Im Naturmuseum

Funga – eine verborgene Welt

Dienstag, 10. Februar 2026 | 18:26 Uhr

Von: mk

Bozen – Sie sind weder Pflanzen noch Tiere, können kommunizieren und spielen eine Schlüsselrolle in der Natur. Pilze, was sie eigentlich sind, was sie können und warum das Leben ohne sie kaum denkbar wäre, erzählt die Ausstellung „Funga – eine verborgene Welt“, die gestern im Naturmuseum eröffnet wurde.

Pilze zählen zu den ältesten und zugleich verborgensten Akteuren des Lebens auf der Erde. Die Ausstellung lädt dazu ein, dieses eigenständige Reich neu zu entdecken, jenseits der bekannten Fruchtkörper und weit über die Rolle von Speisepilzen hinaus.

Pilze wirken meist im Verborgenen: Was landläufig als „Pilz“ bezeichnet wird, ist nur der Fruchtkörper (vergleichbar mit dem Apfel eines Baumes). Der eigentliche Organismus besteht aus einem weitverzweigten Geflecht feiner Zellfäden, den Hyphen, die zusammen das Myzel bilden. Dieses Netzwerk wächst verborgen im Boden, in Holz oder anderen Substraten, transportiert Wasser und Nährstoffe und stabilisiert den Boden, indem es organisches Material und Gestein miteinander verbindet. Pilze sind außerdem weder Pflanzen noch Tiere: Sie sind wie die Pflanzen (zu denen sie lange gerechnet wurden) sesshaft, können jedoch keine Photosynthese betreiben. Daher müssen sie sich wie Tiere durch die Aufnahme organischer Substanzen ernähren, die sie jedoch in gelöster Form aus der Umgebung aufnehmen. Nach heutiger Kenntnis sind die Pilze näher mit den Tieren als mit den Pflanzen verwandt.

Eine zentrale Rolle spielen Pilze in Symbiosen: Über 90 Prozent aller Landpflanzen leben in Partnerschaft mit ihnen. Pilzhyphen erweitern das Wurzelsystem der Pflanzen und verbessern die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen, während die Pflanzen die Pilze mit Zucker versorgen. Ohne diese Verbindungen wäre die Besiedelung des Festlands kaum möglich gewesen. Auch Flechten, Lebensgemeinschaften aus Pilzen und Algen oder Cyanobakterien, zeigen, wie Pilze selbst extreme Lebensräume erschließen.

Die Ausstellung zeigt zudem, dass Pilze nicht nur chemisch, sondern möglicherweise auch elektrisch kommunizieren. Viele Arten leiten elektrische Impulse durch ihr Myzel. Forschende vermuten, dass diese Signale der Informationsverarbeitung dienen und in ihren Mustern einer Art „Sprache“ ähneln könnten, ein Forschungsfeld, das noch weitgehend unerforscht ist.

„Funga“ führt von den uralten Ursprüngen der Pilze über ihre Schlüsselrolle in Natur und Evolution bis zu ihrer engen Beziehung zum Menschen, etwa im Mikrobiom von Haut und Darm. Ergänzt wird der naturwissenschaftliche Blick durch kulturelle Perspektiven: Pilze als Heilmittel, als Teil von Ritualen und Mythen sowie als prägende Motive in Kunst und Popkultur. Aktuelle Ansätze zu nachhaltigen Materialien und biotechnologischen Anwendungen schlagen schließlich den Bogen in die Zukunft.

Die Ausstellung wurde gestern von Museumsdirektor David Gruber und den Kuratorinnen Petra Mair, Konservatorin für Botanik, und Margit Schweigkofler vom Vermittlerteam eröffnet. Zu sehen ist sie bis Februar 2027 im Erdgeschoss des Naturmuseums.

Bezirk: Bozen

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