Philipp Egger überzeugt in San Francisco mit zwei jungen Uhus

Südtiroler Fotograf gewinnt erneut bei BigPicture

Sonntag, 13. September 2026 | 08:30 Uhr

Von: Sophia Molitor

Prad am Stilfersjoch – Der Südtiroler Fotograf Philipp Egger setzt seine internationale Erfolgsserie fort. Mit „Born of Silence“ gewinnt der 25-Jährige die Kategorie „Winged Life“ bei der BigPicture: Natural World Photography Competition der California Academy of Sciences in San Francisco. Mehr als 7.400 Arbeiten aus 64 Ländern wurden eingereicht.

Für Egger ist es bereits die zweite Auszeichnung bei BigPicture in Folge. 2025 erhielt seine Aufnahme „Dance of the Elements“ den Publikumspreis, nun überzeugte er die internationale Fachjury unter dem Vorsitz der Wildlife-Fotografin Suzi Eszterhas.

„Born of Silence“ entstand im Vinschgau und zeigt zwei junge Uhus in ungewöhnlicher Nähe. Während einer der Vögel mit geöffnetem Schnabel ruft, wirkt sein Geschwister beinahe vollkommen ruhig. Durch die enge Bildkomposition scheinen die beiden Tiere für einen Moment zu einer einzigen Gestalt zu verschmelzen.

„Mich interessieren jene seltenen Augenblicke, in denen die Natur etwas von sich preisgibt, das unserem Blick normalerweise verborgen bleibt“, sagt Egger. Seine Arbeiten bewegen sich bewusst zwischen Naturdokumentation und Kunst. Nicht allein das Motiv steht im Mittelpunkt, sondern der besondere Moment, in dem Licht, Bewegung und Verhalten eine beinahe abstrakte Wirkung erzeugen.

Internationale Erfolge

Der aktuelle Sieg reiht sich in eine bemerkenswerte Serie internationaler Auszeichnungen ein. 2025 gewann Egger mit „Shadow Hunter“ beim renommierten Wildlife Photographer of the Year des Natural History Museum in London die Kategorie „Animal Portraits“. Das Bild entstand nach vier Jahren der Beobachtung eines Uhu-Brutplatzes in Südtirol.

Weitere Auszeichnungen folgten unter anderem beim Bird Photographer of the Year, bei den Glanzlichtern der Naturfotografie in Deutschland, beim Memorial María Luisa in Spanien und zuletzt bei den International Photography Awards in Los Angeles. Dort wurde wenige Tage vor dem BigPicture-Sieg „Cathedral of Vanishing Ice“ ausgezeichnet – eine Aufnahme einer Gletscherhöhle, die inzwischen nicht mehr existiert.

So unterschiedlich Eggers Motive sind – von Uhus und Eisvögeln über Auerhähne und Fossilien bis hin zu Gletschern und den Landschaften des Ätna –, verbindet sie eine wiedererkennbare Bildsprache. Stille, Vergänglichkeit, Wildheit und Transformation kehren immer wieder.

Eggers Arbeiten wurden inzwischen in internationalen Ausstellungen unter anderem in London, New York, Hongkong und San Francisco gezeigt. Der Ausgangspunkt bleibt jedoch Südtirol: In Prad am Stilfserjoch aufgewachsen, kehrt der Fotograf für viele seiner Projekte über Monate oder Jahre an dieselben Orte zurück.

Mit „Born of Silence“ treffen nun zwei junge Uhus aufeinander, während „Shadow Hunter“ einen einzelnen Vogel aus der Dunkelheit treten lässt. Zwei völlig unterschiedliche Bilder – und doch dieselbe künstlerische Handschrift.

Mit 25 Jahren ist Egger damit längst über einzelne Wettbewerbserfolge hinausgewachsen. Seine Bilder werden auf mehreren Kontinenten ausgezeichnet und ausgestellt. Was dabei immer wiedererkennbar bleibt, ist sein besonderer Blick auf die Natur: als Wirklichkeit – und zugleich als etwas, das für einen Augenblick beinahe unwirklich erscheint.

Bezirk: Vinschgau

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