Phil Collins - vom Drummer zum Frontmann

Phil Collins mit 75 wieder optimistischer

Samstag, 24. Januar 2026 | 09:54 Uhr

Von: APA/dpa

Sein geliebtes Schlagzeug kann Phil Collins nie wieder spielen. Aber seine Stimme ist noch da. Und nach einigen – wie er selbst sagt – “schweren, frustrierenden Jahren” blickt der britische Musiker wieder optimistischer in die Zukunft. Vor seinem 75. Geburtstag (30.1.) scheint es Collins, der seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, wieder besser zu gehen. Sogar neue Musik stellte der Sänger und Schlagzeuger in Aussicht.

“Alles, was bei mir schieflaufen konnte, ist auch schiefgelaufen”, sagte Phil Collins in einem neuen BBC-Interview anlässlich seines Geburtstags. Infolge einer Verletzung, die er sich 2007 auf der Tournee mit Genesis zuzog, leidet er an bleibenden Nervenschäden. Nach einer Operation verlor er das Gefühl in den Fingern – und die Fähigkeit Schlagzeug zu spielen. Die Knie sind kaputt. Fünfmal wurde Collins operiert. Seinen Fuß kann er beim Gehen nicht richtig heben.

In seinem Frust griff er wieder zur Flasche. Mittlerweile ist Collins aber nach eigener Aussage seit zwei Jahren trocken. Auch sonst scheint er sich berappelt zu haben. Sah er vor einigen Jahren noch abgemagert und fahl aus, wirkt er auf aktuellen Fotos fitter. “Ich habe eine 24-Stunden-Pflegekraft, die sicherstellt, dass ich meine Medikamente so einnehme, wie ich es soll”, sagte er der BBC. Er sei gesund und beweglich, wenn auch nur mit Hilfe von Krücken.

Emotionaler Abschied von der Bühne

Die Konzerte seiner Abschiedstournee mit Genesis absolvierte der Musiker 2021 und 2022 im Sitzen. Ein ungewohnter Anblick, denn in den für Collins extrem erfolgreichen 80er- und 90er-Jahren tanzte er durch peppige Musikvideos zu Hits wie “Don’t Lose My Number”, “You Can’t Hurry Love” oder dem legendären Genesis-Klassiker “I Can’t Dance”. Noch bis in die späten 2000er raste er bei seinen Konzerten mit schelmischem Grinsen rastlos von einem Bühnenrand zum anderen.

Mit Mike Rutherford und Tony Banks noch einmal als Genesis auf Tournee zu gehen, war ihm eine Herzensangelegenheit. “Es gibt nur wenige Bands, die so lange zusammen waren und immer noch miteinander sprechen, die gern beisammen sind und gern gemeinsam Musik machen”, sagte er damals während der Proben zur “The Last Domino?”-Tour, bei der sein Sohn Nicolas den Platz hinter dem Schlagzeug übernahm.

Daran, dass es sein letzter Auftritt auf der großen Bühne sein würde, ließ Collins beim Konzert in London am 26. März 2022 keinen Zweifel. “Nach heute Abend müssen wir uns richtige Jobs besorgen”, scherzte er. Doch dann wurde er emotional. “Lasst uns weitermachen”, sagte er sichtlich bewegt, “bevor mir die Tränen kommen.”

Vom Schlagzeuger zum Frontmann

Durch eine Anzeige war Collins 1970 als Schlagzeuger zu Genesis gekommen. Damals spielte die Gruppe noch komplexen Progressive Rock. “Was mich angeht, war es nur ein Job”, sagte er dem Schlagzeug-Portal Drumeo. Nach dem Ausstieg von Sänger Peter Gabriel suchte die Band erfolglos einen Nachfolger. Schließlich übernahm Collins, der schon vereinzelte Songs gesungen hatte, 1975 den Leadgesang. “Warum sollte man nur eine Sache machen?”

Aus der Rockband Genesis wurde in den 80ern auch wegen Collins eine Popband, die weltweit mehr als 150 Millionen Alben verkauft haben soll. Gleichzeitig feierte er als Solokünstler gigantische Erfolge. Neben acht Soloalben stehen auch Soundtracks für die Disney-Filme “Tarzan” und “Bärenbrüder” in seiner Diskografie.

Gleich Collins’ erste Solosingle, das ikonische “In The Air Tonight”, war in Deutschland ein Nummer-Eins-Hit. Auch dank des legendären Schlagzeug-Breaks (“Du-du, du-du, du-du, du-du, dum-dum!”), das erst nach drei Minuten und 40 Sekunden einsetzt, ist der Song ein unsterblicher Klassiker der Pop- und Rockgeschichte.

Die Kehrseite des Erfolgs

Der große Ruhm hatte für den in London geborenen Weltstar, der als Kind am West End Theater spielte, jedoch auch Schattenseiten. Sein Privatleben litt. Drei Scheidungen sind die Folge. Die erste inspirierte ihn angeblich zu “In The Air Tonight”. Auch Herzschmerz-Balladen wie “Against All Odds” oder “Separate Lives” geben einen Einblick in Collins’ Seelenleben.

Nach der Scheidung von der Schweizerin Orianne im Jahr 2006 flüchtete sich der Musiker in Alkohol. “Ich betrinke mich nie während der Arbeit”, erinnerte er sich in seiner Autobiographie “Not Dead Yet” (Deutscher Titel: “Da kommt noch was”). “Das bedeutet jedoch nur, dass ich umso heftiger trinken muss, wenn ich nicht bei der Arbeit bin.” Die Trinkerei bescherte ihm eine akute Pankreatitis, eine gefährliche Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

2016 kam er überraschend wieder mit Orianne zusammen. Doch die zweite Beziehung mit der Mutter seiner Söhne Matthew, der beim Fußball-Zweitligisten Austria Salzburg als Mittelfeldspieler unter Vertrag steht, und Nicholas hielt nur ein paar Jahre. Sie endete in einem hässlichen Rechtsstreit, den die berüchtigte britische Boulevard-Presse genüsslich ausschlachtete.

Comeback mit neuer Musik?

Die Hoffnung auf neue Musik hat Phil Collins auch nach dem Abschied von der Bühne nie aufgegeben. “Testify”, sein letztes Studioalbum mit eigenen Songs, liegt fast 25 Jahre zurück. “Ich war zu faul”, sagte er schon 2017 der Deutschen Presse-Agentur in London. “Ich sollte wohl mal wieder einen Finger bewegen und etwas Neues machen.” Außer einer Zusammenstellung mit Raritäten kam nichts.

In seinem jüngsten BBC-Interview stellte Collins neue Musik in Aussicht. Zumindest könne er sich die Rückkehr ins Studio vorstellen. Und dort: “Ein bisschen herumprobieren und sehen, ob da noch Musik in mir steckt”, sagte er. “Man muss einfach erst mal loslegen, um herauszufinden, ob man es noch kann.”

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