Von: apa
Eigentlich hätte es für Safari Anfang 2020 so richtig losgehen sollen. Aber eine Woche nach dem Releasekonzert für ihr Debüt “Shakalaka” kam Corona und machte dem heimischen Popduo vorerst einen Strich durch die Rechnung. Fünf Jahre danach bringt das österreichisch-schwedische Brüderpaar nun den Nachfolger “Human” heraus. Weniger Firlefanz, mehr Gitarren – ein “In-Your-Face-Album”, wie Safari-Hälfte Daniel Hämmerle im APA-Gespräch resümiert.
Experimentierfreudige, detailverliebte Songs, eine teilweise wilde, fast nerdige Verschränkung analoger und digitaler Klangwelten servierte Safari auf ihrem Erstling. Immerhin verhieß der Bandname, den sich die Geschwister Tobias und Daniel Hämmerle – letzterer ist auch Teil des Indie-Pop-Quartetts Hearts Hearts – irgendwann Mitte des vergangenen Jahrzehnts gegeben haben, eine exotische, abenteuerliche Stoßrichtung. “Wir hatten davor schon andere Projekte und wollten Safari eigentlich definieren als etwas sehr Besonderes, fast schon Skurriles”, erinnert sich Tobias.
“Authentisch, richtig, ehrlich”
Nach der Corona-Zäsur haben die beiden dann 2022 angefangen, neue Lieder zu schreiben und wollten dabei Tabula rasa machen. “In der Woche unserer ersten Songwriting-Session ist der Ukraine-Krieg ausgebrochen. Das hat vor allem mich ziemlich zurückgeworfen”, sagt Daniel. Liedmaterial wurde immer wieder auch verworfen, “weil wir noch ein bisschen im alten Sound dringesteckt sind”. Ganz gemäß dem Motto “Was lange währt, wird endlich gut” sind die Brüder nun aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis: “Das jetzt ist sehr authentisch, das fühlt sich richtig und ehrlich an.”
Das Album, das am Freitag (5. September) erscheint, zelebriert recht schnörkellosen Gitarrenpop ohne Scheu vor eingängigen Melodien. War “Shakalaka” stark vom Album “Modern Vampires of the City” von Vampire Weekend (“wahnsinnig großartig”) geprägt, habe es diesmal keine benennbaren Einflüsse gegeben. “Es ist eher das, was passiert, wenn wir einfach gemeinsam Musik machen”, fasst es Tobias zusammen. Eine Art Selbstfindung über Umwege sozusagen.
Nicht ganz überraschend, dreht sich “Human” inhaltlich “um die unterschiedlichen Facetten, die einen Menschen ausmachen”. Nostalgie, Wut, Zweifel, Angst, Liebe – das ist die emotionale Farbpalette, die das Dutzend Songs grundiert. “Sowohl die positivsten als auch die negativsten Erlebnisse relativieren sich ja retrospektiv. Das Album ist vielleicht der Versuch, extreme Situationen, die wir erlebt haben, zu relativieren – auf weltpolitischer wie auf persönlicher Ebene”, erklärt Tobias. “I Believe In You” erzählt von der Hoffnung in Zeiten von Krieg, Katastrophen und einem verlorenen Handy, “Let’s Stay In Bed” handelt von Depressionen und “Little Fellow” verarbeitet den Todesfall eines Kindes.
Das nordische “Bittersweet”
Die düsteren Texte treffen dabei auf fast heitere Melodien. Dieses Spiel zwischen Hell und Dunkel erklärt sich vielleicht auch durch die Wurzeln der Safari-Brüder. Die Mutter kommt aus Malmö, die beiden Söhne sprechen untereinander Schwedisch. Vielleicht sei dieses “Bittersweet” ihrer Songs einem nordischen Grundgefühl geschuldet, mutmaßen sie.
Einen klassischen Frontman in der Band gibt es bei Safari nicht. Denn nicht nur das Gesangsmikro teilen sich die Hämmerles, auch die Songs entstehen im Pingpong. Stört die Zusammenarbeit da nicht manchmal die familiäre Harmonie? Der Vorteil sei, dass man unter Brüdern wohl ehrlicher sei. “Man kann auch mal sagen, das ist ein Scheißdreck. Das würde man vielleicht einer anderen Person, die man sehr schätzt oder schon lange kennt, nicht genauso sagen”, lacht Tobias: “Wir sind eigentlich sehr konträr. Daniel ist eher nicht so strukturiert, will immer Dinge länger überdenken und ich bin eher zielorientiert. Das braucht’s aber beides und ergänzt sich im besten Fall auch.” Das mediatorische Geschick von Freund und Album-Produzent Peter Paul Aufreiter, der auch schon mit Mavi Phoenix oder Clara Luzia gearbeitet hat, war aber beim Erarbeiten von “Human” durchaus das eine oder andere Mal gefragt.
Releaseshow am 9. Oktober
Die neuen Songs stellen Safari beim Releasekonzert am 9. Oktober im Kramladen am Lerchenfelder Gürtel in Wien vor. Liegen nach dem Corona-Pech vom Debüt nun alle Hoffnungen auf Platte Nummer zwei? “Ich bin einfach gespannt, was damit passiert. Sicher, man will es vorstellen und spielen. Aber es ist so ein toller Prozess gewesen, da wird uns keiner wegnehmen. Es steckt sehr viel von uns drinnen”, gibt sich Tobias relativ entspannt. Und Daniel ergänzt: “Ich freu mich sehr aufs Livespielen. Die Zeit im Studio war schon recht lang. Jetzt reicht’s.”
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E – Safari: “Human”, Releasekonzert am 9. Oktober, 19 Uhr, im Kramladen, Wien 8, Lerchenfelder Gürtel, U-Bahn-Bogen 39/40)
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