Von: importer
Alexander Zverev hat am Dienstag in Wien gerade noch den Kopf aus der Schlinge gezogen. Der topgesetzte Deutsche wehrte in der 1. Runde des Erste Bank Open nach sensationeller Gegenwehr des hochtalentierten, 20-jährigen Spaniers Martin Landaluce vier Matchbälle ab und nutzte nach 3:05 Stunden seinen fünften zum 7:5,3:6,7:6(11) über den Weltranglisten-67. Bereits zuvor war Carlos Alcaraz mit einem 6:4,7:6(5) über den Russen Karen Chatschanow ins Tennis-Turnier gestartet.
“Was für ein Spieler, ein Wahnsinn. Das ist sein erstes Jahr auf der Tour. Er hatte heute eine der besten Vorhände der Welt, hat kaum Fehler gemacht”, lobte Zverev seinen Gegner und ergänzte: “Er hat mich zu meinem absoluten Limit gebracht.” Und es war wohl eine der spannendsten Erstrunden-Partien der vergangenen Jahre in der Wiener Stadthalle. Die 9.800 Fans kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten, denn der mit einer Wildcard versehene Landaluce zeigte im ersten Duell mit Zverev keinen Respekt und überzeugte mit sehr aggressivem Tennis.
Landaluce, der mit Albert Molina den gleichen Manager wie Carlos Alcaraz hat, kämpfte sich immer wieder zurück. Im besonders umkämpften Schluss-Satz wehrte er zunächst bei 5:6 zwei Matchbälle ab und erreichte nach 2:43 Stunden verdient das entscheidende Tiebreak. In diesem führte der krasse Außenseiter bereits 5:2, ehe ein unerreichbarer Netzroller Zverevs dem Deutschen das 5:5 ermöglichte. Er ließ sich davon nicht irritieren und hatte bei 6:5 selbst den ersten von vier Matchbällen. Ebenso bei 8:7, 9:8 und 10:9. Doch der glückliche Sieger war am Ende der Topstar des Turniers.
Alcaraz – Chatschanow ebenfalls mit tollem Tennis
Schon zuvor hatten sich Alcaraz und Karen Chatschanow im weiteren Erstrunden-Kracher ein sehenswertes Duell geliefert. Der Weltranglisten-Dritte besiegte den Russen nach gewaltigem Schlagabtausch und 2:04 Stunden 6:4,7:6(5). In direkten Duellen mit dem Russen stellte der 23-jährige Spanier auf 7:0. Alcaraz trifft nun am Donnerstag auf Österreichs Davis-Cup-Helden Jurij Rodionov oder den Georgier Nikolos Basilaschwili.
“Es war wirklich eng. Ich habe gut gespielt, ein paar Punkte haben entschieden. Aber das ist Tennis, du gewinnst die wichtigen Punkte, wenn es darauf ankommt”, resümierte Alcaraz bei der Pressekonferenz. Schon zuvor hatte er auf dem Platz seinen Gegner gelobt. “Er ist so ein toller Spieler, es ist immer ein Kampf gegen ihn. Ich musste bereit sein, ich habe alles wirklich gut gemacht und habe den Ball wirklich gut getroffen. Ich bin froh, den Sieg in zwei Sätzen geschafft zu haben”, meinte er. Er lobte auch die ausgezeichnete Atmosphäre in der Stadthalle schon in einer ersten Runde.
Chatschanow bot starke Gegenwehr
Alcaraz benötigte etwas Anlaufzeit, um in Schwung zu kommen. Er eröffnete seine zweite Wien-Kampagne nach jener vor fünf Jahren (Semifinale) mit einem Doppelfehler und musste zum 2:3 auch als erster Spieler sein Service abgeben. Chatschanow zeigte in dieser Phase auch, warum er zuletzt bis ins US-Open-Halbfinale vorgestoßen war. Danach ließ er aber ein 40:0 und insgesamt vier Chancen zur 4:2-Führung aus, Alcaraz schaffte das Rebreak und nutzte letztlich zum 6:4 den ersten Break- und Satzball.
Der siebenfache Major-Sieger aus Spanien überzeugte nicht nur mit enormer Power in seinen Schlägen, sondern war auch läuferisch eine harte Nuss für Chatschanow. Doch der Russe hielt weiter dagegen und wehrte bei 4:5 im zweiten Satz drei Matchbälle ab. Und das brachte einen Wechsel des Momentums, denn Chatschanow nutzte seine erste Breakchance zum 6:5. Aber Alcaraz schlug wie ein Champion zurück: Zu null nahm er seinem Gegner den Aufschlag ab und erreichte nach 1:56 Stunden das Tiebreak.
In diesem steckte Alcaraz einen 1:3-Rückstand weg und nach einem Minibreak zum 5:4 schlug Chatschanow zweimal auf. “Bei 4:5 im Tiebreak habe ich diesen Passierball geschlagen, und da weiß ich nicht, wie ich den geschafft habe”, erinnerte sich der Spanier, der das Tiebreak dann drehte. Bei 6:5 nutzte Alcaraz seinen vierten Matchball und verhinderte noch den dritten Durchgang.
“Bin auf dem richtigen Weg”
Der diesjährige Australian-Open-Sieger, der in Melbourne bereits mit 22 seinen Karriere-Grand-Slam fixiert hatte, hat noch ein Stück zu gehen, um wieder auf absolutem Toplevel zu landen. “Ich bin auf dem richtigen Weg, mache die richtigen Schritte. Wir haben heute gesehen: Ich habe tolles Tennis gespielt. Jetzt geht es darum, die Konstanz zu bekommen, die ich zu Beginn des Jahres hatte”, weiß Alcaraz.
Als er nach den Bedingungen in der Halle gefragt wurde, meinte Alcaraz, dass ihm die Musik “ein bisschen zu laut” sei. “Es ist beim Seitenwechsel und diese Zeit ist auch die Zeit der Fans”, zeigte er auch Verständnis.




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