei Luftangriffen beschädigt.
Angaben über Opfer gab es zunächst nicht. Wegen der zunehmenden Luftangriffe schränkten die Behörden den nächtlichen Zugverkehr auf der Krim ein. Zuvor waren in dieser Woche bei einem Drohnenangriff ein Bahnarbeiter getötet und ein Lokführer verletzt worden.
Raffinerie und Ölanlagen in Russland getroffen
Von ukrainischen Luftangriffen getroffen wurde unter anderem die Raffinerie von Samara, wie russische Telegramkanäle berichteten. Samara ist ein wichtiger Öl-Knotenpunkt an der Wolga mit mehreren Raffinerien des Staatskonzerns Rosneft. Im Gebiet Wladimir östlich von Moskau wurden nach Behördenangaben zwei Anlagen der Ölindustrie beschädigt. In der an die Ukraine grenzenden Region Rostow geriet ein Treibstofftank in Brand.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf dem Portal X die Angriffe auf diese Ziele. In Tscheboksary an der Wolga sprachen die russischen Behörden von drei Verletzten nach einem Raketenangriff. Dort wurde nach Angaben Selenskyjs ein Rüstungsunternehmen mit ukrainischen Marschflugkörpern des Typs FP-5 Flamingo beschossen. “Wir wenden weiter Langstreckensanktionen gegen russische Militärobjekte und die Ölindustrie an”, schrieb er.
Das ukrainische Militär griff außerdem den russisch besetzten Hafen von Mariupol an. Der Hafen sei nach Angriffen auf die Energie-, Reparatur- und Verwaltungsinfrastruktur ohne Strom, teilten die Streitkräfte Kiews mit. Die Nutzung des Standorts als militärischer Logistikknotenpunkt sei dadurch “erheblich eingeschränkt”.
Sogar in weit entfernten Regionen im Ural und in Sibirien wie Chanty-Mansijsk, Perm, Tjumen, Tscheljabinsk und Swerdlowsk wurde Luftalarm ausgelöst. Omsk ist Standort der größten russischen Ölraffinerie. Es wurde aber nichts über einen tatsächlichen Angriff bekannt.
Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vor allem auf Anlagen der russischen Ölindustrie verstärkt, um eine wichtige Einnahmequelle der Regierung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. Dies hat Russland dazu gezwungen, seine Ölförderung zu drosseln. Der Export von Benzin und Kerosin wurde gestoppt. Auf der Krim herrscht zu Beginn der russischen Urlaubssaison Treibstoffmangel.
Verletzte bei russischem Drohnenangriff
Russische Drohnenangriffe trafen in der Nacht am schwersten die grenznahe ukrainische Großstadt Charkiw. Die Regionalverwaltung berichtete von 26 Einschlägen binnen kurzer Zeit. Die ukrainische Luftwaffe zählte über Nacht 207 russische Drohnen, von denen 181 abgefangen worden seien.
In Charkiw wurden mindestens sechs Menschen verletzt. Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, und der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Charkiw, Oleh Syniehubow, gaben bekannt, dass in mehreren Stadtteilen Wohngebäude in Brand geraten waren. Eine Drohne traf ein Fahrzeug. Am Dienstag hatten russische Angriffe auf Charkiw Brände in Wohnhäusern, Eisenbahninfrastruktur und Lagerhäusern verursacht. Es gab zehn Verletzte, darunter ein 14-jähriges Mädchen.




Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen