Von: APA/dpa
Liebhaber von Kopfsprüngen in ein Meer aus Münzen, einen Igel in der Tasche und untenrum immer frei: Mit Dagobert Duck hat der Zeichner und Texter Carl Barks eine der bekanntesten Figuren der Popkultur geschaffen und damit sich und den Disney-Trickfilm-Erpel zu Weltstars gemacht. Berühmt werden sollte er damit eigentlich nicht. Zur Welt gekommen ist er vor 125 Jahren, am 27. März 1901, auf einer Farm im US-Bundesstaat Oregon.
Seinen eigenen Worten nach wusste Barks sein ganzes Leben, dass er Comiczeichner werden wollte. Doch als Sohn einer Bauernfamilie auf dem Land waren seine Möglichkeiten denkbar begrenzt. Das für ihn vorgesehene Leben als Bauer aber missfiel ihm: “Ich war ein richtiger Nichtsnutz, ich konnte nichts gut.”
Barks übte, indem er kleine Comics aus Zeitungen abzeichnete. Mit ein wenig Erspartem ging er dann nach San Francisco und jobbte. In seiner freien Zeit klapperte er Redaktionen ab und zeigte seine Arbeiten, “um dann rausgeschmissen zu werden”, so Barks in einem Interview.
Ein Gag als Türöffner
Nach dem Misserfolg kehrte er zurück auf die Farm. “Und dann bin ich irgendwie ins Holzfällergeschäft geraten.” Erst mit Ende 20 verkaufte er seine erste Zeichnung. Im November 1935 bewarb er sich erfolgreich beim Disney-Studio und arbeitete fortan für 20 Dollar die Woche in der Abteilung für Zwischenzeichnungen. Dann aber zeichnete er eine Szene, die ihn nach vorn spülte: Ein automatisierter Friseursessel gerät außer Kontrolle und verpasst nicht dem Haupt von Donald Duck eine Frisur – sondern seinem Allerwertesten. Walt Disney sieht den Entwurf und engagiert Barks für das Story-Department.
Barks arbeitete ab dann fast ausschließlich als Geschichtenerfinder und an “Donald Duck”-Kurzfilmen. Scrooge McDuck, wie Dagobert Duck, der reichste Comic-Erpel der Welt, im amerikanischen Original heißt, tauchte zum ersten Mal im Dezember 1947 in dem Comic “Die Mutprobe” des legendären Disney-Künstlers auf. Angelehnt an die Weihnachtsgeschichte “A Christmas Carol” von Charles Dickens saß die reiche Ente damals einsam in ihrer Fabrikantenvilla und schimpfte: “Grauenhaftes Fest!”
Ruhm erst in der Pension
Die witzigen Abenteuergeschichten Barks’ erfreuten sich riesiger Beliebtheit. Der begnadete Zeichner war die meiste Zeit seiner aktiven Disney-Karriere aber bloß als Phantom bekannt. Künstler bei dem Unterhaltungsriesen unterschrieben ihre Arbeiten nicht, sodass der Anschein entstand, Walt Disney selbst habe die Figuren erfunden. Erst nachdem Barks 1966 in Pension ging, fanden findige Fans heraus, wer hinter dem legendären Geizkragen steckte, dessen Vermögen einmal auf fünf Fantastilliarden und neun Trillionen Taler sowie 16 Kreuzer geschätzt wurde.
Barks’ Vermächtnis geht weit über Onkel Dagobert hinaus. Auch Gustav Gans, den Erfinder Daniel Düsentrieb, die Panzerknacker oder Gundel Gaukeley verdankt man dem “Duck Man”, wie Fans Barks nennen. Er ist alleiniger Schöpfer von mehr als 500 der besten Geschichten um Donald Duck und andere Figuren. Barks’ Storys gelten dabei als anspruchsvoller als die anderen Comics – in der deutschen Fassung genial übersetzt von Erika Fuchs.
Heiß begehrte Sammlerstücke
In der Pension widmete er sich der Malerei. Entenhausen ließ ihn aber auch dabei nicht los. Seine Ölgemälde mit Szenen aus seinen Duck-Geschichten sind unter Sammlern heiß begehrt und werden teilweise für horrende Summen verkauft.
Carl Barks starb am 25. August 2000 in Oregon. Ein Jahr zuvor war bei dem populären Vater Entenhausens Leukämie diagnostiziert worden. Er wurde 99 Jahre alt.




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