Vermischtes

“Was online passiert, bleibt nicht online”

Montag, 15. Juni 2026 | 16:40 Uhr

Von: stnews

Bozen – Würde ich diesen Satz aussprechen, wenn mein Gegenüber tatsächlich vor mir stehen würde? Mit dieser Frage könnten vielen beleidigende, aggressive und bösartige Kommentare im Netz verhindert werden, denn der Schutz, den Bildschirm, PC oder Avatar vermitteln, ist nicht wirklich vorhanden. Für jeden Kommentar steht der Urheber oder die Urheberin selbst gerade, wie die neu aufgelegte Kampagne “Digital ist real” eindrucksvoll vermittelt. Am 15. Juni wurde sie im Pressesaal des Palais Widmann vorgestellt.

LPA/Agentur für Presse und Kommunikation

“Was online passiert, bleibt nicht online. Worte können verletzen, ausgrenzen und Menschen zum Schweigen bringen. Deshalb setzen wir als Land Südtirol gemeinsam mit zahlreichen Netzwerkpartnern mit der Kampagne ‘Digital ist real’ ein Zeichen für Respekt und Verantwortung im digitalen Raum. Gerade rund um den Internationalen Tag gegen Hassrede am 18. Juni wollen wir deutlich machen: Hassrede darf nicht normal werden. Denn digital ist real”, betonte die Landesrätin für den sozialen Zusammenhalt, Rosmarie Pamer.

Lisa Bringhenti von der Agentur für Presse und Kommunikation, die die Kampagne betreut, blickte dann auf die Beweggründe für die Neuauflage: “Ausgangspunkt für die Initiative war 2022 ein Beschlussantrag im Südtiroler Landtag. Gemeinsam mit Lukas Schwienbacher vom Forum Prävention haben wir die Kampagne ‘Digital ist real’ ausgearbeitet. Anlässlich des Internationalen Tags gegen die Hassrede und aufgrund der weiterhin großen Aktualität haben wir das Projekt nun neu lanciert.” Dem Land Südtirol sei es ein Anliegen, ein konkretes Angebot für Menschen zu schaffen, die für ein respektvolles Miteinander einstehen und im Rahmen der Kampagne Informationen und Materialien finden, um Botschafter oder Botschafterin zu werden. Betroffene hingegen sollen Informationen über Anlaufstellen in Südtirol erhalten.

Konkret geht es in den Botschaften, die im öffentlichen Raum, in den Medien und auf den sozialen Netzwerken verbreitet werden, darum, ein gemeinsames Bewusstsein dafür zu schaffen, welche konkreten Auswirkungen Worte, Beleidigungen und aggressive Verhaltensweisen im digitalen Raum auf das Leben anderer Menschen und auf das gesellschaftliche Klima haben können. Auch dieses Mal wird die Kampagne von einem breiten Partnernetzwerk mitgetragen. Die leichte Anpassung und Ergänzung um den Slogan “Dein Kommentar. Dein Gesicht” soll die Verantwortung deutlich machen, die jeder und jede Einzelne für seine Kommentare im Netz trägt.

Judith Gögele, die Präsidentin des Landesbeirats für Kommunikationswesen, ging anschließend noch einmal darauf ein, welch starken Einfluss die digitale Kommunikation auf das Zusammenleben habe. “Internet und soziale Medien sind keine Parallelwelten mehr, sie sind Teil unseres Alltags. Was dort gesagt wird, bleibt nicht dort – es wirkt in die Realität hinein.” Genau deshalb sei die Botschaft der Kampagne “Digital ist real” so kraftvoll: “Jeder Kommentar hat ein Gegenüber”, betonte Gögele. Es sei Aufgabe des Kommunikationsbeirats, eine Kultur der respektvollen Kommunikation zu fördern.

Über aktuelle Daten für Südtirol klärte Bruno Mazzurana von der Postpolizei auf: “Es ist wichtig alle Fälle von Hass-Kommentaren anzuzeigen, denn nur so können wir die Urheber und Urheberinnen ausfindig machen.” Häufig ziehen beleidigende Kommentare im Netz eine Gruppe von Trittbrettfahrern mit sich.

“Hass ist keine Meinung”, hob auch Landeshauptmann Arno Kompatscher hervor, denn Hass führe letztendlich nur dazu, dass sich Menschen zurückziehen und gar nicht mehr kommentieren würden. “Diese Kampagne richtet sich nicht gegen das Internet, sondern für ein Internet als Ort der Demokratie, in dem alle Meinungen Platz haben.”

Weitere Informationen, Bildmaterial und Kontakte für Personen, die Opfer von Hass im Netz geworden sind, gibt es unter: https://www.digitalistreal.it/

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