Von: mk
Bozen – Was in ländlichen Pfarreien Südtirols längst gelebter Alltag ist, erreicht nun auch Südtirols Landeshauptstadt: Am Sonntag wird mit Maja Clara zum ersten Mal eine Frau einen Wortgottesdienst im Bozner Dom leiten und damit die traditionelle Vorabendmesse ersetzen.
Es ist ein symbolträchtiger Schritt für die katholische Kirche in Südtirol. Während Frauen in den peripheren Gemeinden des Landes schon lange eine tragende Säule der Liturgie sind, bricht im Bozner Dom nun eine neue Ära an. Maja Clara, im Hauptberuf Journalistin beim Landespresseamt wird am Sonntag den Gottesdienst leiten – eine Aufgabe, auf die sie sich jahrelang vorbereitet hat.
Für Maja Clara ist der Dienst am Altar kein Neuland, wohl aber die Bühne. „Ich leite seit etwa zehn Jahren Wortgottesdienste“, erklärt sie laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Ansa. Nach ihrem Studium an der Theologischen Hochschule in Brixen erhielt sie die offizielle Beauftragung durch den Bischof.
Doch bisher fanden ihre Einsätze vor allem in kleineren Gotteshäusern statt, etwa in der Pfarrei St. Josef Freinademetz in Milland. Auch bei Diözesanwallfahrten oder Tagungen der Katholischen Männerbewegung war sie bereits im Einsatz.
Dass sie nun im Dom am Ambo steht, ist die Erfüllung eines langgehegten Wunsches, der bis in ihre Kindheit zurückreicht: „Schon als kleines Mädchen wollte ich eigentlich Pfarrerin werden“, erzählt Clara.
Gleichzeitig verweist sie auf die offiziellen Zahlen: Liturgie ohne das Engagement von Laien – und insbesondere von Frauen – wäre in Südtirol kaum mehr aufrechtzuerhalten. Rund 500 Laien sind in Südtirol aktuell befugt, Wortgottesfeiern zu leiten. 65 Prozent davon sind Frauen.
Interessanterweise zeigt sich dabei ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. In den ländlichen Gebieten hat der Priestermangel schon früher dazu geführt, dass Frauen liturgische Verantwortung übernehmen. Die Landeshauptstadt und insbesondere der Dom galten hierbei lange als konservativer Ankerpunkt. Mit dem morgigen Sonntag zieht nun auch Bozen nach.




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