Seelsorgetagung

“In Sorge für Haus und Nachbarn”

Montag, 18. September 2017 | 13:30 Uhr

Brixen – Heute hat in der Cusanus Akademie in Brixen die Seelsorgetagung begonnen. Schwerpunkt der Tagung ist das Jahresthema „christlicher Lebensstil“. Während heute die Referenten Wilhelm Guggenberger und Alessandra Smerilli zu den Seelsorgern, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und in der Pastoral haupt- und ehrenamtlich Tätigen sprachen, wird morgen Bischof Ivo Muser einen Vortrag über aktuelle pastorale Herausforderungen halten.

“In Sorge für Haus und Nachbarn” lautete der Titel des Vortrags von Wilhelm Guggenberger, der über die Enzyklika „Laudato si“ referiert hat. Diese Enzyklika von Papst Franziskus vermischt bewusst die ökologische und soziale Frage. Denn es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine Umwelt- und eine Gesellschaftskrise, sondern eine einzige sozio-ökologische Krise. “Die drei Aufgabenfelder der christlichen Weltverantwortung: Friede, Gerechtigkeit und Schöpfungsbewahrung sind nicht als nebeneinander stehende Felder zu sehen. Diese Felder stellen vielmehr die Eckpunkte eines Dreiecks dar, von denen keiner verschoben werden kann, ohne die Lage der anderen mit zu beeinflussen”, so Guggenberger.

Der Referent nannte vier zentrale Problemfelder, die mit globaler sozialer Ungerechtigkeit und letztlich auch mit einem Verlust an Lebensqualität für alle verbunden sind. Das erste Problem ist jenes der Verschmutzung der Umwelt, dann der Klimawandel, drittens die zentrale Frage des Wassers und des Umgangs damit. “Der Streit um die Verteilung von Wasserreserven in manchen Regionen und der fehlende Zugang vieler Menschen zu gesundheitlich unbedenklichem Trinkwasser machen die Zusammenhänge zwischen militärischen Konflikten, sozialen Verwerfungen und Umweltübernutzung besonders deutlich”, so Guggenberger. Als viertes Umweltproblem nannte der Referent den Verlust an Artenvielfalt.

Auf den Klimawandel, den Papst Franziskus als “wichtigste aktuelle Herausforderung an die Menschheit” bezeichnet, ist der Referent eigens eingegangen und hat dabei betont, dass dieser Klimawandel neuerliche Flucht- und Wanderungsbewegungen über das Mittelmeer in Gang setzen kann. “Alle vorgeblich dringlicheren Fragen mögen als lapidar erscheinen, haben wir den Zeitpunkt für ein Umlenken in Klimafragen erst einmal verpasst”, so Guggenberger, der mit den Worten von Papst Franziskus zu einer “ökologischen Umkehr” aufrief. Selbstverständlich bedarf es in Umweltfragen der internationalen Zusammenarbeit – “doch all das wird nicht tiefgreifend genug sein, beginnen nicht die Menschen, beginnen nicht wir alle umzudenken und als Frucht dieses Umdenkens etwas an unserem Lebensstil zu ändern”, so Guggenberger.

Alessandra Smerilli hat zum Thema “Wirtschaft und Politik“ referiert. Ihre zentrale Aussage lautete: “Dall’econo-mia all’econo-nostra”. Die Referentin hat dabei auf ein neues Verständnis von „Arbeit“ hingewiesen: Ausgehend von den Überlegungen der kanadischen Philosophin Jennifer Nedelsky hat Smerilli betont: „Teilzeit-Arbeit für alle, Pflegetätigkeiten für alle“. Dieser philosophische Ansatz geht davon aus, dass in Teilzeit gearbeitet würde – unter Beibehaltung des Lohnes, als ob man Vollzeit arbeiten würde – und die gewonnen Stunden für das Gemeinwohl investiert werden.

Am Nachmittag stehen Kurzreferate mit Diskussionen zu verschiedenen pastoralen Themen im Zentrum: Sepp Kusstatscher wird über „politisches Engagement“ referieren, während Mario Gretter das Thema „Umweltbewusstsein“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellen wird; Brigitte Hofmann hält ein Kurzreferat zur (Pfarr-)Caritas.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal

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