Von: apa
Marco Odermatt hat in seinem Wohnzimmer Adelboden mit einer weiteren brillanten Vorstellung zum fünften Mal hintereinander den Riesentorlauf am Chuenisbärgli gewonnen. Das war vor dem Schweizer Skistar nur Ingemar Stenmark von 1979 bis 1984 gelungen. Odermatt setzte sich deutlich vor dem für Brasilien fahrenden Lucas Pinheiro Braathen (+0,49 Sek.) und dem Franzosen Leo Anguenot (+0,68) durch.
Vinatzer auf Platz 26
Alex Vinatzer aus Gröden legte keinen optimalen zweiten Durchgang hin. Zur Halbzeit war er noch Siebter, im zweiten Lauf rutschte er aber nach einigen Toren weg, sah aber dennoch – mit großem Rückstand – das Ziel. Er wurde 26. doch noch einige Weltcup-Punkte. Bester Azzurro wurde Luca De Aliprandini auf Rang 18 platzierte.
Die Österreicher waren bei der Schweizer Skiparty nur Statisten.
Weltmeister Raphael Haaser war als Achter (+1,78) bester Österreicher. Ein ÖSV-Duo konnte seine gute Ausgangsposition zur Mittagspause nicht zu einem Sturm-Lauf auf das Podest nutzen. Joshua Sturm, als Fünfter der Überraschungsmann des ersten Durchgangs, fiel auf Rang 14 zurück. Marco Schwarz, der Sechste nach dem ersten Lauf, rutschte mit klarer Zwischenführung am steilen Zielhang am Skischuh aus und aus dem Kurs.
Stefan Brennsteiner musste die Führung in der Riesentorlauf-Wertung an Odermatt abgeben. Er schied als Halbzeit-21. im zweiten Lauf aus. Lukas Feurstein wurde bei Schneefall und dichter Bewölkung im Berner Oberland 21. Drei Österreicher schafften es nicht in den zweiten Durchgang, darunter Manuel Feller (35.).
Österreich-Training vor dem Triumphzug
Am Tag nach dem nationalen Trauertag sorgte Odermatt mit seinem sechsten Saisonsieg vor Tausenden Landsleuten für eine Ski-Party. “Diese Stimmung, hier als Letzter mit Grün abschwingen zu dürfen, ist einmalig. Hier zu gewinnen ein fünftes Mal ist so cool”, sagte der unangefochtene Leader der Gesamtwertung. Er habe sich die ganze Woche gut gefühlt, habe auf der Reiteralm in Österreich gut trainiert. “Das Gefühl kam perfekt zurück. Ich weiß, wie man hier schnell fahren kann”, sagte Odermatt im ORF. “Ich mag es auch, wenn es Winterwetter ist, wenn nicht alles perfekt ist und man schlau fahren muss.”
Braathen betrieb erfolgreich Traumabewältigung. “Das ist mein erstes (Riesentorlauf-)Resultat nach meinem Sturz hier”, erinnerte er an seine Knieverletzung von 2021. “Ich habe so viele Traumata und Angst vor diesem letzten Steilhang”, sagte Braathen, der im Slalom danach bereits dreimal wieder am Adelbodner Podest gestanden war. “Ich habe für dieses Rennen viel mental gearbeitet.”
Schwarz nach Ausfall bedient
Haaser hatte seit Rang sechs zum Auftakt in Sölden kein Top-Ten-Resultat im Riesentorlauf mehr erreicht. “Mit dem Ergebnis kann ich ganz gut leben. Der Zeitrückstand macht mich noch ein bisschen stutzig. Aber es geht in eine richtige Richtung.” Der Tiroler vermisst noch das letzte Vertrauen, “um bedingungslos zu attackieren”. Schwarz war nach seinem Ausfall bedient: “Das bringt mich nicht weiter. Ich weiß, dass mein Riesen-Schwung schnell ist. Der Ausfall ist ein Vollscheiß.”
Sturm war im ersten Lauf völlig überraschend mit Startnummer 33 auf Platz fünf gebraust. “Es hat sich nicht gut angefühlt, aber es war wirklich die Kampflinie.” Der 24-Jährige wollte auch im zweiten Durchgang “nicht zurückziehen”, musste nach dem Rückfall aber eingestehen: “Ich habe mir ein bisschen die Schneid abkaufen lassen.” Er werde mit etwas Abstand dennoch zufrieden sein, sagte der Tiroler nach seinem besten Weltcupresultat.
Brennsteiner griff beim Material daneben
Für Brennsteiner bleibt Adelboden ein unlösbares Rätsel. Der Salzburger beteuerte, beim Material daneben gegriffen zu haben. “Offenbar bin ich doch nicht routiniert genug”, sagte der 34-Jährige. Er habe zwei Paar Ski, wovon eines schneller um die Kurve und eines weniger schnell um die Kurve gehe. “Ich habe das Tempo falsch eingeschätzt und war belagseitig vom Tuning her zu wenig aggressiv.” Nach einem schweren Patzer fand er sich nur auf Platz 21 wieder.
Doch statt der erhofften Aufholjagd rutschte der Routinier mit Innenlage am Schuh weg und saß frustriert im weichen Schnee. “Ich habe versucht zu riskieren, habe das Material gewechselt und mich besser gefühlt. Aber dann mache ich einen blöden Fehler.” Ein zwölfter Platz bleibt Brennsteiners bestes Ergebnis bei diesem Klassiker. In der RTL-Wertung liegt Odermatt nach sechs von neun Rennen nun 95 Punkte voran.




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