Von: idr
Bei Menschen ist es längst ein Trend: Etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung verzichten vollständig auf tierische Produkte. Wer auf das Tierwohl achtet, fragt sich möglicherweise an einem Punkt: „Kann ich meinen Hund eigentlich auch fleischlos ernähren?“ Auch wenn Hunde vom Wolf abstammen und der bekanntlich kein Freund von Tofu ist, hat sich das Verdauungssystem moderner Hunderassen ebenfalls verändert. Sie können sehr wohl vegan ernährt werden – und das kann durchaus Vorteile haben.
Tatsächlich können Hunde pflanzliche Kost verwerten – besser als Katzen, die strikte Fleischfresser sind. Sie brauchen allerdings eine durchdachte Zusammenstellung der Nährstoffe. Kritisch wird es vor allem bei Proteinen, Vitamin B12, Eisen, Kalzium und bestimmten Aminosäuren wie Taurin oder L-Carnitin. Diese kommen in ausreichender Menge hauptsächlich in tierischen Produkten vor und müssten aufwendig ersetzt werden. Kompliziert, aber nicht unmöglich.
Studie zeigt: Wirksam, aber kompliziert
Eine Studie der University of Winchester aus dem Jahr 2022 sorgte für Aufsehen: Demnach waren Hunde, die mit einer ausgewogenen veganen Diät gefüttert wurden, laut Halterangaben sogar gesünder als jene, die konventionelles Futter bekamen. So berichteten Hundebesitzer, seltener Haut- oder Magenprobleme bei ihren Vierbeinern festgestellt zu haben. Zudem waren Tierarztbesuche und Medikamentengaben bei diesen Hunden signifikant seltener.
Die Forscher vermuten, dass unter anderem die bessere Verträglichkeit pflanzlicher Proteine, der Verzicht auf potenziell allergene tierische Bestandteile sowie ein insgesamt bewussterer Lebensstil durch ihre Halter zur positiven Bilanz beigetragen haben könnten. Sie betonen jedoch, dass die Versuche unter unnatürlichen Bedingungen mit extrem hohen Qualitätsstandards stattgefunden haben und Experimente am eigenen Tier niemals auf eigene Faust stattfinden sollten.
Wenn vegan, dann niemals im Alleingang
Die Deutsche Gesellschaft für Tierernährung (DGfE) und viele Tierärzte zeigen sich ebenfalls skeptisch. Sie verweisen auf das Risiko von Mangelerscheinungen, besonders bei selbst zusammengestellten Rationen. Dr. Andrew Knight, der die Studie zur veganen Ernährung bei Hunden durchgeführt hat, verweist ebenfalls auf sorgfältige Planung, am besten durch industriell hergestelltes Alleinfutter und tierärztliche Begleitung.
Auch wenn es also möglich ist, seinen Hund vegan zu ernähren, braucht es mehr als guten Willen – nämlich Expertise, Kontrolle und manchmal auch Kompromissbereitschaft. Denn am Ende zählt nicht das Futterkonzept, sondern das Wohlergehen des Tieres. Und das beginnt mit einem Napf voller Nährstoffe – ob mit oder ohne Fleisch.
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