Von: apa
Am Freitag startet die in Ägypten und Österreich angesiedelte Tragikomödie “The Stories”, die heuer den Diagonale-Publikumspreis für sich reklamieren konnte, in den heimischen Kinos. Die APA sprach mit Regisseur Abu Bakr Shawky im Vorfeld des Besuchs in seiner zweiten Heimat Österreich anlässlich der Filmpremiere über Politik, Horrorfilme und die Universalität von Familien.
APA: Herr Shawky, Sie haben in “The Stories” Teile Ihrer eigenen Geschichte, beziehungsweise die Ihrer Eltern verarbeitet. Was war der Auslöser dafür?
Abu Bakr Shawky: Meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater Ägypter. Sie haben sich über eine Brieffreundschaft kennengelernt. Ich wollte diese Geschichte schon länger erzählen, und jetzt ist es eben Wirklichkeit geworden.
APA: Sie leben in Kairo. Fühlen Sie sich eigentlich mehr als Ägypter oder mehr als Österreicher?
Shawky: Beides. Ich bin in beiden Kulturen zuhause. Ich würde sagen, der Film ist sehr ägyptisch, aber er ist auch sehr österreichisch. Ich bin aufgewachsen zwischen diesen beiden Welten. Und ich glaube, das sieht man auch im Film ein bisschen.
APA: Der Film hat einige sehr lustige und auch sehr traurige Momente. Und vor allem sind die Charaktere mit viel Liebe gezeichnet. Ist da eine gewisse Sentimentalität dahinter?
Shawky: Es geht um die Idee, dass Familien überall irgendwie gleich sind. In Österreich und in Ägypten eben auch. Sie verhalten sich gleich, sie haben den gleichen Humor und sie sind auch gleich laut. Die Charaktere sind einfach aus Leben gegriffen. Das sind einfach Leute, die jeder aus seiner Umgebung kennt – Onkel und Tanten, Nachbarn und Postler. Und ich glaube, das fühlt sich dann im Film so an, als ob man das schon einmal gesehen hat.
“Politik interessiert mich eigentlich nicht”
APA: Sie haben in Ihren früheren Werken politische Themen wie Migration aufgegriffen. In Ihrem neuen Film bilden die politischen Ereignisse im Ägypten zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren den Hintergrund. Sind Sie ein politischer Mensch?
Shawky: Eigentlich überhaupt nicht. Politik interessiert mich eigentlich nicht als solche, eher der Effekt auf die Gesellschaft. Diese Phase, die ich erzähle, war eine sehr turbulente für Ägypten, da ist viel passiert. Es hat mich immer interessiert, wie sich diese großen Geschehnisse auf die kleinen Familien ausgewirkt haben und was das für Effekte hat. Meine eigene Familie ist auch durch diese Phase gegangen und hat sie überleben müssen.
APA: In dem Film spielen einige sehr bekannte österreichische Schauspieler mit, allen voran Valerie Pachner. Wie haben Sie die bekommen?
Shawky: Wir haben da sehr viel Glück gehabt. Valerie war mit sehr vielen anderen Projekten beschäftigt. Dass wir das mit Hilfe des Produzenten und des Castingteams trotzdem hingekriegt haben, hat mich sehr gefreut. Johannes Krisch und Maria Hofstätter sind für die Hochzeitsszene extra für einen Drehtag nach Ägypten gereist. Es war wirklich schön, mit ihnen zu arbeiten.
Der Stellenwert des Publikumspreises
APA: Sie haben für Ihre Filme schon viele Preise bekommen, waren in Cannes dabei, mit “Yomeddine” als Ägyptens Beitrag für den Oscar im Rennen. Welchen Stellenwert hat für Sie der Publikumspreis bei der Diagonale?
Shawky: Publikumspreise sind immer sehr schön, weil das heißt dann auch, dass die Leute den Film gut fanden. Für jeden Regisseur ist das Ziel immer, dass der Film nicht nur rauskommt, sondern auch gesehen wird. Es ist vor allem bei Independent Filmen heutzutage gar nicht leicht, dass der Film überhaupt ans breite Publikum kommt und so wie jetzt in den Kinos läuft.
APA: Sie kommen zur österreichischen Kinopremiere nach Wien. Wie oft sind Sie eigentlich in Österreich?
Shawky: Als Kind war ich viel öfter und regelmäßiger hier – jedes Jahr mehrere Monate. Seit ich angefangen habe, Filme zu machen, kommt es immer auf die Arbeit an. Ich würde gerne viel öfter kommen, als es die Arbeit erlaubt.
APA: Wissen Sie schon, was Ihr nächster Film sein wird?
Shawky: Leider noch nicht. Als Regisseur muss man immer mehrere Projekte haben, die man jongliert. Filmfinanzierung ist immer ein sehr kompliziertes Thema. Es dauert immer längere Zeit, bis Filme zustande kommen. “The Stories” ist schon 2019 geschrieben und erst 2024 gedreht worden.
APA: Welche Themen beschäftigen Sie derzeit, in welche Richtung könnte es gehen?
Shawky: Alle meine drei Spielfilme gehören in verschiedene Genres und sind auch sehr verschieden angegangen worden. Sie könnten fast drei verschiedene Regisseure haben. Ich mache das mit Absicht, weil ich versuche, mich nicht zu wiederholen. Wenn jetzt als nächstes ein Genrehorrorfilm kommt – das würde ich auch gerne machen.
(Das Interview führte Andreas Stangl/APA)




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