Die UEFA setzt FIFA-Chef Gianni Infantino unter Druck

Europäer drohen wegen FIFA-Plan mit WM-Boykott

Donnerstag, 30. Juli 2026 | 18:46 Uhr

Von: importer

Die 55 Mitglieder der Europäischen Fußball-Union (UEFA) drohen dem Weltverband (FIFA) geschlossen mit einem WM-Boykott bei Männern und Frauen, falls dieser den angekündigten Investorendeal durchzieht. Das gab die UEFA nach einem virtuellen Dringlichkeitsmeeting am Donnerstag bekannt. “Als Konsequenz aus der heutigen Diskussion werden keine UEFA-Nationalmannschaften an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge im Raum stehen”, teilte die UEFA mit.

Der europäische Fußball unter Führung von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin macht damit Ernst und hat eine ultimative Drohung an Infantino ausgesprochen. Sie lautet: Wenn ihr den Plan mit dem Investorendeal in die Tat umsetzt, werden wir die nächste Weltmeisterschaft und alle weiteren Wettbewerbe des Weltverbands zusammen boykottieren. “Wir lehnen den Vorschlag der FIFA, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab. Die Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Es darf keinen Zweifel geben: Die UEFA und ihre nationalen Verbände werden sich diesen Plänen mit aller Entschlossenheit widersetzen”, hieß es in dem von allen 55 nationalen Verbänden unterzeichneten UEFA-Schreiben.

“Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet”, hieß es darin. Europas Dachverband stellt klar: Selbst wenn unter den 211 Mitgliedsstaaten eine Mehrheit für den Investorendeal votieren sollte, werde man diesen Beschluss nicht mittragen.

ÖFB: Fußball immer im Mittelpunkt

Der Österreichische Fußballbund trug den Entschluss voller Überzeugung mit. “Wir stehen vollinhaltlich und felsenfest hinter dieser Entscheidung”, erklärte ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll. “Der ÖFB war ein integrativer und aktiver Teil der Gespräche sowie der Beschlussfassung. Das geschlossene Vorgehen der europäischen Verbände sendet ein starkes Signal der Verantwortung und des Zusammenhalts. Dieser Weg ist der richtige. Im Mittelpunkt muss immer der Fußball stehen. An diesem Maßstab muss sich unser Handeln orientieren”, betonte Pröll.

FIFA-Boss Infantino gerät damit nicht einmal zwei Wochen nach Ende der WM in Amerika so stark unter Druck wie noch nie in seinen mehr als zehn Jahren Amtszeit. Denn: Eine WM ohne den amtierenden Titelträger Spanien und die weiteren Großnationen wie Frankreich, Deutschland und England ist nicht vorstellbar und würde komplett den sportlichen Reiz verlieren.

Doch die UEFA baut die Drohkulisse nicht erst für die Endrunde 2030, die zu Teilen sogar in Spanien und Portugal ausgetragen werden soll, auf. Sondern für alle FIFA-Wettbewerbe, zum Beispiel auch die WM der Frauen im nächsten Sommer in Brasilien. Und die Play-offs, die bereits in diesem Herbst steigen sollen. Die Drohung gilt ab sofort und “solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet”, schrieb der europäische Dachverband zum offenen Bruch mit dem Weltverband.

FIFA-Frist für 19. September angekündigt

Die FIFA hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einspielen zu wollen. Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung bis 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. Infantino hatte den geplanten Einstieg externer Geldgeber zuvor verteidigt. Dieser sei eine “einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen”. Die UEFA sieht das komplett anders und hat deshalb von Anfang an massiven Widerstand angekündigt.

Nicht nur die Idee an sich, sondern auch das Vorgehen der FIFA löste starke Irritationen aus. Die Nationalverbände wurden am Dienstag von dem neuen Plan komplett überrascht. “Es ist unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein so bedeutsamer Vorschlag für den Fußball im Geheimen ausgearbeitet und beinahe verabschiedet wurde, ohne die Verantwortlichen des Fußballs auch nur ansatzweise zu konsultieren”, hieß es von der UEFA nun.

Auch Tschechien unterschrieb

Dass die 55 europäischen Mitgliedsstaaten den Brief geschlossen unterzeichneten, ist bemerkenswert, weil sich der tschechische Verband am Vortag noch offen für den FIFA-Plan gezeigt hatte. “Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment”, schrieb die UEFA im Namen ihrer Mitglieder.

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