Russische Rakete schlug in Wohnhaus in Krywyj Rih ein

Zehn Tote durch russischen Beschuss der Südukraine

Montag, 31. Juli 2023 | 19:27 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Russland hat am Montag erneut südukrainische Städte angegriffen und dabei Behörden zufolge mindestens zehn Zivilisten getötet und Dutzende weitere verletzt. In der Stadt Krywyj Rih, Heimat des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, schlugen zwei russische Raketen in ein neunstöckiges Wohnhaus und ein Gebäude der Universität ein. Der Kreml bezeichnete die jüngsten Drohnenattacken der Ukraine auf Russland als “Akt der Verzweiflung” des Nachbarlandes.

Der Militärchef von Krywyj Rih, Olexander Wilkul, sprach von mindestens fünf Toten – darunter eine Mutter und ihre zehnjährige Tochter – und mehr als 75 Verletzten. Lokale Behörden gingen davon aus, dass unter beiden Gebäuden noch weitere Menschen verschüttet sein könnten. Das getroffene Wohnhaus ist teilweise ausgebrannt und besonders einsturzgefährdet, wie Videoaufnahmen zeigten. Die Rettungsarbeiten liefen noch.

In der im Oktober 2022 von der Besatzung befreiten Stadt Cherson starben nach Angaben der örtlichen Militärverwaltung insgesamt vier Zivilisten durch russisches Feuer. Weitere 17 wurden verletzt. Der größere Teil des Gebiets Cherson ist weiter von russischen Truppen besetzt.

Selenskyj sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus und verurteilte den “russischen Terror”. “Ukrainische Regionen werden von Besatzern beschossen, die weiterhin friedliche ukrainische Städte und Menschen terrorisieren”, schrieb er bei Telegram. In einem späteren Beitrag dankte Selenskyj auch den Rettungskräften. Mehr als 350 Helfer sollen an der Rettungsaktion beteiligt sein.

Russland meldete unterdessen zwei Tote und sechs Verletzte bei einem ukrainischen Raketenangriff auf die Stadt Donezk in der teilweise von Russland besetzten Region in der Ostukraine. Die Behörden der russischen Grenzregionen zur Ukraine sprachen von neuen Drohnenattacken und Schäden. Die ukrainischen Streitkräfte hätten in der Nacht zum Montag einen Anschlag auf ein Behördengebäude im Raum Trubtschewsk verübt, teilte der Gouverneur der Region Brjansk, Alexander Bogomas, bei Telegram mit. Es gebe Schäden am Dach und an den Fenstern des Gebäudes. Verletzte gab es demnach nicht.

Auch im Gebiet Rostow berichtete Gouverneur Wassili Golubew von Zerstörungen in der Siedlung Daraganowka nach einem Zwischenfall mit einer Drohne. Experten des Verteidigungsministeriums klärten nun deren Herkunft. Beschädigt worden seien ein Haus und ein Auto, sagte Golubew zu dem Vorfall vom Sonntagabend. Verletzt worden sei niemand. In sozialen Netzwerken kursierten Videos von einem zerstörten Gebäude nach einer Explosion, aus den Trümmern stieg Rauch auf. Bewohner berichteten von massiven Schäden.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die ukrainischen Angriffe als “ekelhaft”. Die Ukraine habe bei ihrer Gegenoffensive keine Erfolge vorzuweisen und greife deshalb zu Terrorschlägen gegen zivile Infrastruktur, sagte er am Montag mit Blick auf den Drohnenangriff auf das Wolkenkratzerviertel Moskwa City am gestrigen Sonntag. “Es ist auch offensichtlich, dass die Ressourcen von vielen Milliarden, die Länder der NATO dem Kiewer Regime übergeben haben, faktisch nicht effektiv ausgegeben werden”, meinte Peskow. Die NATO-Militärhilfe für die Ukraine sei bei der vor zwei Monaten gestarteten Gegenoffensive “verschwendet” worden. Peskow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu versicherten am Montag zugleich, dass die nötigen Vorkehrungen zum Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen getroffen worden seien.

Peskow warnte zudem davor, dass die geplanten westlichen Sicherheitsgarantien für die Ukraine die Lage verschlechtern würden. Solche bilateralen Garantien widersprächen dem internationalen Prinzip der “Unteilbarkeit” der Sicherheit, sagte er am Montag nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. “Nach unserer Überzeugung wird dies nur zu einer weiteren Verschlechterung der Sicherheitslage auf dem europäischen Kontinent führen.” Peskow äußerte sich auch zurückhaltend zu Berichten über eine Ukraine-Konferenz an diesem Wochenende in Saudi-Arabien. Russland sei nicht eingeladen, werde das Treffen aber beobachten. “Wir haben immer wieder gesagt, dass alle Versuche, die eine friedliche Lösung ermöglichen, einer positiven Bewertung würdig sind.”

Die Ukraine verkündete indes, in der vergangenen Woche knapp 15 Quadratkilometer von der russischen Besatzung befreit zu haben. Mit 12,6 Quadratkilometern entfiel der Hauptanteil auf Abschnitte an der Front in der Südukraine, teilte Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar am Montag bei Telegram mit. Im ostukrainischen Gebiet Donezk seien bei der russisch kontrollierten Stadt Bachmut weitere zwei Quadratkilometer hinzugekommen. Damit sind demnach seit dem Beginn der ukrainischen Gegenoffensive vor etwa acht Wochen insgesamt etwas mehr als 240 Quadratkilometer zurückerobert worden. Einschließlich der schon 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim kontrolliert Russland weiterhin mehr als 100.000 Quadratkilometer ukrainischen Staatsgebiets.