Von: APA/dpa
Kommt ein Mann in einen Comedyclub. Um das Eintrittsgeld zu sparen, meldet er sich spontan für einen Auftritt an und entdeckt sein Talent für Stand-up. Das ist kein Witz, sondern die Prämisse von “Is This Thing On?”, dem neuen Film von Regisseur Bradley Cooper (“A Star Is Born”). In der Mischung aus Drama und Komödie spielen Will Arnett und Laura Dern die Hauptrollen, Cooper nur in einer Nebenrolle. Ab Donnerstag im Kino.
Der Finanzangestellte Alex Novak (Arnett) steckt in einer Ehekrise. Nach fast 20 Jahren beschließen er und seine Frau Tess (Dern) beim Zähneputzen, sich scheiden zu lassen. Niemand ist fremdgegangen. Niemand ist wütend. Die Eltern von zwei Söhnen haben sich einfach auseinandergelebt. Aber der Frust über das Scheitern der Ehe sitzt tief.
Comedyclub als Ausweg
Alex zieht in eine trostlose Wohnung in Manhattan und versucht, sein Leben neu zu ordnen. So landet er eines Abends im Comedyclub. Was als improvisierter Auftritt beginnt, entwickelt sich zu einer neuen Leidenschaft. Alex taucht immer tiefer in die New Yorker Stand-up-Szene ein, lernt andere Comedians kennen und nutzt seine Scheidung als Inspiration für humorvolle Geschichten.
In Vorbereitung auf seine Rolle wagte sich Arnett mehrere Wochen lang als Stand-up-Comedian auf die Bühne. “Es war beängstigend”, sagte der 55-Jährige der dpa in London. “Ich hatte schon immer großen Respekt vor Stand-up-Comedians, weil ich selbst keiner bin. Dieser Respekt ist jetzt noch größer. Es ist unglaublich schwer, auf die Bühne zu gehen und Witze zu schreiben. Und ja, ich habe die Witze geschrieben.”
Unterstützung erhielt er von seinem langjährigen, engen Freund Bradley Cooper und dem britischen Screenwriter Mark Chappell. Gemeinsam mit den beiden schrieb er auch das Drehbuch, das von John Bishop inspiriert wurde. Der britische Stand-up-Comedian fand zufällig zu seinem Beruf, als er kurz vor der Scheidung stand.
Alex’ Eltern (Ciarán Hinds und Christine Ebersole) sind irritiert über das neue Hobby ihres Sohnes. Sein exzentrischer Kumpel, der Schauspieler Balls (Bradley Cooper), unterstützt ihn. Während Alex durch seine Auftritte immer mehr Selbstvertrauen gewinnt, versucht auch die ehemalige Profisportlerin Tess ihr Leben neu auszurichten. Mit der Zeit verändert sich ihr Verhältnis zueinander.
Großartige Performance von Dern und Arnett
Laura Dern und Will Arnett spielen ihre Rollen mit einer ergreifenden Intensität und Authentizität. “Es gibt eine unmittelbare Verbindung”, erklärte Dern (59) im dpa-Interview. “Aber die tiefere, echte Chemie entsteht nur, wenn man (als Paar) viele Jahre zusammen ist. Wir mussten einen Weg finden, das miteinander zu teilen.”
In der Vorbereitung hätten beide versucht, sich einander zu öffnen und sich voll aufeinander einzulassen. “Beim Dreh dieses Films waren wir gezwungen, so verletzlich wie möglich zu sein”, sagt Arnett. “Wir mussten uns als Künstler stark aufeinander verlassen. Genau daraus entstand diese Verletzlichkeit – und damit auch diese Chemie, diese Verbindung.”
Dass ihre Beziehung auf dem Bildschirm so authentisch wirkt, liegt auch daran, dass sie in manchen Szenen miteinander improvisierten. “Ein Großteil war natürlich im Drehbuch”, so Arnett. “Aber Momente entwickeln sich. Man liest eine Szene auf dem Papier, am Ende läuft sie oft ganz anders ab. Das Großartige an Laura als Schauspielerin und Künstlerin ist, dass sie dich ständig überrascht mit dem, was sie als Nächstes macht. Das ist wunderschön.”
Wegen der gemeinsamen Kinder und des gemeinsamen Freundeskreises sehen sich Alex und Tess regelmäßig und erleben so die Veränderung im Leben des jeweils anderen mit. Es geht dabei weniger um Alex’ neue Stand-up-Karriere als darum, wie sich die neue Lebenssituation des Ex-Paars auf das Verhältnis zwischen Tess und Alex auswirkt.
Bradley Cooper filmte mit der Handkamera
Dass Bradley Cooper oft mit der Handkamera gefilmt hat und dadurch besonders nah dran war, sorgt laut Dern für “enorme Intimität” in dieser ergreifenden und auch erhebenden Trennungsgeschichte.
“Er ist physisch ganz nah bei uns”, erklärt die Oscar-Gewinnerin (“Marriage Story”). “Gleichzeitig beobachtet er uns durch die Kamera und spürt instinktiv, was wir gerade empfinden. Wir sind mitten in einer Szene, und er merkt, dass wir vielleicht etwas ausprobieren, sagen oder fühlen wollen – und dann wirft er eine Idee hinein. Das ist großartig. Ich weiß nicht, ob es genauso funktioniert hätte, wenn er uns nicht so gut gekannt hätte.”
Nach “A Star Is Born” und “Maestro” zeigt Cooper erneut, dass er ein begabter Regisseur ist. Er verzichtet auf übertriebene Dramatisierung und setzt auf eine fast schon dokumentarisch anmutende Inszenierung mit langen Einstellungen, realen Schauplätzen und viel Raum für die Schauspieler. Das und seine brillanten Hauptdarsteller machen den charmanten Film so überzeugend. “Is This Thing On?” ist ein echtes Juwel. Kein Witz.
(S E R V I C E – www.isthisthingonfilm.de/ )




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