Von: apa
Ein Kammerspiel auf Riesenbühne: Die Seefestspiele Mörbisch präsentieren “La Cage aux Folles” heuer in der größten Produktion, “die das Musical je erlebt hat”. Das sagte Intendant und heuriger Hauptdarsteller Alfons Haider am Donnerstag in Wien. Neben Opulenz, die Showtreppe etwa wird eine Länge von einem Kilometer und zehn Metern haben, versprach Haider “viel Liebe”. Sein Vertrag wurde übrigens verlängert, wie Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) verriet.
38 “Cagelles”, “also Herren als Damen”, so Haider, gehören zur Inszenierung. Sechs davon entpuppen sich während der Show als Frauen. Der Intendant und Drew Sarich wechseln sich in der Rolle als Albin bzw. Dragqueen Zaza ab. Für Haider ist es ein Comeback in “Ein Käfig voller Narren” nach 2008/09. Damals, bei den Stockerauer Festspielen, “so sagt man mir, waren meine Beine noch besser, aber ich bin schon wieder im Fitnesscenter”, versicherte der Entertainer. Außerdem übe er täglich zwei Stunden in Stöckelschuhen. Mit dem Hausbewohner unter ihm, der durch das Geklapper bereits einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, konnte er sich mittlerweile einigen, schmunzelte Haider.
“Wie geht es dir, auf einer Bühne zu stehen, die gleich alt ist wie du und nächstes Jahr 70 wird?”, fragte bei der Pressekonferenz Doskozil scherzhaft Haider. “Ich bin nicht nervös, aber ich habe größten Respekt vor der Rolle”, lautete die Antwort. Man wolle kein Politikum aus dem Stück machen, “sondern die Leute überzeugen, dass Liebe das Wichtigste ist”. Davor hatte der Schauspieler und Sänger betont: “Es ist ein Stück, das über Jahrzehnte alle Tricks des Theaters benutzt, um Menschen zu überzeugen, dass jeder frei entscheiden soll, wie er lebt, mit wem er lebt, wo er lebt und was er lebt.” Das gelinge “mit sehr viel Spitzengefühl und ununterbrochen Pointen”.
Zwölf Revuenummern und ein Welthit
Zwölf Revuenummern erwartet das Publikum, akustisch unterlegt unter anderem mit dem Welthit “I Am What I Am”. Mit dem Bühnenbild will dessen Designer Walter Vogelweider Rivieraflair an den Neusiedlersee bringen. Im Mittelpunkt der 3.600 Quadratmeter Fläche steht ein überdimensionaler Käfig. Wenn Zaza am Ende über diesem thront, verwandelt sich der Käfig in einen riesen Rock. Eine Drehscheibe ermöglicht den Wechsel von Showelementen, “um der jeweiligen Szene zu dienen”, führte Vogelweider aus. Und wenn sich Haider bzw. Sarich in eine Frau verwandeln, sollen Projektionen einen unverstellten Blick ermöglichen.
Mark Seibert schlüpft in der Inszenierung von Andreas Gergen in die Rolle von George, Travestie-Club-Betreiber in St. Tropez und Lebenspartner von Albin, der als Zaza dort das Publikum begeistert. Als Georges Sohn heiraten will und die erzkonservativen Schwiegereltern zu Besuch kommen, müssen die beiden ihr exzentrisches Leben verbergen und eine konventionelle Familie vortäuschen, was im Chaos endet. “Die Botschaft, dass man Grenzen überwinden kann, wird nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit Charme transportiert”, sagte Gergen.
Große Nachfrage und Vertragsverlängerung
In den vergangenen fünf Jahren, seit Mörbisch unter der Leitung von Haider auf Musicals setzt, habe man rund 670.000 Besucherinnen und Besucher gezählt, im Schnitt 134.000 pro Jahr”, rechnete der Intendant vor. Die Nachfrage sei auch heuer groß: “Aktuell stehen wir bei rund 100.000 verkauften oder reservierten Tickets”, ließ Doskozil wissen. Der Landeshauptmann und Kulturreferent verkündete die Vertragsverlängerung mit Haider um noch einmal fünf Jahre mit der Option auf weitere zwei.
(S E R V I C E – www.seefestspiele-moerbisch.at )




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