Die Schlagerpop-Queen hielt Audienz im Happel-Stadion

Helene Fischer in Wien: Schlagerpop-Spektakel mit Mini-Panne

Sonntag, 12. Juli 2026 | 15:02 Uhr

Von: apa

Helene Fischer vereint sie alle: die Generationen, die Milieus, die Urbanen und jene aus der Provinz. Beim Wien-Konzert ihrer “360°”-Stadiontour formte sie aus den anwesenden Freundinnen, Pärchen, der LGBTQ-Community, den Kindern und älteren Semestern für 140 Minuten eine Schlager-Schicksalsgemeinschaft. Im Gepäck hatte die Glücksbotschafterin eine gigantische Bühne mit vier LED-Wänden inmitten des Stadions, spektakuläre Zirkusakrobatik, Pyrotechnik – und 200 Kilo Konfetti.

Seit 20 Jahren versorgt die deutsche Entertainerin ihr Publikum mit dem Heile-Welt-Genre, mit von Zeigefingern und Daumen geformten Herzen und verteilten Küsschen: “Oh Gott, ist das schön! Danke für das warme Willkommen … Gänsehaut!” sprach die 41-Jährige in ihr goldenes Mikrofon. Zuvor schwebte sie aus lichter Höhe herab – im knappen roten Lametta-Kleid und Lack-Overknee-High Heels. Was für ein Bild! Helene Fischer findet den Weg zu ihrer Herde. Sie kommt, um zu heilen. Ihre Botschaft ist die Liebe und die richtet sich bei ihr an alle. Ausgrenzung? Abgesagt! Dafür steht ihr Song “Regenbogenfarben” und ihr Einsatz für Mitmenschlichkeit und Toleranz.

Liebesbekundung in lichten Höhen

Dass sie alle gut sehen können, dafür sorgt ein gigantisches Bühnenkonstrukt, das laut Veranstaltern 288 Tonnen wiegt, 24,6 Meter hoch ist und von allen Seiten einsichtbar ist. 1.200 Scheinwerfer und 840 LED-Panele leuchten die Show aus, die 36 Flammen und 1.000 pyrotechnische Effekte bietet. 48 Produktionstrucks sind für den Transport zuständig.

Im Lauf des Wien-Konzerts fuhren ausschwenkbare Kranarme aus, sang Helene Fischer von einem Podest, dem Bühnendach, einem Thron oder tanzte auf einer langen Tafel. Ein Höhepunkt war die Performance zur neuen Single “An meiner Seite” in luftigen Höhen: Von einer Seite kam ihr Partner und Tänzer Thomas Seitel geflogen und beide schwebten in einer akrobatischen Nummer ineinander verkeilt durch das Stadion und die Nacht. Nebst schwindelerregenden Bewegungen beinhaltete diese Choreografie auch einen innigen Moment.

“Vor lauter Freude der Reißverschluss geplatzt”

Sympathische Panne: Ausgerechnet zum Song “Fehlerfrei” riss ihr bei Show Nummer 12 der 15 Konzerte umfassenden Tour ihr türkis-glitzerndes Mini-Revue-Outfit hinten auf. “Vor lauter Freude ist der Reißverschluss geplatzt”, scherzte die Sängerin und machte munter weiter. Sie posierte mit Kindern für ein Selfie, mit Erwachsenen auch, las die Texte von einzelnen Plakaten vor wie etwa “Helene du geile Sau!” Auf Szenen wie diese folgte der neue Song “Warum”.

“Wir sind nun schon seit so vielen Jahren zusammen, wir sind immer noch wir!”, sagte sie an einer Stelle. Nachsatz: “Schöner könnte dieser Abend nicht sein!” Die Jubiläumsshow nutzte die Schlager-Queen auch für einen Rückblick auf ihre “goldenen Momente” im Showbusiness: Sie stimmte ihren allerersten im Studio aufgenommenen Song “Feuer am Horizont” a cappella an. “Ihr seid textsicher!”, stellte sie fest. Stimmte zwar nicht, aber spätestens dann zückten einige ihr Handy, um den gegoogelten Text mitzusingen. Mehr Stimmung kam bei “Schau mal herein” auf, das Fischer mit Florian Silbereisen 2024 im Fernsehen im Duett sang und das sich zu einem TikTok-Hit mauserte.

Vom Schlager emanzipiert

Im 140-minütigen Gefühlsparcours hatten Songs wie “Genau dieses Gefühl”, “Flieger” oder Hit-Medleys genauso Platz wie Grenzübertritte in andere Genres wie Latino-Sound mit “Viva la Vida” und “Vamos a Marte”, ein bisschen Technobeats, Popmelodien, Salsarhythmen und schunkelnden Schlagerrefrains. Helene Fischers aalglatte Musik mag musikalisch spalten, die Bühnenshow glänzte und ist ganz auf den Star zugeschnitten: Die 20-köpfige Tanztruppe trug Helene Fischer auf Händen, stand ihr Spalier, schlug zu ihrem größten Hit “Atemlos” auf silberne Trommeln.

Spätestens in diesem Moment riss es das Gros der Fans in den Rängen aus ihren Sitzen. Es dauerte ein wenig, bis die Show in die Gänge kam und sich zu den obligatorischen Klatschmarathons ausgelassenes Tanzen gesellte. Zum Finale und nach mehreren Outfit-Wechseln animierte die Schlagerkönigin zu einem Smartphone-Lichtermeer, bis sie wieder entschwand – schwebend.

(Von Julia Schafferhofer/APA)

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