Von: APA/dpa
Frankensteins Monster: eine Bestie, die es mit Fackeln und Mistgabeln durch die Straßen zu jagen gilt? Oder doch ein zusammengeflickter Mensch mit Gefühlen wie jeder andere? In “The Bride!” liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Das gilt nicht nur für das Monster selbst – sondern erst recht für seine namensgebende Braut, die ebenfalls wieder zum Leben erweckt wird, und die mit “Frank” durch die USA der 1930er-Jahre zur Flucht ansetzt. Ab Donnerstag im Kino.
Für den Kinostart könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben, als diesen – alles dank Hauptdarstellerin Jessie Buckley. Die Irin sahnte für ihre Hauptrolle im Shakespeare-Drama “Hamnet” vom Golden Globe bis zum BAFTA zuletzt jeden wichtigen Preis ab, den es zu gewinnen gab. Bei der Oscar-Verleihung Mitte März gilt sie in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin als Top-Favoritin.
Hochkarätiger Cast
In “The Bride” führt Buckley nun sogar einen Cast um Christian Bale und Penélope Cruz an, die den wichtigsten Filmpreis je einmal bereits gewonnen haben. Das liegt nicht nur daran, dass Buckley in Hollywood gerade Star der Stunde ist, sondern von Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Gyllenhaal (“Frau im Dunkeln”) bereits von Beginn an für die Rolle auserkoren wurde.
Wer bei “The Bride” nur eine weitere von vielen Frankenstein-Adaptionen erwartet, dürfte aber durchaus überrascht werden. Mit der Geschichte von Frankensteins Braut, wie sie auch in Marys Shelleys Buchvorlage und einer Filmumsetzung von 1935 erzählt wird, hat der neue Film nämlich wenig gemein. So geht es zwar auch um Frankensteins Monster – “geschaffen in Ingolstadt in Bayern”, wie er sich in dem Film selbst beschreibt.
Musicalfilm-Fan
Doch “Frank”, gespielt von Christian Bale (“The Dark Knight”), ist eigentlich kein gnadenloser Killer, sondern ein besonderer Fan der Musicalfilme des Schauspielers Ronnie Reed (Jake Gyllenhaal) – und vor allem einsam, als er sich an die Wissenschafterin Dr. Euphronious (Annette Bening) wendet. Gemeinsam graben sie eine Leiche aus, die Frank heiraten soll, und hauchen ihr in typischer Manier mit viel Elektrizität neues Leben ein. Frankensteins Braut bekommt kurzerhand den Namen Penélope – die in ihrem vergangenen Leben eigentlich Ida hieß, sich an dieses aber nicht mehr erinnern kann.
Womit Frank und die Wissenschafterin nicht rechnen: Penélope ist impulsiv, rebellisch und schon gar nicht bereit dazu, ihr Leben ohne Einwände einem Mann zu widmen. Dennoch ist sie es, die Franks eigentlich ruhigem Leben neue Energie einhaucht und mit diesem gemeinsam ungewollt in große Schwierigkeiten gerät. So wird aus Musicalfan Frank doch wieder “das Monster” – das mit der mehr als ebenbürtig gefährlichen Penelope an seiner Seite vor der Polizei flüchten muss.
Jessie Buckley überzeugt in Doppelrolle
Den Vorschusslorbeeren für Buckley hin oder her – mit ihrer Rolle aus “Hamnet”, einem gefühlvollen Historiendrama im 16. Jahrhundert, hat die im eher überzeichneten Horrorfilm “The Bride!” wenig gemein. Denn dieses Mal kommt eine ganz andere Seite von ihrem Schauspieltalent zum Vorschein. In gewisser Weise spielt sie nämlich zwei Rollen auf einmal: einerseits die wiederbelebte Braut mit dunkler Vorgeschichte – andererseits den Geist von Autorin Mary Shelley, der sich schon vorher kontrollierend in ihrem Kopf herumtreibt und die rebellische Ader in ihr erweckt.
Buckley meistert diesen Spagat, und zieht die Zuschauerinnen und Zuschauer schon alleine mit ihren Monologen in den Bann, bei denen sie zeitweise auch die gesamte Kinoleinwand ausfüllt. Auch das Zusammenspiel mit Bale überzeugt, in Dialogen genauso wie in gemeinsamen Tanzeinlagen. Schade ist höchstens, dass der Horrorfaktor etwas auf der Strecke bleibt – trotz viel Bluts gibt es große Schockmomente nur selten.
Frankensteins Braut? Nein, nur die Braut
Womit “The Bride!” am meisten überrascht: Es geht längst nicht nur um die Flucht zweier Monster, sondern auch um Feminismus. Das gilt etwa für Detektivin Myrna Mallow (Penélope Cruz) – obwohl sie auf dem Papier nur Sekretärin ist und von den allermeisten Polizisten in den 1930er-Jahren nur ignoriert und belächelt wird, führt sie die Suche nach der Braut und Frank einfach selbst an. Auch für Buckleys Protagnonistin selbst sind es stets Männer, die ihr mit sexuellen Übergriffen zur Gefahr werden. Und dafür sorgten, dass sie vor ihrer Wiederbelebung überhaupt erst tot im Grab gelandet war.
So steht in der Geschichte mehr als nur die Flucht im Mittelpunkt, sondern auch ein Aufstand gegen gewalttätige Männer, den vor allem die innere Stimme der fiktiven Mary Shelley antreibt. Diese ist es nämlich, die die Braut dazu bewegt, sich nicht den Wünschen anderer zu fügen – und sich notfalls auch mit blutiger Gewalt zu wehren. Frankensteins Monster steht ihr dabei zwar zur Seite. Doch wer ist sie wirklich: Ida aus ihrem vergangenen Leben, die wiederbelebte Penélope oder doch Frankensteins Braut? In ihren eigenen Worten: “Nein. Nur die Braut.”
(Von Niklas Graeber/dpa)
(S E R V I C E – https://www.constantinfilm.at/kino/the-bride-es-lebe-die-braut )




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