Von: Sophia Molitor
Pjöngjang – Gerüchte über einen angeblichen Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un haben sich in den letzten Tagen auf den sozialen Netzwerken verbreitet. Demnach soll er eine schwere Hirnblutung erlitten haben, ins Koma gefallen und nach einer Behandlung in Peking gestorben sein. Verbreitet wurde das Gerücht von dem in den USA lebenden chinesischen Dissidenten Wanjun Xie, der auf der Plattform X einen Beitrag dazu veröffentlichte. Der südkoreanische Geheimdienst hat allerdings mitgeteilt, dass keine Erkenntnisse vorliegen würden, die diese Todesgerüchte stützen. Inzwischen haben nordkoreanische Staatsmedien Bilder veröffentlicht, die Kim bei einem öffentlichen Termin zeigen.
Wanjun Xie behauptete in seinem Beitrag, dass Kim zunächst in Nordkorea medizinisch behandelt und anschließend nach Peking gebracht worden sei. Dort sei er gestorben und sein Leichnam heimlich in seine Heimat zurückgebracht worden. Auch von einer möglichen Machtübernahme durch Kims Schwester Kim Yo Jong und der Entsendung chinesischer Soldaten nach Pjöngjang war auf der Plattform X die Rede.
Am 20. Oktober kam es zur großen Reaktion auf die Gerüchte: Die nordkoreanischen Staatsmedien, insbesondere die Nachrichtenagentur KCNA, berichteten, dass Kim am Vortag eine Ausstellung für Bekleidung und Schuhe in Pjöngjang besucht habe. Sie veröffentlichten Fotos, die ihn gemeinsam mit seiner Tochter Kim Ju Ae und seiner Ehefrau Ri Sol-ju bei der Besichtigung der Ausstellung zeigen. Auf den Fotos scheint er lächelnd rosafarbene Kinderschuhe zu begutachten, Stoffrollen zu prüfen und Damenmäntel anzusehen. Damit widersprechen die offiziellen Aufnahmen zumindest der Darstellung, Kim sei bereits mehrere Tage zuvor gestorben.
Eine Bestätigung seines Gesundheitszustands liefern die Bilder allerdings nicht. Sie stammen aus staatlichen Medien, und Nordkorea ging nicht direkt auf die Todesgerüchte ein. Südkoreanische Diplomatie- und Sicherheitsvertreter erklärten laut der Nachrichtenagentur Yonhap, ihnen lägen keine Hinweise vor, die die Behauptungen stützen würden.
Die Gerüchte sind somit nicht bestätigt und werden durch die veröffentlichten Bilder infrage gestellt.
Das Gerücht über Kim Jong Uns angeblichen Tod zeigt, wie eng in Nordkorea Personenkult, politische Stabilität und Informationskontrolle miteinander verknüpft sind. Für ein Regime, das seine Legitimität maßgeblich aus der Verehrung seiner Führung schöpft und den Machthaber nahezu als unfehlbare, gottgleiche Figur inszeniert, wäre die Nachricht von dessen Tod oder einer schweren Erkrankung ein Problem und könnte innerhalb des Machtapparats für Unsicherheit sorgen. Pjöngjang könnte daher vor allem versucht haben, den Eindruck von Kontrolle und Kontinuität aufrechtzuerhalten – etwa durch Bilder und Berichte über öffentliche Auftritte Kim Jong Uns.
Es bleibt dennoch eine Vermutung, denn was tatsächlich geschieht, bleibt hinter verschlossenen Mauern. Da Nordkorea zu den am stärksten abgeschotteten Ländern der Welt zählt, haben unabhängige Medien kaum Zugang zum Land, und Informationen werden streng kontrolliert. Weder Gerüchte über den Tod des Machthabers noch staatlich veröffentlichte Bilder liefern einen vollständigen Einblick in die tatsächliche Situation.




Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen