Von: APA/AFP
Ausgerechnet sein bekanntester Sketch war es, mit dem Dieter Hallervorden im hohen Alter noch in die Negativschlagzeilen geriet. Anlässlich der Jubiläumssendung “75 Jahre ARD” im April dieses Jahres ließ er die legendäre “palim, palim”-Szene wieder aufleben, allerdings diesmal unter Verwendung unter anderem des “N-Worts”. Das brachte Hallervorden viel Kritik ein, doch der ließ sich wie üblich nicht einschüchtern. Am Freitag wird der Schauspieler und Kabarettist 90 Jahre alt.
Schon als junger DDR-Bürger stieß sich Hallervorden nach eigener Aussage an der gleichgeschalteten Presse und der Überwachung durch die Stasi. Mit 22 floh der gebürtige Dessauer nach West-Berlin und versuchte sein Glück an der dortigen Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel.
Hier folgte der erste Rückschlag: Hallervorden wurde “mangels Talent” abgewiesen. Doch unterkriegen ließ er sich nicht, eine Eigenschaft, die er seinem Vater zu verdanken habe, wie Hallervorden in einer Dokumentation des WDR anlässlich seines 90. Geburtstags berichtet. Seinem Vater seien schon in jungen Jahren beide Beine amputiert worden, doch seine Lebenslust habe er nie verloren, so Hallervorden. “Er hat mir vorgelebt, dass ein starker Wille Berge versetzen kann.”
1960 “Die Wühlmäuse” gegründet
Hallervorden besuchte schließlich eine private Schauspielschule und gründete mit seiner damaligen Frau Rotraut Schindler 1960 das bis heute bestehende Kabarett “Die Wühlmäuse” in Berlin – unter schwierigen Bedingungen. Anfangs seien er und seine Mitstreiter froh gewesen, wenn im Publikum mehr Leute gesessen hätten als auf der Bühne standen, erinnerte er sich später.
Traumatisierend muss seine Verhaftung 1966 von der Bühne der “Wühlmäuse” herunter gewesen sein, als er verdächtigt wurde, eine Prostituierte ermordet zu haben. Die angebliche Hinweisgeberin wurde der Falschaussage überführt und Hallervorden nach zwei Wochen Gefängnis – und zahlreichen Medienberichten – wieder freigelassen. Dieses Erlebnis habe wahrscheinlich seinen “inneren Trotz” noch gestärkt, mutmaßt seine Tochter in der WDR-Dokumentation.
“Nonstop Nonsens”machte ihn berühmt
Schließlich erfand Hallervorden die Figur Didi – aus dem Wunsch, “etwas zu tun, was fernsehtauglich und vor allem einträglich” war, wie er 2023 der “Sächsischen Zeitung” sagte. Vor allem die Sendung “Nonstop Nonsens” machte Didis Knautschgesicht berühmt, nicht zuletzt mit der Rolle des Häftlings, der eine imaginäre Ladentür öffnet (“palim, palim”) und “eine Flasche Pommes frites” bestellt – ursprünglich in einer ganz unpolitischen Version.
In den 1980-er-Jahren folgten eine Reihe von Klamaukfilmen wie “Didi – Der Doppelgänger” oder “Didi – Der Experte”, bis sich Hallervorden in den 90-ern wieder dem Kabarett widmete. Bis 2003 liefen in der ARD insgesamt acht Staffeln von “Hallervordens Spott-Light”.
Überzeugende Charakterrollen im fortgeschrittenen Alter
2013 überzeugte Hallervorden erstmals auch als seriöser Charakterschauspieler. In “Das Letzte Rennen” spielte er einen ehemaligen Olympiasieger, der es im hohen Alter allen noch einmal mit einem Marathonlauf beweisen will. Dass er für die Rolle den Deutschen Filmpreis bekam, war für ihn die höchste Genugtuung. Der Preis sei “eine saftige Ohrfeige für all jene Möchtegern-Kritiker, die mich als Komödianten jahrzehntelang abgewatscht haben”, sagte er bei der Verleihung.
Theater-Leiter seit 2008
Bereits 2008 übernahm und sanierte Hallervorden das Schlossparktheater in Berlin, wo er seitdem in zahlreichen Stücken die Hauptrolle spielte. Im September 2022 kam noch das Mitteldeutsche Theater in Dessau dazu. “Die Stadt hat mich nie ganz losgelassen”, sagte Hallervorden der Lokalzeitung. Hier wuchs er auf, hier erlebte er als Kind die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg.
Ebenfalls eine besondere Beziehung hat der Wahl-Berliner Hallervorden zu Frankreich. Vor der bretonischen Küste besitzt er eine Insel mit einem Schloss darauf. Hier wuchs sein jüngster Sohn Johannes auf, hier verbringt er seine wenigen Urlaube. Und im Schlossparktheater feiert demnächst “Der eingebildete Kranke” des französischen Dramatikers Molière Premiere – sicherlich nicht zufällig an Hallervordens 90. Geburtstag.
Verheiratet ist Hallervorden seit 2022 in dritter Ehe mit der ehemaligen Stuntfrau Christiane Zander. Aus den beiden ersten Ehen hat er vier Kinder. In seine Fußstapfen trat neben der 1966 geborenen Tochter Nathalie, mittlerweile Co-Intendantin der beiden Hallervorden-Theaterhäuser, auch Johannes, der heute ebenfalls ein Kabarett-Theater in Berlin betreibt.
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