Von: apa
Sophia spricht ihren Fans aus den Herzen: Die Kombination aus nachdenklichen und lebensbejahenden Gefühlen, verpackt in eingängigem Deutschpop, ist wohl ein wichtiger Baustein für den Erfolg der 30-Jährigen. “Ich versuche immer, beides miteinander zu verbinden, weil ohne schlechte Tage keine guten Tage”, sagte die Sängerin, die heuer ihr drittes Album “Durch die Blume” veröffentlichte, im APA-Interview. Am Montag gab sie ein überzeugendes Konzert im Gasometer.
Ein gutes Beispiel für den Modus Operandi ist “Alles ist gut”: “Der Song sagt eigentlich aus, dass es einem nicht gut geht”, erzählte die Künstlerin aus der 30.000-Einwohner-Stadt Wetter in Nordrhein-Westfalen. Allerdings ist er so gestrickt, “dass man beim Hören durchaus gute Laune bekommt”. Bei zwei Songs auf dem Album, “Alles in Flammen” und “Unsichtbar”, habe sie aber überlegt: “Sind sie irgendwie zu düster? Aber ansonsten versuche ich immer, eine kleine positive Botschaft mit reinzubringen.”
Jenes “Unsichtbar” verdeutlicht die Gabe Sophias, Dinge beim Namen zu nennen, die viele Menschen beschäftigen, und die Botschaft in stilvolle Worte zu kleiden. Im konkreten Fall geht es um Selbstzweifel. “Ich schlafe schlecht ein und mache mir dann Gedanken über, keine Ahnung, Gott und die Welt. Ich bin auch immer sehr schnell verunsichert und fange an zu zweifeln. Da kommt man schnell in ein Gedankenkarussell, obwohl es keinen Grund dafür gibt”, schilderte die Sängerin. Im Text heißt es: “All meine Ängste, bösen Träume und Sorgen – sind mittlerweile beste Freunde geworden – ja, der Zweifel bleibt mein größter Feind – denn er ist unsichtbar.”
Schritt nach vorne
Mit “Durch die Blume” hat Sophia, wie sie auch selbst weiß, “auf jeden Fall noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht”. Der Entstehungsprozess sei im Vergleich zu den Arbeiten an den beiden Vorgängern anstrengender gewesen: “Davor war es immer so, dass ich ins Studio gegangen bin, wir einen Song geschrieben haben – und der war es oder nicht. Diesmal hatten wir manchmal Songs, an denen mir etwa nur die Hook, die Strophe oder die Melodie gefiel. Ich bin dann mit dem gleichen Team erneut ins Studio gegangen und wir haben – ich weiß nicht wie oft – die Songs umgeschrieben, verworfen und noch einmal neu aufgenommen.”
Zeitlose Musik möchte Sophia bieten: “Ob mir das gelingt, weiß ich nicht, aber zumindest versuchen wir das. Wenn man sich die Lieder in zehn Jahren anhört, soll man sich nicht denken: Das war damals in und ist jetzt voll out.” Dass so viele Menschen sich mit ihren Liedern identifizieren, überrasche sie oft: “Weil es sehr persönliche Lieder sind. Manchmal glaube ich, die einzige zu sein, die dieses Gefühl hat, über das ich singe. Dann auf einmal merkt man, es gibt ganz viele Leute, die so fühlen – was ja irgendwie ein schönes Gefühl ist, dass man nicht alleine mit solchen Gedanken ist.”
Es geht um die Musik
Sophia Bauckloh, so ihr voller Name, hat ihren Aufstieg im Metier auch den Sozialen Medien zu verdanken. Aber eben nicht nur, wie sie betont: “Ich habe damals mit TikTok und Instagram angefangen und dort meine Songs hochgeladen. Man erreicht schnell viele Leute und braucht dazu nicht viel. Man hat ein Handy in der Hand, nimmt ein Video auf, kann so den Leuten direkt Songideen präsentieren – und man erhält direktes Feedback. Das ist auf der einen Seite natürlich cool. Auf der anderen Seite habe ich von Anfang an darauf geachtet, dass es auf meinen Kanälen nur um Musik geht. Ich will, dass mir die Leute folgen, weil sie die Musik gut finden, und nicht, weil ich jeden Tag meinen Hund poste und die den süß finden.”
Das Gastspiel in Wien untermauerte diesen Anspruch: Keine Konservenkost, sondern handgemachte Songs gab es zu hören. Sophia, ausgezeichnet bei Stimme, wurde von einer soliden Band begleitet, die den Liedern das live notwendige Mehr an Schärfe verpasste. Die Botschaft an das überwiegend junge Publikum stimmte auch: “Lasst euch eure Träume nicht kaputt machen!”
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)




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