"Nicht die Sünde und ihre Folgen verharmlosen"

Osterbrief 2019: Bischof Muser über die Kraft der Auferstehung

Donnerstag, 11. April 2019 | 16:30 Uhr

Bozen – In seinem Osterbrief 2019 stellt Bischof Ivo Muser die Frage: „Warum gerade heute, in dieser Welt voller Widersprüche, ist die Kraft der Auferstehung nötiger denn je?“ Seine Antwort lautet: „Damit wir nicht die Sünde und ihre Folgen verharmlosen; damit wir nicht schweigen und zuschauen, wenn verbale, psychische und physische Gewalt angewendet wird und wenn Zerstörung des menschlichen Lebens und der Schöpfung geschieht; damit wir nicht weiter meinen, mit Worten beleidigen, ausgrenzen oder gar töten zu müssen; damit wir in jedem Du das Ich sehen können; damit wir uns nicht gegen einander, sondern füreinander entscheiden; damit uns das Elend anderer nicht gleichgültig lässt; damit wir bereit sind, unseren Lebensstil zu überdenken und zu teilen.”

Anbei der Osterbrief 2019 des Bischofs im vollen Wortlaut.

Über das Kreuz zur Auferstehung – auch heute
Osterbrief 2019 von Bischof Ivo Muser

„Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten“: Mit diesen Worten beschreibt das christliche Glaubensbekenntnis, was wir vom Abend des Gründonnerstags bis zum Ostersonntag feiern. Das ist das Herzstück des christlichen Glaubens und der Höhepunkt des Kirchenjahres. Diese Kurzform unseres Glaubens hat Geschichte geschrieben.

Golgotha 2019

Der Sohn Gottes wird unschuldig hingerichtet, und mit ihm – so glauben wir Christen – geht die Schuld von uns Menschen ans Kreuz. Ein für alle Mal und bis heute. Denn bis heute machen wir uns schuldig und brauchen seine Vergebung – persönlich und auch als menschliche und kirchliche Gemeinschaft. Ich denke mit großer Scham an das, was Kindern und Jugendlichen durch sexuellen Missbrauch angetan wurde, auch von Menschen in der Kirche. Ich denke an die vielen Verbrechen, die an Kindern weltweit begangen werden: die Kindersoldaten; die minderjährigen Prostituierten; die entführten Kinder, die nicht selten Opfer des Handels mit menschlichen Organen werden; die Kinder, die Opfer des Krieges sind; die Kinder auf der Flucht; die abgetriebenen Kinder. Ich denke mit großer Betroffenheit an das, was Frauen angetan wird durch Gewalt, Erniedrigung, Pornographie und Prostitution. Waffen töten, Worte tun es auch. Trotzdem werden in den sozialen Netzwerken und nicht nur dort Andersdenkende rücksichtslos beschimpft. Immer noch gibt es eine arrogante „Wir-sind-wir-Mentalität“, einen hochmütigen Nationalismus, einen gefährlichen Rassismus, einen billigen Populismus, einen hässlichen Antisemitismus, einen menschenverachtenden Terrorismus, und Rüstungsexporte steigen. Immer noch, und heute verstärkt, werden Menschen benachteiligt, verfolgt und sogar getötet wegen ihrer religiösen Überzeugung, darunter vor allem Christen. Golgotha 2019. Immer noch werden Kreuze aufgerichtet – im Kleinen wie im Großen!

Ostern 2019

Jesus steht von den Toten auf, und mit ihm – so glauben wir Christen – gehört auch uns das Leben. Ein für alle Mal und bis heute. Denn gerade heute, in dieser Welt voller Widersprüche, Schuld, Leiden und Tod, ist die Kraft der Auferstehung nötiger denn je. Damit wir nicht die Sünde und ihre Folgen verharmlosen; damit wir nicht schweigen und zuschauen, wenn verbale, psychische und physische Gewalt angewendet wird und wenn Zerstörung des menschlichen Lebens und der Schöpfung geschieht; damit wir nicht weiter meinen, mit Worten beleidigen, ausgrenzen oder gar töten zu müssen; damit wir in jedem Du das Ich sehen können; damit wir vergeben können; damit wir uns nicht gegen einander, sondern füreinander entscheiden; damit uns das Elend anderer nicht gleichgültig lässt; damit unsere Gesellschaft durch ein solidarisches Netz zusammengehalten wird; damit wir bereit sind, unseren Lebensstil zu überdenken und zu teilen; damit wir nicht neue Kreuze aufrichten, sondern alte niederreißen. Ostern 2019. Auch heute entscheiden sich österliche Menschen für das Leben – im Kleinen wie im Großen.

„Gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten“: Das ist die Zeitenwende, die wir vom Abend des Gründonnerstags bis zum Ostersonntag feiern. Das ist unsere ganze Hoffnung: für jetzt und sogar über das irdische Leben und über diese Welt hinaus. Es liegt an uns, ob wir die Chance nutzen oder nicht, ob wir uns für diese von Gott geschriebene Geschichte entscheiden oder nicht. Gehen wir mit Jesus über die Brücke der Auferstehung und damit hin zum Leben – jetzt schon und einmal endgültig.

Eine gesegnete Heilige Woche! Begleiten wir Jesus auf seinem Weg – über das Kreuz zur Auferstehung. Bringen wir unseren Lebensweg, vor allem auch die Wunden und die Narben des eigenen Lebens, in Verbindung mit ihm – durch die Mitfeier der großen Gottesdienste dieser Woche und indem wir „solidarisch sind wie ER“ (Fastenhirtenbrief 2019). Ein hoffnungsvolles Osterfest, in der Freude darüber, dass das Grab Jesu leer ist, und im Vertrauen darauf, dass ER als der Gekreuzigte und Auferstandene den Weg zum Himmel offen hält – für alle Menschen.

 

Euer Bischof
+ Ivo Muser Palmsonntag, 14. April 2019

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Osterbrief 2019: Bischof Muser über die Kraft der Auferstehung"


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MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
10 Tage 14 h

………………….damit wir endlich verstehen,dass die Kirche die Finger von der Politik lassen soll!!!!!!!

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