Naturphänomen

In der Antarktis brodelt ein Vulkan, der täglich Gold spuckt

Donnerstag, 29. Oktober 2026 | 17:04 Uhr

Von: Matthias Knapp

Antarktis – Es klingt fast wie im Märchen: Der Mount Erebus ist ein aktiver Vulkan auf der Ross-Insel in der Antarktis, der nicht nur Rauch und Asche, sondern auch Goldstaub spuckt. Schätzungen zufolge wiegt die tägliche Ration mit rund 80 Gramm zwar weniger als eine gewöhnliche Tafel Schokolade, aber die Goldpartikel wurden in Luftproben immerhin aus bis zu 1.000 Kilometern Entfernung nachgewiesen.

Egal, ob man nun an den Goldesel oder an einen Schätze bewachenden Drachen denkt – der 3.794 Meter hohe Berg hat bereits den britischen Seefahrer James Clark Ross im Jahr 1841 beeindruckt. Das auffälligste Merkmal ist aber nicht allein das Feuer unter dem Eis. Die helle Gasfahne des Vulkans trägt Stoffe mit sich, die sich erst unter dem Mikroskop erkennen lassen.

Dazu zählt auch Gold. Während nach dem Edelmetall an anderen Orten mühsam geschürft wird, spuckt es dieser Vulkan mit seinem dunklen Gestein ganz verschwenderisch durch die Luft, obwohl er sich abseits von Bergwerken, Städten und Straßen befindet. Doch wie kommt es zu dem Phänomen?

Im Hauptkrater des Vulkans, der etwa eine Fläche von 500 mal 600 Metern misst, befindet sich ein kleinerer Krater, der einen Lavasee in sich birgt, wo heißes Gestein ständig aufsteigt und abkühlt.

Der See, der seit 1972 dokumentiert ist, macht den Berg zu etwas Besonderem, denn bei vielen Vulkanen liegt das geschmolzene Gestein unter Felsen verborgen. Die Rauchwolke ist deshalb auch kein Warnsignal für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch, zumal ein dauerhaft aktiver Vulkan über lange Zeit Gase und anderes Material freisetzen kann.

Dass das Gasgemisch auch feste Goldkristalle transportiert, wurde allerdings erst 1991 beschrieben. Der Vulkan spuckt keinen sichtbaren Goldregen, deshalb bleibt das Edelmetall ohne technische Hilfsmittel unsichtbar.

Der Nachweis, der in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, stammt von Kimberly Meeker und ihren Kollegen. Sie untersuchten die Gase sowie Material aus der Umgebung und sie analysierten Luftproben.

Im heißen Magma, also im geschmolzenen Gestein im Vulkan, stecken viele chemische Elemente in sehr kleinen Mengen, die von Gasen aufgenommen werden können. Sinken die Temperaturen außerhalb des Vulkans, entstehen daraus feste Teilchen – ähnlich wie beim Wasserdampf, der an einer kalten Fensterscheibe zu Tropfen wird. In diesem Fall handelt es sich jedoch um andere Stoffe und um wesentlich höhere Temperaturen.

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