Immer langsam mit CGI: Christoph Waltz in Venedig

Del Toros “Frankenstein”: Der Wissenschafter ist das Monster

Sonntag, 31. August 2025 | 11:44 Uhr

Von: APA/Reuters

Die Zeit der Monster mit flachem Kopf, Bolzen im Nacken und schweren Stiefeln ist vorbei: Die Weltpremiere der Neuverfilmung von Mary Shelleys Klassiker “Frankenstein” durch Guillermo del Toro bei den laufenden Filmfestspielen von Venedig zeigt ein sensibles Wesen, das sich nach Zuneigung sehnt, stattdessen aber mit Hass konfrontiert wird. “Viele der optischen Umsetzungen der Kreatur erinnern fast an Unfallopfer, aber ich wollte Schönheit”, so Del Toro am Samstag.

Del Toro: “Keine Angst vor künstlicher Intelligenz, sondern natürlicher Dummheit”

Del Toro hat selbst das Drehbuch zur Geschichte von Victor Frankenstein (Oscar Isaac), einem arroganten Wissenschafter, geschrieben, der aus fremden Körperteilen eine Kreatur zusammensetzt und diesen sanften Riesen (Jacob Elordi) zum Leben erweckt. In diesem “Frankenstein” geht es diesmal um den Missbrauch moderner Technologien, auch wenn er beim Schreiben nicht an KI gedacht habe, betont Del Toro. “Ich habe keine Angst vor künstlicher Intelligenz. Ich habe Angst vor natürlicher Dummheit, die viel häufiger vorkommt”, so der Starregisseur: “Wir leben in einer Zeit des Terrors und der Einschüchterung. Und die Antwort, zu der auch die Kunst gehört, ist Liebe.”

Christoph Waltz: “CGI ist etwas für Verlierer”

Del Toro verzichtet weitgehend auf computergenerierte Spezialeffekte und baute stattdessen aufwendige Kulissen für sein Schauspielerteam, zu dem nicht zuletzt die beiden österreichischen Hollywoodexportschlager Christoph Waltz und Felix Kammerer gehören. “Wenn man sie (die Schauspieler) in ein echtes Labor mit echten Fenstern, mit echter Höhe und mit echten riesigen Batterien steckt, reagieren sie auf einen anderen Schauspieler”, sagte er. “CGI ist was für Verlierer”, fügte Waltz in Venedig hinzu.

Del Toro, bekannt für sein ganz eigenes Amalgam aus Fantasy und Horror in Filmen wie “Pans Labyrinth”, sagte, er sei seit seiner Kindheit von Mary Shelleys 1818 veröffentlichtem Roman besessen und habe schon immer auf eine eigene Verfilmung gehofft. “Ich wollte nicht, dass man das Gefühl hat, einen Klassiker zu sehen, der mit Ehrfurcht interpretiert wird, sondern etwas, das jetzt lebendig ist”, sagte er über die menschliche Nacherzählung der Horrorsaga, in der der Wissenschafter als das wahre Monster erscheint. “Wie lebt man mit einem gebrochenen Herzen? Oft entsteht daraus Grausamkeit”, sagte Isaac über seine Figur. “Frankenstein” dürfte im Oktober in die heimischen Kinos kommen, bevor er im November hinter der Paywall von Netflix verschwindet.

(Von Crispian Balmer/Reuters)

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