Von: red
Gewürze zwischen Tradition und Wissenschaft
Gewürze machen aus einfachen Gerichten kulinarische Erlebnisse. Sie verleihen Speisen Tiefe, regulieren Säure, sorgen für Schärfe oder florale Noten und lassen euch geschmacklich um die Welt reisen.
Botanisch betrachtet sind Gewürze Pflanzenteile mit einer besonders hohen Konzentration aromatischer Moleküle. Diese Stoffe schützen die Pflanzen vor Pilzen, Bakterien oder Fressfeinden. Für uns Menschen sind viele dieser Verbindungen jedoch angenehm – weshalb sie seit Jahrhunderten Teil zahlreicher Küchen sind.
Doch neben dem Geschmack hält sich eine weitere Überzeugung hartnäckig: Gewürze sollen heilende Eigenschaften besitzen. Besonders Ingwer und Kurkuma stehen dabei im Fokus.
Ingwer: Was steckt hinter der angeblichen Heilwirkung?
Ingwer stammt ursprünglich aus den tropischen Wäldern Südasiens und ist dort seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Küche – und der traditionellen Medizin.
Sein charakteristisches Aroma entsteht durch Substanzen wie Zingiberen, Linalool und Geraniol. Die typische Schärfe geht vor allem auf Gingerole zurück. Daneben enthält Ingwer weitere Verbindungen wie Shogaole oder Zingeron.
Ingwer gegen Übelkeit und Entzündungen?
Wissenschaftlich besonders interessant sind die Gingerole. Ihnen werden antioxidative, antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Auch mögliche Effekte gegen Müdigkeit oder sogar Krebs werden untersucht.
Ein umfangreiches Meta-Review mit über 100 wissenschaftlichen Arbeiten, durchgeführt von Forschern der Nationalen Universität Seoul, kommt zu dem Schluss:
- Ingwer kann Übelkeit und Erbrechen lindern.
- Er könnte die Magen-Darm-Funktion unterstützen.
- Entzündungsmarker und Schmerzen könnten reduziert werden.
- Möglicherweise gibt es positive Effekte auf Stoffwechselparameter und Marker für Darmkrebsrisiken.
Wo liegen die Probleme der Studien?
So vielversprechend diese Ergebnisse klingen, so groß sind die methodischen Schwächen vieler Untersuchungen:
- Stark unterschiedliche Dosierungen – von wenigen Milligramm bis zu mehreren Gramm.
- Sehr kleine Teilnehmergruppen, oft unter 20 Personen.
- Teilweise fehlende Kontrollgruppen.
Dadurch bleibt unklar, welche Menge tatsächlich notwendig ist und ob die Effekte eindeutig auf Ingwer zurückzuführen sind. Für belastbare Aussagen wären Studien mit mehreren tausend Teilnehmern notwendig.
Kurkuma: Mehr als nur gelbe Farbe?
Kurkuma, auch „Indischer Safran“ genannt, ist ebenfalls eine asiatische Wurzel, die weltweit an Popularität gewonnen hat. Sie wird frisch oder gemahlen verwendet und verleiht Speisen eine erdige, leicht scharfe Note.
Zu ihren Inhaltsstoffen zählen unter anderem Zingiberen, Turmeron und aromatisches Turmeron. Besonders im Fokus steht jedoch Curcumin.
Kurkuma und Herzgesundheit?
Kurkuma wird vor allem wegen möglicher kardiovaskulärer und neuroprotektiver Effekte untersucht. Studien deuten darauf hin, dass der Konsum mit Veränderungen im Blutfettprofil bei Menschen mit Stoffwechselerkrankungen verbunden sein könnte.
Diese Effekte werden sowohl der Kurkuma selbst als auch einzelnen Bestandteilen wie Turmeron zugeschrieben. Doch ähnlich wie beim Ingwer gilt:
Die wissenschaftliche Evidenz ist bislang begrenzt und oft methodisch nicht ausreichend robust.
Solltet ihr eure Gewürzsammlung erweitern?
Wenn ihr neue Rezepte ausprobieren und geschmacklich experimentieren wollt, lautet die Antwort ganz klar: ja. Gewürze bringen Vielfalt in eure Küche und machen Essen spannender.
Wenn ihr euch jedoch medizinische Wunder erhofft, ist Vorsicht geboten. In sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Versprechen über angeblich fast magische Wirkungen. Die aktuelle Forschung zeigt zwar interessante Ansätze, doch grundlegende Fragen bleiben offen:
- Welche Dosis ist sinnvoll?
- Wie lange müsste man die Gewürze konsumieren?
- Welche Nebenwirkungen können bei hohen Mengen auftreten?
Ernährungsstudien sind komplex und erfordern lange Beobachtungszeiträume mit vielen Teilnehmenden. Bis belastbare Daten vorliegen, solltet ihr Gesundheitsversprechen kritisch betrachten – und Gewürze vor allem als das genießen, was sie zweifellos sind: aromatische Bereicherungen eurer Küche.




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