Von: apa
Österreichs ESC-Kandidat Cosmó hat sich bei der Nordic Eurovision Party am Samstag in Oslo erstmals der internationalen Song-Contest-Community präsentiert. In den folgenden Wochen geht es für den 19-Jährigen dann auch noch nach Amsterdam und London, um Sympathiepunkte für seinen Song “Tanzschein” zu machen, mit dem er im Finale am 16. Mai in der Wiener Stadthalle um den Sieg kämpft.
Mit der APA sprach Cosmó über Shitstorms, die Methode, wie er seine Bandmitglieder vor Verletzungen schützt und die Frage, ob er mit 75 noch bei ESC-Partys auftreten möchte.
APA: Sie hatten gestern Ihren ersten Auftritt vor dem internationalen ESC-Publikum. Fangen wir mit der Sportreporterfrage an: Wie ging es Ihnen dabei?
Cosmó: Ich war tatsächlich nervös, ob unser Song ankommt bei einem so internationalen Publikum, schließlich singe ich auf Deutsch. Aber es war richtig, richtig cool, weil die Leute offen sind für so etwas. Die Eurovision-Fans möchten nicht nur englischsprachige Songs hören. Ich habe den Auftritt also echt genossen.
APA: “Nervös” als Stichwort. Es gab also das erste Mal den Moment des “Anscheißens”, den Ihnen die ORF-Programmdirektorin prophezeit hat? Sie wirken ja immer so gechillt …
Cosmó: Naja, nervös im Sinne, ob es beim Publikum ankommt oder nicht. Aber ich hatte jetzt kein Lampenfieber. Irgendwie sind wir guter Dinge, und es macht Spaß. “Tanzschein” ist einfach toll zu performen.
APA: Stichwort ESC-Bubble. Wie nehmen Sie die Song-Contest-Hardcorefans wahr, auf die Sie derzeit ja noch hauptsächlich treffen? Unterscheiden die sich von einem “Standardpublikum”?
Cosmó: Ein großer Unterschied ist: Die konnten alle meinen Song und haben mitgesungen. Das ist für mich mal erfrischend. (lacht) Das gibt mir nochmal die dreifache Energie auf der Bühne. Die Leute hier haben einfach eine tolle Einstellung.
APA: Zugleich gab es in den vergangenen Wochen seit Ihrer Kür nicht immer nur Zustimmung. Eine Reaktion nach Ihrem Gewinn beim Vorentscheid war ein heftiger Shitstorm. Stehen Sie da drüber, oder trifft Sie das?
Cosmó: Ich habe lustigerweise nur durch die Artikel darüber davon gehört, dass es einen Shitstorm gibt. Ich bin einfach nicht viel unterwegs auf Social Media und lese eigentlich keine Kommentare – schon weil ich gar nicht dazu komme. Ich bin momentan so in der ESC-Bubble drin, ich krieg gar nichts anderes mit. Ich nutze Social Media nur, um mit meinen Fans zu connecten. Grundsätzlich kann ich aber gut damit leben, weil ich es schön finde, dass man seine Meinung präsentieren kann und es Diskussionen gibt. Das ist aber etwas anderes, als Hass im Netz zu verbreiten.
APA: Wozu dienen die Prepartys des ESC jetzt in den Wochen bis zum Finale in Wien? Testen Sie hier die Choreo für “Tanzschein” ab?
Cosmó: Da steht eigentlich schon relativ viel fest. Was ich bei diesen Events schaue, ist, wie ich am besten mit dem Publikum connecten kann. Wie kann ich es am besten mit einbeziehen? Wie kann ich ihnen zeigen, dass ich sie sehe und dass ich ihnen Aufmerksamkeit schenke, so wie sie es fürs Konzert tun?
APA: Ihr blauer Stern und der “Tanzschein”-Dancemove bleiben fix auch im Finale. Werden dann auch wieder Ihre Kollegen von der Band The Thumbs als Tänzer auf der Bühne mit Ihnen stehen?
Cosmó: Wir achten da auf höchste Professionalität, und das kann ich ihnen nicht antun – ich möchte ja nicht, dass sich jemand etwas reißt. Denn eigentlich spielen meine Kollegen ja Instrumente und sind keine Tänzer. Aber sie verstehen das und sind offen für alles, was danach kommt.
APA: Ein weiterer Nebeneffekt der Vorshows des ESC ist, dass Sie Ihre Konkurrenz kennenlernen. Haben Sie persönlich einen Favoriten, oder wen sehen Sie als ärgsten Widersacher?
Cosmó: Boah, das kann ich überhaupt nicht einschätzen. Es sind wirklich so viele verschiedene Songs im Rennen, dass für jeden und jede etwas dabei sein müsste. Wenn ich abends einschlafe, rennt bei mir jedenfalls eine Rotation aus Ohrwürmern von jedem Song.
APA: Klar ist seit einigen Tagen auch, dass Sie im Finale auf dem letzten Platz starten werden, also in der Stadthalle den Sack zudrehen. Sehen Sie das als Vorteil oder nervt es, weil Sie erst 24 Songs abwarten müssen, bevor Sie selbst losstürmen können?
Cosmó: Im Endeffekt macht das wenig Unterschied, weil dann doch der Auftritt an sich am meisten zählt. Aber es ist ein bisschen ein Déjà-vu zum Vorentscheid, wo wir ja auch das Schlusslicht waren. Das ist also ein gutes Omen. Und irgendwie finde ich es auch schön, dass das Gastgeberland den Abend abschließt.
APA: Apropos Gastgeberland. Haben Sie früher mit Ihrem deutschen Vater und der ungarischen Mutter als Familientradition auch schon ESC geschaut? Und wenn ja: Zu welchem Land habt Ihr gehalten?
Cosmó: Ich habe es zur Tradition gemacht und einfach eingeschaltet. Mein Papa ist dann im Vorbeigehen immer reingekippt. Denn egal, ob man es möchte oder nicht: Der ESC ist einfach verlockend. Für mich als Kind war es immer interessant, etwas über die verschiedenen Länder und Kulturen zu lernen. Und wir haben tatsächlich zu Österreich gehalten. Ich bin damit aufgewachsen, dass Österreich mit Conchita, Cesár Sampson oder Teya & Salena einfach immer einen hohen Stellenwert beim ESC hatte. Das find ich echt krass.
APA: Und jetzt gehen Sie für Österreich ins Rennen. Wie geht es Ihnen damit, dass Ihre Musik nun gleichsam auf den Prüfstand im Vergleich kommt?
Cosmó: Musik zu bewerten, ist immer schwer. In der heutigen Welt, wo alles monoton und Routine sein kann, find ich, braucht es halt irgendetwas, das heraussticht. Daran arbeite ich einfach, um möglichst aus dem Bauchgefühl heraus neue Ideen zu präsentieren. Für mich ist das sehr erfüllend.
APA: Was man bei den Prepartys immer sieht, sind ESC-Veteranen, die über Jahrzehnte in der Song-Contest-Blase ihre alten Hits performen. Können Sie sich vorstellen, mit 75 auch noch bei einer ESC-Party in St. Pölten “Tanzschein” zu singen, oder wollen Sie nach Mai zu neuen Ufern aufbrechen?
Cosmó: Das mache ich dann gerne! Der ESC ist der Grund, dass ich jetzt in Österreich zumindest bekannt geworden bin. Der Song Contest ist für mich ein Stepping Stone. Dass ich diese Möglichkeit bekommen habe, werde ich immer respektieren. Und ich werde immer dankbar dafür sein.
(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)




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