Der Rauch der Zerstörung über den Dächern von Teheran

USA und Israel greifen Iran an und umgekehrt

Sonntag, 29. März 2026 | 14:51 Uhr

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Der Iran und Israel setzten die gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete am Sonntag, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs afghanische Migranten. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der iranischen Hauptstadt sowie anderen Gebieten in dem Land. Ziel sei Infrastruktur des iranischen Machtapparats gewesen, hieß es.

Bei einem israelischen Raketenangriff auf Teheran wurde zudem ein Büro des katarischen Nachrichtensenders Al-Araby beschädigt. Der Sender schrieb am Sonntag im Online-Dienst X, eine israelische Rakete habe das Gebäude getroffen, in dem sich die Redaktionsräume befinden. Dabei sei “erheblicher Schaden” entstanden, die Live-Berichterstattung sei deswegen unterbrochen worden. Aufnahmen aus dem Inneren des Gebäudes zeigten zerbrochene Scheiben, Glas und Trümmerteile. Aufnahmen von außen zeigten Trümmerteile auf den Straßen und beschädigte Gebäude.

Israel und die USA haben nach Angaben iranischer Staatsmedien einen Hafen nahe der Straße von Hormuz angegriffen. Bei dem Angriff auf den Kai des Hafens von Bandar Khamir seien fünf Menschen getötet und vier weitere Menschen verletzt worden, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag.

Kein Abebben der Gewalt

Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA schrieb in einem Bericht von Samstag, die Angriffe der vergangenen Tage auf den Iran seien die stärksten seit Kriegsbeginn gewesen. 74 Prozent der Angriffe hätten sich in Teheran ereignet. Nach Angaben von HRANA wurden mehr als 3.400 Menschen getötet, darunter mindestens 1.500 Zivilisten.

Der Iran setzte umgekehrt seine Raketenangriffe auf Israel fort. In verschiedenen Städten des Südens heulten die Warnsirenen. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es gebe keine Angaben zu Verletzten. Der Angriff galt nach Medienberichten auch der Wüstenstadt Dimona, die in der Nähe des israelischen Atomreaktors liegt. In dem Ort hatte es bei einem Angriff vor einer Woche Dutzende Verletzte und verheerende Zerstörungen in einem Wohngebiet gegeben. Iranische Medien meldeten Beschuss auf Israel. Alle Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Auch in anderen Ländern der Region dauern die iranischen Gegenangriffe an. Mehrere Golf-Staaten meldeten erneut Schäden, darunter nach Angriffen auf ein Metallwerk in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), bei dem es nach offiziellen Angaben auch mehrere Verletzte gab. Auch Katar, Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien meldeten neue Angriffe. In Kuwait zielten einige davon nach offiziellen Angaben auf das Umfeld des internationalen Flughafens und verursachten erhebliche Schäden am Radarsystem.

Die Flugabwehr habe heute 16 Raketen und 42 Drohnen abgefangen, meldete das emiratische Verteidigungsministerium. Seit Beginn des Kriegs vor vier Wochen habe das Land iranische Angriffe mit mehr als 410 Raketen, 1.900 Drohnen und 15 Marschflugkörpern abgewehrt. Bisher wurden elf Menschen getötet, darunter zwei Soldaten, und rund 180 weitere verletzt. Die Streitkräfte von Bahrain teilten mit, dass dort bisher 170 Raketen und 390 Drohnen abgewehrt wurden.

Seit einem Monat Krieg

Israel und die USA hatten am 28. Februar mit gemeinsamen Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region. Der Iran hat zudem die Straße von Hormuz weitestgehend blockiert. Sie ist eine der weltweit wichtigsten Meerengen für den Öl- und Gasexport, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Durch die strategisch wichtige Meerenge verläuft üblicherweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.

Am Sonntag kamen auf Einladung Pakistans die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie wollten dort über eine mögliche Deeskalation des Krieges zu beraten. Pakistan teilt sich eine rund 900 Kilometer lange Grenze mit dem Iran und hat sich seit der Ausweitung des Krieges auf die Golf-Staaten als Vermittler für eine mögliche Beendigung des Krieges angeboten.

Die Außenminister sollten auch Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif treffen. Dieser hatte nach eigenen Angaben in einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian “Pakistans starke Verurteilung der anhaltenden Angriffe Israels auf den Iran” bekräftigt. Zudem habe er ihn über Pakistans Bemühungen informiert, mit den USA, befreundeten Golf-Staaten und weiteren islamischen Ländern einen Dialog und eine Deeskalation zu erleichtern. So übermittelt Islamabad Botschaften zwischen den USA und dem Iran.

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