Von: apa
Der Schauspieler Johannes Krisch ist am Montagfrüh in einem Wiener Spital im Alter von 59 Jahren gestorben. Das gab das Theater in der Josefstadt gegenüber der APA bekannt. Mit seinem markanten Auftreten und Gesicht hatte sich Krisch den Ruf als einer der wesentlichen Charakterdarsteller des Landes erarbeitet, der sowohl auf der Bühne als auch im Film seine Wirkung entfalten konnte. Der Wiener war langjähriges Ensemblemitglied am Burgtheater und am Theater in der Josefstadt.
Erstmals Aufsehen erregte der am 8. Dezember 1966 in Wien geborene Krisch, der zunächst eine Tischlerlehre absolvierte, am damaligen Ensembletheater am Wiener Petersplatz. Claus Peymann holte den Schauspieler in der Folge 1989 an das Burgtheater, wo er viele Jahre erfolgreich tätig war. Es folgte der Wechsel zur Konkurrenz, dem Theater in der Josefstadt, wo er Erfolge feierte und zuletzt etwa als Karl Bockerer für eine Nestroy-Auszeichnung als bester Schauspieler nominiert war.
Auch im Kino charismatisch
Zugleich gehörte Krisch zur raren Kategorie jener Darsteller, deren Charisma auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ebenso zum Tragen kam wie auf der Kinoleinwand. In Götz Spielmanns oscarnominiertem “Revanche” brillierte er 2008 ebenso wie in Adrian Goigingers Epos “Märzengrund” (2022). Er war in Peter Patzaks Kottan-Revival “Kottan ermittelt: Rien ne va plus” 2010 der Paul Schremser und in Nikolaus Leytners Seethaler-Verfilmung “Der Trafikant” die aufrechte Titelfigur. Auch in Elisabeth Scharangs Literaturadaption “Wald” war Krisch zu erleben.
Aber auch im Fernsehen war der Schauspieler erfolgreich und in David Schalkos Erfolgsserie “Braunschlag” 2012 ebenso mit von der Partie wie regelmäßiger Gast im “Tatort”, bei “Soko Donau”, den “Toten vom Bodensee” oder in den Netflix-Koproduktionen “Vienna Blood” und “Freud”. Und schließlich war der umtriebige Künstler auch noch als Sänger tätig, der 2003 mit “Mirrors” seine erste CD als Lou Reed-Hommage veröffentlichte.
Großer Schauspielpreis der Diagonale
Krisch gelang in seiner Karriere dabei stets der Grenzgang zwischen intellektueller Rollengestaltung und Nahbarkeit, bodenständiger Strizziattitüde und dem bewussten Durchscheinenlassen von Abgründen und von Verzweiflung. Am vielleicht treffendsten hat dies die Diagonale-Jury 2017 umschrieben, als sie Johannes Krisch den Großen Schauspielpreis des Festivals verlieh. “Johannes Krisch lotet die Grenzen als Künstler aus und ist bereit, sie zu übertreten – mit Liebe, mit Leidenschaft und mit einer großen Vielfalt an schauspielerischem Können”, hieß es in der Begründung damals: “Er macht es sich nicht auf gewohntem Terrain bequem, sondern tastet sich in seiner Rollenauswahl in die dunklen Ecken vor.”
Die Diagonale war dabei beileibe nicht die einzige Institution, die Krisch für seine Arbeit würdigte. Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde er für seine Deutung von Jack Unterweger in Elisabeth Scharangs “Jack” als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet. Und 2017 wurde Johannes Krisch der Berufstitel des Kammerschauspielers verliehen.
Zugleich war der gebürtige Wiener schon länger von gesundheitlichen Problemen geplagt. So hatte er 2012 bei einer Premiere in Berlin einen Bühnenunfall erlitten, als er aufgrund einer fehlenden Treppe knapp zwei Meter in die Tiefe stürzte und sich eine Wirbelverletzung sowie einen Riss im Zwerchfell zuzog. Und 2023 hatte Johannes Krisch sowohl seine Hauptrolle in Peter Turrinis Uraufführung “Es muss geschieden sein” als auch die Intendanz bei den Raimundspielen Gutenstein zurücklegen müssen. Nun hat einer der großen Schauspieler des Landes im Alter von 59 Jahren die Bühne für immer verlassen.
Föttinger würdigt “einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation”
Herbert Föttinger, langjähriger Direktor des Theaters in der Josefstadt, würdigte Krisch gegenüber der APA als “einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation” in Österreich: “Johannes Krisch besaß die seltene Gabe, Figuren nicht zu spielen, sondern sie im Augenblick zu erleben – und das Publikum daran teilhaben zu lassen. Seine Rollen waren nie bloße Darstellung, sondern gelebtes Leben. Mit einer Intensität, einer Wahrhaftigkeit und einer tiefen Menschlichkeit berührte er sein Publikum und prägte jede Bühne, auf der er stand.”
Krisch habe das Josefstadt-Ensemble “mit seiner unverwechselbaren Persönlichkeit, seiner Intensität und seiner Wahrhaftigkeit geprägt. Die Zusammenarbeit mit ihm war für mich ein großes Geschenk”, so Föttinger. “Unvergessen bleibt seine Verkörperung des Karl Bockerer. Mit dieser Rolle hat Johannes Krisch eine Figur geschaffen, die untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben wird. In ihr vereinten sich Kraft, Humor, Menschlichkeit und jene stille Größe, die nur wenigen Schauspielern eigen ist. Der Karl Bockerer wird uns immer auch an Johannes Krisch erinnern.”




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