Von: mk
Kaltern – Bei einem Treffen mit dem Gemeindeausschuss von Kaltern haben am 15. Juli Vertreter und Vertreterinnen der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft (VG) und der Provinzleitung der Tertiarschwestern ihr Konzept für die künftige Nutzung des Tertiarklosters in Kaltern vorgestellt. Geplant ist ein Vinzihaus der Solidarität mit leistbaren Wohnungen und weiteren Angeboten nach dem Brixner Modell. Die Vinzenzgemeinschaft wird das gesamte Klosterareal erwerben, denkmalgerecht sanieren und langfristig für soziale Zwecke nutzen. Die Gemeinde Kaltern hat Interesse an einem Eigentum oder Miteigentum bekundet.
Am Gespräch nahmen unter anderem Sr. Klara Rieder, Provinzoberin der Tertiarschwestern, und Heinrich Erhard, Zentralratspräsident der Vinzenzgemeinschaft Südtirol, teil. Andreas Penn, Vorsitzender der Sozialgenossenschaft Haus der Solidarität (HdS) in Brixen, war verhindert. Das Vinzihaus der Solidarität in Kaltern richtet sich an einkommensschwache Familien und Einzelpersonen, die im Raum Kaltern und Überetsch leben oder arbeiten und keinen leistbaren Wohnraum finden. Vorgesehen sind rund 20 autonome Wohneinheiten für bis zu 34 Menschen. Im Kloster sollen außerdem eine VinziTafel und eine Kleiderkammer Platz finden sowie Räume für Begegnung entstehen. Für Vereine und Initiativen der Kalterer Dorfbevölkerung sind Gemeinschaftsräume geplant.
Sr. Klara Rieder betonte: „Unser Wunsch war von Anfang an, dass das Kloster auch künftig den Menschen dient. Es soll ein Ort bleiben, an dem soziale Verantwortung gelebt wird und der den Bedürfnissen unserer Zeit gerecht wird.“ Die Klosterkirche, die Gedenkstätte der in Kaltern verehrten Maria von Mörl sowie die Geschichte und besondere Bedeutung des Ortes sollen bei der Sanierung berücksichtigt werden. Dieses gemeinsame Verständnis habe die Einigung zwischen Tertiarschwestern und Vinzenzgemeinschaft beim Abschluss des Kaufvorvertrags erleichtert.
Die Vinzenzgemeinschaft Südtirol zählt landesweit mehr als 800 Ehrenamtliche. Ihr satzungsgemäßer Auftrag ist es, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Dazu gehören materielle und finanzielle Hilfen ebenso wie persönliche Begleitung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe. Das zentral gelegene Tertiarkloster in Kaltern bietet nach Ansicht der Vinzenzgemeinschaft die Möglichkeit, diese Tätigkeiten an einem Ort zusammenzuführen. Zentralratspräsident Heinrich Erhard erklärt: „Wir arbeiten seit vier Jahren an diesem Projekt. Ziel unseres vollständig ausgearbeiteten Konzepts ist ein Vinzihaus der Solidarität, das leistbaren Wohnraum und konkrete Unterstützung bietet.“
Die Gemeinde Kaltern hat ebenfalls Interesse am Erwerb des Klosters bekundet. Der Bürgermeister von Kaltern, Christoph Pillon, erklärte beim Treffen, dass die Gemeinde am Eigentum oder Miteigentum an den Gebäuden interessiert sei, um bei der künftigen sozialen Nutzung des Areals mitentscheiden zu können. Die Vinzenzgemeinschaft strebt das Alleineigentum am gesamten Klosterareal an. Damit möchte sie gewährleisten, dass das Vinzihaus der Solidarität dauerhaft seinem sozialen Auftrag verpflichtet bleibt. Das sieht die Vinzenzgemeinschaft durch ein Haus in eigener Trägerschaft langfristig am besten gesichert. Gleichzeitig ist sie zu fairen Vereinbarungen mit der Gemeinde bereit. Einigkeit besteht darüber, dass das Klosterareal für soziale Zwecke und Mietwohnungen genutzt werden soll. Offen blieb, in welcher Form und mit welcher Organisationsstruktur das soziale Vorhaben umgesetzt werden soll.
Laut Konzept übernimmt die Vinzenzgemeinschaft den Ankauf und die denkmalgerechte Sanierung. Die Führung der Wohneinrichtung wird das Haus der Solidarität übernehmen. Die Brixner Sozialgenossenschaft betreibt seit fast 25 Jahren eine vergleichbare Einrichtung in Milland, in der rund 50 Menschen leben. Familien und Einzelpersonen finden dort Wohnraum und bei Bedarf Begleitung. Das Haus kommt ohne laufende öffentliche Beiträge aus und finanziert sich vor allem durch die Beiträge der Bewohnerinnen und Bewohner und durch Spenden. Andreas Penn vom HdS erklärt: „Gemeinsam mit der Vinzenzgemeinschaft werden wir alles daransetzen, das Kloster in enger Abstimmung mit der Gemeinde zu einem Ort weiterzuentwickeln, der den arbeitenden Menschen von Kaltern und Umgebung Wohnraum schenkt und langfristig gut funktioniert.“
Die Vinzenzgemeinschaft und das Haus der Solidarität verfügen über bewährte Strukturen und können ehrenamtliches Engagement aktivieren. Für die Gemeinde Kaltern würden nach diesem Konzept keine Kosten entstehen.
Aus Sicht der Vinzenzgemeinschaft geht es um die langfristige, verantwortungsvolle Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes. Das Vinzihaus der Solidarität könne in Kaltern Wohnraum und unterschiedliche soziale Angebote schaffen. Die Einladung an die Verantwortlichen der Gemeinde Kaltern, das Haus der Solidarität in Brixen zu besuchen und die Arbeit vor Ort kennenzulernen, bleibt aufrecht.




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