Von dem 22-Jährigen werden wir wohl noch öfter was hören

“Deitschnoafn”-Rap: Patrick Zelger kreiert Ohrwurm in nur drei Stunden

Freitag, 30. Juni 2017 | 08:23 Uhr

Deutschnofen/Innsbruck – Rappen auf Südtirolerisch? Wer denkt, das geht doch gar nicht, wird von “Ricky Roots” eines Besseren belehrt.

Der junge Künstler aus Deutschnofen, der mit bürgerlichem Namen Patrick Zelger heißt und in Innsbruck Geographie und Sport studiert, hat mit einem originellen Musikvideo vor wenigen Tagen auf Facebook und YouTube für Furore gesorgt.

Es handelt sich dabei sozusagen um eine Hommage an seine Heimatgemeinde. In dem eingängigen und melodischen Rapsong, erzählt der 22-jährige Student von der Energie, die ihm Deutschnofen schon in seiner Kindheit gegeben hat. Schöne Orte, Partys und Erinnerungen lässt der Künstler ebenfalls einfließen.

Der Song macht also gehörig Laune, das Dorf, die Menschen und die Gegend am Fuße des Weißhorns zu besuchen.

Bei so viel musikalischem Talent kann man es kaum glauben, dass Zelger erst vor zwei Jahren zur Musik gekommen ist. Damals hat er mit dem Gitarrespielen begonnen. Aus dem Experiment wurde mehr: Bald begann er erste Lieder zu schreiben und kam dann durch Zufall zur Musikrichtung “Rap” (Sprechgesang).

 

Südtirol News hat mit dem aufstrebenden Südtiroler Künstler über seine Musik, sein Leben und seine Ziele gesprochen.

 

Südtirol News: Du machst erst seit zwei Jahren Musik und hast offensichtlich ein Talent dafür: Wie bist du überhaupt darauf gekommen, dich musikalisch auszuleben?

Patrick Zelger: Ich wollte schon lange Gitarre lernen, habe jedoch nie Zeit dafür gefunden. Vor zwei Jahren brachte ich es mir dann selbst bei. Damals hab ich auch in einem Obdachlosenheim in Innsbruck gearbeitet und gemerkt, dass mich das psychisch sehr belastet. Um die krassen Geschichten zu verarbeiten, schrieb ich dann meinen ersten Song “Homeless”. Das hat mir sehr geholfen. Es folgten weitere Songs, bevor ich zum Rap übergeschwenkt bin. Mittlerweile spielt Musik eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Ein Foto meines ersten Auftritts, wo ich wahnsinnig nervös war, landete als Titelbild auf der Obdachlosenzeitung “20er” in Innsbruck. Da war ich überrascht und hatte eine Riesenfreude.

Facebook

Ein Südtiroler, der rappt, ist nicht gerade alltäglich: Warum hast du dich für diese Form der Musik entschieden?

Eigentlich rappe ich hauptsächlich auf Hochdeutsch oder Englisch. Der “Deutschnofen-Song” war also mehr eine Ausnahme. Zum Rap bin ich beim Skifahren gekommen. In einer Gondel haben ich und mehrere Freunde Freestyle gerappt. Da hat es mich gepackt und ich habe festgestellt, dass das mein Ding ist.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Da fällt mir, was den Rap angeht, nur einer ein: Samy Deluxe. Was die Reggae-Musik betrifft, gefallen mir Sisyphos und Shanti Powa aus Südtirol. Ich vergleiche mich aber generell nicht gerne mit anderen Künstlern, um auf meiner eigenen Schiene zu bleiben.

Wie ist es zu deinem Künstlernamen Ricky Roots gekommen?

Ricky ist mein Spitzname, der sich von Patrick ableitet und Roots (englisch) bedeutet Wurzeln. Das war mir wichtig, da ich sozusagen aus meinen Wurzeln heraus schreibe.

Was fasziniert dich am Musikmachen?

Ich kann beim Texten die Welt um mich herum total ausblenden und meine Kreativität voll ausleben. Es ist ein wichtiger Ausgleich zum stressigen Studienalltag vor allem in den Prüfungsphasen.

Schaut man dein Facebook- oder Instagram-Profil an, stellt man fest, dass du ein sehr naturverbundener und sportlicher Mensch bist. Wie bekommst du Studium, Musik und Hobbys unter einen Hut?

Das fällt mir manchmal sehr schwer: Ich teile mir die Zeit sehr genau ein und versuche, meine Interessen so zu bündeln, dass ich mich auf jene Dinge konzentrieren kann, die ich gerne mache. Derzeit sind das Musik, Wandern und alles, was Akrobatik betrifft. Mal einen Film schauen oder den ganzen Tag gar nichts machen, kommt sehr selten vor.

Außerdem habe ich in meiner Studentenbude keinen Fernseher und verzichte auch auf mobiles Internet. Wenn ich mal zu Hause in der Heimat bin und TV schaue, werde ich mittlerweile richtig nervös, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, mit so vielen Informationen auf einmal überflutet zu werden.

Der Song über dein Heimatdorf Deutschnofen hat innerhalb weniger Tage Tausende Aufrufe und Likes erhalten. Gab es schon ein Angebot einer Plattenfirma?

Nein bisher noch nicht, die Resonanz der Menschen war aber sehr gut. Bei einem Fest am Tag nach der Aufnahme des Videos habe ich den Song live präsentiert, im Publikum saßen auch meine Eltern. Ich war ganz schön nervös, doch nicht nur sie waren begeistert.

…und hat der Bürgermeister etwas von sich hören lassen?

Noch nicht, aber ich war seit der Veröffentlichung des Songs auch nicht mehr zu Hause.

Wie kamst du auf die Idee, diese Omage an dein Heimatdorf zu schreiben und wo holst du dir generell deine Inspiration?

Mein Leben in Innsbruck hat mir gezeigt, wie wertvoll es war, in einem Dorf aufzuwachsen. Ich und meine Freunde spielten nie Videospiele, sondern waren meist im Freien und mussten uns in der Natur Unterhaltung suchen. Das war eine schöne Zeit und ich wollte mit dem Song meine Liebe zum Dorf, den Leuten und der Gegend zum Ausdruck bringen. Den Beat zum Lied hab ich von einem Bekannten für wenige Euro geleast – unter der Bedingung, kein Geld damit zu machen.

Meine Inspiration kommt aus meinem Inneren. Ich bin ein kreativer Mensch und mir fällt es nicht schwer, Reime aufzusetzen. Da ich prinzipiell über Themen schreibe, die mir selbst am Herzen liegen, tue ich mich auch leicht damit. Es sprudelt sozusagen aus mir heraus. Der “Deutschnofen-Song” ist so in drei Tagen und insgesamt drei Stunden entstanden. Zurzeit arbeite ich an einem englischen Rap Song mit dem Gesang einer Freundin über die Vergänglichkeit. Ich versuche, mit meiner Musik immer so authentisch wie möglich zu sein.

Wer sind die Leute, die im Video mitspielen und wie lange hat der Dreh gedauert?

Viele meiner Freunde waren nicht da und ein Facebook-Aufruf hat ebenfalls nicht so viel gebracht, sodass wir am Drehtag nur eine kleine Personengruppe waren. Daraufhin haben wir einfach spontan junge Menschen, die uns gerade über den Weg liefen, zum Dreh bewegen können. Die Naturaufnahmen habe ich am nächsten Tag mit einem sehr guten Kumpel gedreht.

Das Video war nach etwa einer Stunde und zwei Durchläufen im Kasten. Gefilmt hat ein Freund von mir und ich habe es dann geschnitten. Man sieht zwar, dass es nicht professionell erstellt ist, doch gerade das macht es in meinen Augen authentisch.

Bei dir geht offensichtlich alles sehr schnell: Welche Projekte sind demnächst geplant?

Da gibt es einiges! Im Herbst plane ich ein erstes Rapalbum mit rund zwölf Songs. Es soll den Titel “Back to the Roots” bekommen, dies schien mir passend. Die Beats dazu kommen von einem befreundeten Musikerkollegen aus Steinach am Brenner. Sein Künstlername ist “Pr8insha”. Außerdem habe ich vor zwei Wochen eine neue Band gegründet. Es handelt sich dabei um eine Zwei-Mann Reggae-Hip-Hop-Akkustik-Band. Ich und ein anderer Musikerkollege, den ich bei der Open-Mic-Session in der “Bäckerei” in Innsbruck kennengelernt habe, wollen dieses Projekt gemeinsam hochziehen.

Wo nimmst du deine Songs auf?

Momentan noch bei mir in meinem Studentenzimmer. Schön wäre es aber, eine professionelle Aufnahmemöglichkeit zu erhalten. Wenn sich auf diesem Wege ein Sponsor finden ließe, würde ich nicht Nein sagen.

Facebook

Würdest du gern Musik zu deiner Haupttätigkeit machen?

Das wäre schön, ist aber im Moment ist das noch ein Traum. Derzeit mache ich Musik, weil es eine Herzensangelegenheit ist. Es ist mir gerade nicht so wichtig, damit auf Druck Geld zu verdienen.

 

Von: luk

Bezirk: Salten/Schlern