Von: APA/Reuters/AFP
Die Sicherheitslage im Nahen Osten bleibt wegen des drohenden US-Militärschlags auf den Iran angespannt. Die USA genehmigten wegen “Sicherheitsrisiken” die Ausreise ihres Botschaftspersonal, das nicht zur Notfallbesetzung gehört, und von deren Familien aus Israel, wie die US-Botschaft am Freitag mitteilte. Zudem rät sie US-Bürgern auszureisen, solange noch kommerzielle Flüge verfügbar sind. Auch Bewegungseinschränkungen für Regierungsmitarbeiter in der Region seien möglich.
Wie die “New York Times” berichtete, soll Botschafter Mike Huckabee Freitag früh die Angestellten in einer E-Mail in noch drastischeren Worten zur Ausreise aufgefordert haben. Diejenigen, die das Land verlassen wollten, sollten dies “HEUTE” tun, schrieb Huckabee demnach und fügte an: “Bemühen Sie sich darum, einen Platz in einem Flugzeug irgendwohin zu bekommen, von wo aus Sie dann nach Washington weiterreisen können, aber die oberste Priorität ist es, das Land schnell zu verlassen.”
Auch Großbritannien hat unterdessen sein Personal aus dem Iran vorübergehend abgezogen. Grund sei die Sicherheitslage, teilte die Regierung in London mit.
Araqchi rät USA von “übertriebenen Forderungen” ab
Der iranische Außenminister Abbas Araqchi rief die USA indes auf, in den derzeit laufenden Verhandlungen über ein Atomabkommen auf “übertriebene Forderungen” zu verzichten. In einem Telefonat mit seinem ägyptischen Kollegen Badr Abdelatty sagte Araqchi nach Angaben aus Teheran, “Erfolg auf diesem Weg erfordert Ernsthaftigkeit und Realismus von der anderen Seite und das Vermeiden jeglicher Fehlkalkulation und übertriebener Forderungen”.
Araqchi ging nicht näher darauf ein, welche Forderungen er meinte. Washington verweist in den Verhandlungen auf das iranische Raketenprogramm und beharrt auf einem Verbot der Urananreicherung durch den Iran. Teheran bezeichnet diese Forderung als “rote Linie”.
USA-Iran-Gespräche gehen am Montag in Wien weiter
Der iranische Außenminister hatte am Donnerstag in Genf an einer dritten Runde indirekter Atom-Gespräche mit den USA unter Vermittlung des Oman teilgenommen. Sowohl der Iran als auch der Oman sprachen im Anschluss von “Fortschritten”. Am kommenden Montag sollen die Gespräche in Wien auf Expertenebene fortgesetzt werden. Auch auf politischer Ebene könnten in der nächsten Woche weitere Gespräche stattfinden.
Außenministerium hat noch keine Details zu Gesprächen
Im Außenministerium in Wien hat man noch keine Details zu den in Wien geplanten Gesprächen. Man unterstütze eine diplomatische Lösung und die Arbeit der IAEO, hieß es auf Anfrage der APA. “Wenn die Gespräche in Wien zustande kommen, werden wir selbstverständlich jede Unterstützung, die gebraucht wird, bereitstellen”, so eine Sprecherin.
Eine Reduktion des diplomatischen Personals in Israel plant das Außenministerium den Angaben der Sprecherin zufolge derzeit nicht. Angehörigen werde die Ausreise ermöglicht, sollte dies gewünscht sein. Im Iran sei das diplomatische Personal bereits in den vergangenen Wochen reduziert worden, betonte sie. Die Sicherheitssituation in der Region werde laufend evaluiert.
IAEA kommentierte Informationen zu Gesprächen nicht
Die in Wien ansässige Internationale Atomenergiebehörde IAEA kommentierte die Informationen von Araqchi auf APA-Anfrage nicht, sondern verwies auf die Stellungnahme des omanische Außenministers Sayyid Badr Albusaidi sowie den IAEA-Gouverneursrat, der am Montag in Wien stattfindet. Badr Albusaidi schrieb am Donnerstag nach den Gesprächen in der Schweiz auf der Onlineplattform X: “Wir haben den Tag nach bedeutenden Fortschritten in den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran beendet. Wir werden bald nach Konsultationen in den jeweiligen Hauptstädten wieder zusammenkommen. Nächste Woche finden in Wien Gespräche auf technischer Ebene statt.” Er dankte allen Beteiligten, also den Verhandlungsführern, der IAEA und der Schweizer Regierung.
Badr Albusaidi wird laut Medienberichten am Freitag mit US-Vizepräsident JD Vance in Washington zusammenkommen. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem US-Kongress gesagt, dass Teheran an Raketen arbeite, welche die USA erreichen könnten. Teheran wies dies als “Lügen” zurück.
Teheran: Raketen einzig zur Verteidigung
Offiziell haben die iranischen Raketen eine Reichweite von 2.000 Kilometern, wodurch der Iran seinen Erzfeind Israel angreifen kann. Der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses schätzt sie hingegen auf rund 3.000 Kilometer.
Teheran hat wiederholt erklärt, dass seine Raketen einzig der Verteidigung dienen. Im Juni hatten Israel und der Iran einen Zwölf-Tage-Krieg geführt, bei dem die USA an der Seite Israels eingriffen und mehrere iranische Atomanlagen bombardierten.
IAEA dringt auf Inspektion iranischer Atomanlagen
Die IAEA forderte den Iran auf, unverzüglich wieder Inspektionen in allen seinen Atomanlagen zuzulassen. In einem vertraulichen Bericht, den die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag einsehen konnte, äußerten die UNO-Atomwächter besondere Besorgnis über den Verbleib hochangereicherten Urans und die Situation am Standort Isfahan. Es sei “unverzichtbar und dringend”, die Überprüfungen ohne weiteren Verzug wieder aufzunehmen, hieß es in dem Dokument. Zwar erkenne die Behörde an, dass die militärischen Angriffe auf die iranischen Atomanlagen eine beispiellose Situation geschaffen hätten. Klarheit sei jedoch zwingend erforderlich.
Seit den Luftangriffen der USA und Israels im Juni haben die Inspektoren keinen Zugang mehr zu den drei bekannten Uran-Anreicherungsanlagen, die zum Zeitpunkt der Bombardierung in Betrieb waren. Die Behörde wisse daher weder, in welchem Zustand sich die Anlagen befänden, noch was mit den dortigen Beständen geschehen sei. Vor den Angriffen am 13. Juni 2025 verfügte Teheran Schätzungen zufolge über 440,9 Kilogramm auf bis zu 60 Prozent angereichertes Uran. Das Material reicht nach IAEA-Maßstäben aus, um bei weiterer Anreicherung zehn Atomwaffen zu bauen. Zwar dürften Teile davon bei den Angriffen zerstört worden sein, westliche Staaten und die IAEA gehen jedoch davon aus, dass der Großteil noch intakt ist.
Im Fokus der IAEA steht dabei ein Tunnelkomplex in Isfahan. Der Bericht bestätigt erstmals, dass dort auf 20 und 60 Prozent angereichertes Material gelagert wurde. Satellitenbilder zeigten “regelmäßigen Fahrzeugverkehr” am Tunneleingang, hieß es weiter, ohne dass die IAEA den Zweck der Bewegungen klären konnte. Zudem bereitet der Behörde Sorge, dass der Iran den Zugang zu einer neuen, vierten Anreicherungsanlage in Isfahan verweigert, deren Existenz im Juni vergangenen Jahres bekanntgegeben wurde. Ob diese Anlage in Betrieb ist oder wo genau sie sich befindet, ist unklar.




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