Analyse von Nato-Kommandeur

Was hinter Trumps Hunger nach Grönland steckt

Freitag, 16. Januar 2026 | 08:18 Uhr

Von: mk

Drohungen zur Übernahme Grönlands belasten seit Wochen die transatlantischen Beziehungen zwischen den USA und Europa. Viele halten das unverhohlene Interesse von US-Präsident Donald Trump an der arktischen Insel für bloßes Machtgehabe, für eine Marotte oder bestenfalls für die Gier nach Rohstoffen. Wie eine Rede von Nato-Kommandeur General Alexus Grynkewich beim Nationalen Sicherheitskongress in Schweden zeigt, könnten allerdings auch militärische Überlegungen eine Rolle spielen.

Laut dem Nato-Kommandeur weiten China und Russland ihre militärische Präsenz in der Arktis aus, indem sie gemeinsame Patrouillen durchführen. Diese erstreckten sich von der russischen Nordküste bis in die Gewässer nördlich von Alaska und Kanada.

„Es geht nicht um friedliche Zwecke. Sie erforschen dort keine Robben oder Eisbären“, sagte Grynkewich laut „Fox News“. Stattdessen würden bathymetrische Untersuchungen durchgeführt, also Vermessungen des Meeresbodens, die militärisch genutzt werden könnten.

Wie der General erklärt, ist die Kartierung des Meeresbodens von strategischer Bedeutung und könne für U-Boot-Navigation oder den Bau von Unterwasserinfrastruktur genutzt werden. Auch chinesische Eisbrecher und Forschungsschiffe, die in der Region unterwegs seien, hätten keine friedlichen Absichten, sondern würden dazu eingesetzt, um militärische Vorteile zu erlangen.

Trotz der zunehmenden Aktivitäten sieht Grynkewich derzeit noch keine direkte Gefahr für Nato-Gebiete, zumal Russland durch den Krieg in der Ukraine militärisch stark ausgelastet ist. Dennoch hält er eine Verschärfung der Lage prinzipiell für möglich. „Das kann sich sehr schnell entwickeln, und wir müssen darauf vorbereitet sein“, betonte der General. In der Tat beäugt der Kreml  Trumps Vorstoß mit Argwohn und hat auf die eigenen Interessen in der Arktis aufmerksam gemacht. Russland warf der NATO unter anderem vor, die Spannungen in der Region anzuheizen.

Die Nato ihrerseits und besonders die USA beobachten die Entwicklungen in der Arktis genau und werten die Zusammenarbeit zwischen Russland und China als gezielte Opposition gegen westliche Interessen.

Trotz aller Überlegungen stößt Trumps Anspruch auf die Insel auf Kritik von Politikern seiner eigenen Partei und von europäischen Verbündeten.

Erneuter Besuch des Königspaars?

Inmitten der diplomatischen Spannungen zwischen Kopenhagen und Washington spekulieren dänische Medien unterdessen über einen erneuten Besuch von König Frederik X. und Königin Mary in Grönland im Jahr 2026. Während die dänische Regierung auf diplomatischer Ebene gegen die Drohungen aus Washington kämpft, könnte der König eine emotionale Brücke schlagen, meint Historikerin Emma Paaske.

Schlechte Umfragewerte für Trump

Doch auch US-Präsident Donald Trump fällt nicht alles in den Schoß. Stattdessen stürzt der Republikaner bei heimischen Umfragen weiter ab, berichtet n-tv. Weder die erfolgreiche Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro noch die ständigen Drohungen gegen Grönland scheinen ihm dabei zu helfen. Eine Mehrheit von 55 Prozent ist mit Trump als Präsident der Vereinigten Staaten unzufrieden.

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