Gianni Infantino sieht sich auf dem richtigen Weg

Infantino bringt FIFA-Spitze auf Kurs – UEFA droht weiter

Donnerstag, 06. August 2026 | 17:20 Uhr

Von: importer

Gianni Infantino hat die Spitze des Fußball-Weltverbandes bei der Krisenbewältigung in Marokko wieder auf Kurs gebracht. Nach dem gescheiterten Investorendeal und Kritik von allen Seiten demonstrierte der FIFA-Präsident in Rabat Einigkeit und trat gemeinsam mit Generalsekretär Mattias Grafström auf. Alle anwesenden Spitzenfunktionäre hätten Infantino “ihre uneingeschränkte Unterstützung” bekundet, verlautete die FIFA in einer Mitteilung. Die UEFA wurde damit nicht besänftigt.

Die Europäische Fußball-Union droht auch nach dem Fehler-Eingeständnis von Infantino beim gescheiterten Investorendeal weiter mit einem WM-Boykott. Die Voraussetzungen seien nicht erfüllt, um die Drohung zurückzunehmen, erklärte die UEFA auf dpa-Anfrage. “Erstens mussten die Vorschläge zum Verkauf der großen Wettbewerbe zurückgezogen werden. Zweitens mussten Zusicherungen gegeben werden, dass solche Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, nie wieder unternommen werden.”

Darüber hinaus bekräftigte die UEFA, dass das Vertrauen in Infantino verloren gegangen sei. An dieser Haltung halte man fest, stellte der Verband klar. “Die gestrige Bekanntgabe, dass einige Angestellte des FIFA-Präsidenten (deren Karriere von seiner Gunst abhängt) ihm zustimmen, ändert nichts daran”, hieß es vom Kontinentalverband weiter.

Infantinos positives Fazit

Trotz aller Turbulenzen hatte Infantino davor nach der für ihn gelungenen Notfallsitzung ein positives Fazit gezogen und von “einem Tag voller konstruktiver und positiver Gespräche mit Mitgliedern der FIFA-Geschäftsleitung” gesprochen. In einer FIFA-Mitteilung hieß es zudem: “Zur Vermeidung jeglicher Missverständnisse bekräftigen der FIFA-Generalsekretär (Grafström, Anm.) und das anwesende Management Board ihre uneingeschränkte Unterstützung für FIFA-Präsident Gianni Infantino als den einzigen offiziellen Repräsentanten, der von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gewählt wurde.”

Umgekehrt betonte auch Infantino seine volle Unterstützung für Grafström. Der Schwede hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an FIFA-Mitarbeiter von einer “traurigen und tadelnswerten Reihe von Ereignissen” gesprochen. Der Weltverband räumte in diesem Zusammenhang Fehler ein. Es herrsche Einigkeit darüber, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem FIFA-Rat und den FIFA-Mitgliedsverbänden “das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden sollen.”

Zugleich gab sich der Weltverband kämpferisch und drohte. “Die FIFA wird keinerlei Angriffe mehr auf ihre Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Namen und ihren Ruf zu schützen und zu wahren.”

Weiter Widerstand aus Europa

Dass Infantino weiter mit Widerstand aus Europa rechnen muss, hat die UEFA am Donnerstag klargemacht. Zudem betonte UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister, jeder künftige FIFA-Präsident solle ein “Hüter des Sports” sein, der in der Lage ist, den Weltfußball zu vereinen. McAllister sagte, es werde schwierig sein, einen glaubwürdigen Herausforderer für Infantino zu finden, da jeder Kandidat Unterstützung aus der gesamten weltweiten Fußballgemeinschaft benötige, nicht nur aus Europa. “Das ist nicht so einfach, wie man vielleicht denken könnte. Der richtige Kandidat muss auch über das nötige Maß an Unterstützung verfügen”, sagte McAllister in einem Interview mit der Deutschen Welle (DW).

Die Waliserin forderte umfassende Reformen der Führungsstrukturen, um den Fußball zu modernisieren. “Meiner Meinung nach bedarf es einer wirklich grundlegenden Veränderung in der Kultur der Fußballführung, um sicherzustellen, dass der Fußball nicht von Machtzielen oder Einzelpersonen beherrscht wird, sondern demokratisch geführt wird.”

Unterstützungen und Absagen

Im März kommenden Jahres wird die FIFA-Chefposition neu gewählt. Infantino ließ in Rabat keinen Zweifel daran, dass er für eine weitere Amtszeit bis 2031 antreten werde. In der Nacht nach dem Krisengipfel postete Infantino die Unterstützungsschreiben aus der Mongolei sowie von den Philippinen. In Europa hatten zuletzt eine Handvoll Nationen angekündigt, den FIFA-Chef nicht mehr unterstützen zu wollen.

Vor allem englische Medien lancieren immer neue Gerüchte, die Infantino schwächen sollen. “The Sun” kommentierte: “Infanti-No GO! Unglaublicherweise wird Infantino von den FIFA-Führungskräften dabei unterstützt, sein Amt weiter auszuführen.” Die “Times” schrieb, Infantino habe Marokko die Austragung des WM-Finales versprochen. Die FIFA dementierte dies umgehend. Um den Mann aus dem Wallis zu stürzen, gibt es mehrere Optionen: das aus 37 Mitgliedern bestehende FIFA-Council, bei dem eine Mehrheit eine Krisensitzung einberufen könnte. Oder eine außerordentliche Sitzung des FIFA-Kongresses, für die 43 von 211 Stimmen nötig wären.

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