Von: importer
Christian Mitter geht in seine zweite Saison als Sportlicher Leiter Alpin im ÖSV. Er bemerkt nach gutem Training in Übersee und zuletzt Sölden einen guten Spirit. “Es sind immer wieder Verbesserungspotenziale da, aber wir haben schon einige Leute, die da richtig vorne mitfahren können”, sagte er am Donnerstag beim Kamingespräch anlässlich des Saisonauftakts. “Österreich ist immer noch die Skination”, stellte er fest. Erwartungen benennt er nicht in Form von Resultaten.
“Das Wichtigste ist, dass sie es im Rennen abrufen und ihren Schwung zeigen. Und dann schauen wir, wo wir stehen”, sagte Mitter. “Wir haben mit dem Großteil der Leute, die mitfahren, einfach keine realistische Chance, dass sie es gewinnen. Aber wenn man Zwölfter wird, dann hat man den zwölftbesten Riesentorlauf-Schwung des Tages oder der Periode, und dann kann man schauen, warum bin ich Zwölfter und nicht Dritter oder Erster.” Es gäbe einen Grund, warum man schnell oder langsam gefahren sei. “Das müssen wir einfach ganz klar herausanalysieren. Meine Erwartung ist, dass wir die Schritte machen, dass wir prozessorientiert und nicht ergebnisorientiert arbeiten.”
Ein paar mit Scheib-Potenzial
Julia Scheib lieferte in der Vorsaison nach dem Sieg in Sölden ihre stärkste Saison bis hin zum Riesentorlauf-Kugelgewinn ab. Mitter sieht im österreichischen Team nach Nachfrage einige, die sich ähnlich in Position bringen könnten. “Aber auch wenn man den geilsten Slalom- oder Riesentorlaufschwung der Welt fährt, braucht das Zeit, bis man in der Position ist. Und dann ist wichtig, dass man das durchführt, was man durchführen kann. Und was links und rechts ist, ist mir egal.”
Namentlich zählte er Raphael Haaser auf, Joshua Sturm oder Stephanie Brunner. “Da reden wir schon ewig davon, wenn die einmal ihre sieben Zwetschgen im Rennen beieinander hat.” Ob der Schwung der Aufgezählten derzeit so sei, dass sie gewinnen können, wisse er nicht. Doch gehe es darum, das Potenzial abzurufen, sich mit einem siebenten oder fünften Platz nicht zufrieden zu geben, sondern dies als Chance zu nützen. Für jede und jeden gehe es immer um irgendetwas. “Die Erwartungshaltung niedrig zu halten, davon halte ich nicht viel. Egal auf welchem Niveau, ob U12 oder Weltcupläufer, jeder will sich messen.”
Mitter will gesamte Sprache vorantreiben
“Wir haben eine Quantität an Läufern und eine hohe Qualität bis in die Basis. Es gibt verschiedene Wege, einige haben starke Vereine hinter sich, starke Eltern, Talschaften, Bezirke, Landesverbände, Schulen und so weiter. Wenn man es richtig nutzt, dann ist das sicher eine Stärke für uns”, sagte Mitter. Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen habe der Österreicher immer noch die beste Möglichkeit zum Trainieren. “Wir haben immer noch dieses Ökosystem von Personen, die am Skisport interessiert sind und mitarbeiten.”
Mehr Quantität ist gefragt, die Vorbereitungstage müssen effizient genützt werden. Zeit, Skifahren zu lernen, sei da keine mehr, erklärte der Sportliche Leiter. Deshalb ist sein Credo, dass bei skifahrerischen und rennfahrerischen Fähigkeiten alle eine gemeinsame Sprache sprechen – beginnend bei jenen, die schon in jungen Jahren die Basisarbeit machen. “Ich habe es jedem angeboten, jedem Landesverband, jedem aus unseren Teams. Es ist eine andere Ansicht, was im Rennfahren, an der Spitze die Knotenpunkte sind. Der Effekt ist, dass man ein bisschen mit ein paar Mythen und Sagen ausmistet, die da so rumlaufen im alpinen Skigewerbe. Und nicht nur in Österreich.”
Er habe dies in Norwegen schon praktiziert. “Dann kommen die Läufer vom Nachwuchs in den Europacup und du fängst nicht bei Null an, sondern hast zumindest eine gemeinsame Sprache.” Das sei nicht “aus dem Ärmel gezaubert”, sondern über Jahre entwickelt. “Zusammengebastelt”, sagte Mitter. Mit Hilfe des Sport-Science-Departments wurden beispielsweise Fragen geklärt, was Auswirkungen auf den Schwung hat und daraus Ableitungen für die Praxis gemacht. “Wir sind ja Gott sei Dank in einem messbaren Sport. Du fährst entweder schnell oder nicht schnell.” Datenerheben sei nicht das Problem, es gehe darum, präzise zu schauen, was man brauche.




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