Von: mk
Bozen/Ritten – Seit elf Jahren setzt die Sensibilisierungskampagne MutterNacht rund um den Muttertag einen Kontrapunkt zu idealisierten Bildern von Mutterschaft. Initiiert vom Haus der Familie und getragen von einem starken Netzwerk mit mehr als 25 Südtiroler Organisationen aus den Bereichen Familie, Soziales, Gesundheit und Bildung, hat sich MutterNacht zu einem jährlich an Relevanz gewinnenden Projekt gesellschaftlicher Sensibilisierung entwickelt. Die Kampagne macht deutlich, dass zivilgesellschaftliche Organisationen wichtige Impulse zu Mutterschaft setzen können, strukturelle Verbesserungen für Mütter, Eltern und Familien jedoch klare politische Rahmenbedingungen erfordern.
Seit 2015 greift MutterNacht Themen auf, die im öffentlichen Diskurs rund um Mutterschaft oft ausgeblendet werden. Sie macht Belastungen im Elternsein, Schattenseiten des Mutterseins und Herausforderungen im Familienalltag sichtbar, schafft Räume für Austausch und stößt gesellschaftliche Diskussionen an. Von Jugendschwangerschaften über die Geburt eines Kindes mit Beeinträchtigung, den Verlust eines Kindes oder Frühgeburten bis hin zu ungewollter Kinderlosigkeit, Krankheit in der Familie oder Einsamkeit rund um die Geburt wurden in den vergangenen Jahren vielfältige Aspekte beleuchtet. Themen wie Sehnsucht nach einem Kind, neue Rollenbilder, mentale Überforderung oder digitale Belastungen standen unter anderem im Mittelpunkt. Viele davon sind bis heute hochaktuell. Gleichzeitig zeigt sich, dass sich gesellschaftlich etwas bewegt hat: Einige Themen haben auch dank der kontinuierlichen Arbeit des breiten Netzwerks rund um Geburt, Mutterwerden und Elternsein mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten.
Ein Beispiel für ein daraus entstandenes Unterstützungsangebot ist die Selbsthilfegruppe „Sehnsucht Kind“. Etwa jedes achte Paar in Südtirol ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Der daraus hervorgegangene Verein unter der Leitung von Karin Planker bietet betroffenen Paaren einen geschützten Raum für Austausch. Acht Bücher zur MutterNacht sind zwischen 2017 und 2024 erschienen. Sie verbinden je nach Thema fachliche Expertise mit persönlichen Erfahrungen und stärken den Dialog zwischen Müttern, Fachstellen und Öffentlichkeit. Sie können auf der Webseite www.hdf.it/de/mutternacht nachgelesen werden.
Die Grundstruktur der MutterNacht basiert seit Beginn auf dieser Verbindung: Fachorganisationen bringen ihr Wissen ein, Betroffene teilen ihre Erfahrungen, und gemeinsam entstehen Formate, die Öffentlichkeit herstellen und Unterstützung sichtbar machen. Daraus ist über die Jahre ein tragfähiges Netzwerk entstanden, das gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig erkennt und Themen wirksam aufgreift. Heuer zieht das Netzwerk Bilanz und richtet den Blick gleichzeitig nach vorne: Zwischen Ende Mai und Mitte Juni ist eine breit angelegte Umfrage unter Müttern geplant, um aktuelle Tabuthemen aus ihrem Alltag sichtbar zu machen. Die Ergebnisse werden ausgewertet, im Herbst öffentlich präsentiert und bilden die Grundlage für die zukünftige Ausrichtung der jährlichen Kampagne.
Gemeinsame Verantwortung für Veränderung
Das Netzwerk ist sich bewusst, dass nachhaltige Veränderungen nur im Zusammenspiel aller gesellschaftlichen Kräfte möglich sind. Es braucht die Zusammenarbeit von Paaren, Familien, Fachstellen, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Politik, um die Lebensrealitäten von Müttern strukturell zu verbessern.
Siegrid Zwerger, die die Kampagne im Haus der Familie verantwortet, betont: „MutterNacht hat sich in den vergangenen elf Jahren zu einem wichtigen südtirolweiten Sprachrohr entwickelt. Die Kampagne zeigt, dass Sensibilisierung wirkt, wenn sie kontinuierlich, vernetzt und nah an den Lebensrealitäten der Menschen gestaltet wird. Viele Themen bestehen fort, einige haben sich verändert, und neue kommen hinzu. Diese Themen müssen gesehen und Mütter stärker wertgeschätzt werden. MutterNacht wird auch in Zukunft dazu beitragen, dass das, was oft unausgesprochen bleibt, Gehör findet und gesellschaftliche Veränderungen angestoßen werden.“
Silvia Di Panfilo ist beim Katholischen Familienverband für das Netzwerk MutterNacht zuständig: „Die Kampagne macht sichtbar, dass hinter jeder Muttergeschichte auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen stehen. Viele der angesprochenen Themen der vergangenen elf Jahre sind nach wie vor hochaktuell. Aber Sensibilisierung allein genügt nicht. Die Anliegen von Müttern müssen konsequent in politische Entscheidungen einfließen. Es braucht konkrete Maßnahmen, die den Alltag von Familien tatsächlich verbessern und entlasten.“
Auch Sara Passler vom Elki Netzwerk hebt die Bedeutung hervor: „MutterNacht schenkt dem Unausgesprochenen eine Stimme und den Müttern und ihren Lebensrealitäten Gehör. So sind in den vergangenen Jahren wachsende Wissens- und Erfahrungsräume für Mütter, Familien, Fachstellen und Multiplikator*innen entstanden. Das verbindet.”
MutterNacht 2026: Ungesagt. Mutter.
Unter dem Titel „Ungesagt. Mutter. Tabus, über die ich nicht spreche.“ richtet sich die Kampagne 2026 gezielt auf das, was oft verborgen bleibt. Die geplante Umfrage Ende Mai soll dazu beitragen, aktuelle Belastungen und unausgesprochene Themen sichtbar zu machen und direkt von den Müttern selbst zu erfahren. Der Link zur Umfrage wird rechtzeitig bekannt gegeben.




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