WIFO-Wirtschaftsbarometer Herbst 2022

2023: Große Ungewissheit in Südtirols Bauwirtschaft

Montag, 12. Dezember 2022 | 09:48 Uhr

Bozen – Nach einem insgesamt positiven Jahr 2022 blickt die Südtiroler Bauwirtschaft mit Sorge auf die kommenden Monate. Die steigenden Zinsen, die geringeren öffentlichen Investitionen und die Entscheidung der Regierung, den Steueranreiz „Superbonus“ zu reduzieren, werden die Nachfrage bremsen. Die Unternehmen erwarten eine Abnahme der Umsätze und der Rentabilität und rechnen mit einem Rückgang der Investitionen. Dies geht aus der Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hervor.

Dank der Erholung des Immobilienmarktes in den letzten Jahren und der erheblichen steuerlichen Anreize konnte die Südtiroler Bauwirtschaft bis zum Herbst ein hohes Aktivitätsniveau halten. Mehr als vier von fünf Unternehmen sind daher zuversichtlich, das Geschäftsjahr 2022 mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis abzuschließen. Allerdings gab es in den letzten Monaten auch in diesem Sektor mehrere Anzeichen für eine Abschwächung der Konjunktur: Die Unternehmen berichten von einem starken Anstieg der Materialpreise und einer Reduzierung der Aufträge, sowohl von Privaten als auch von der öffentlichen Verwaltung. In der ersten Jahreshälfte 2022 wurden mehr als ein Drittel weniger Baugenehmigungen ausgestellt als im gleichen Zeitraum 2021. Auch bei der Beschäftigung gab es nach sieben aufeinanderfolgenden positiven Jahren einen Rückschlag. Zwischen Jänner und Oktober war die Zahl der unselbständig Beschäftigten im Baugewerbe im Durchschnitt um 1,7 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Die Unternehmen gehen davon aus, dass die Umsätze in den kommenden Monaten zurückgehen werden, aufgrund der hohen Inflation, der steigenden Zinssätze und der von der Regierung angekündigten Reduzierung des Superbonus-Steueranreizes. Sie rechnen auch mit einem weiteren Kostenanstieg, schlechteren Bedingungen für den Zugang zu Krediten und einer Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kunden. Ein Drittel der Unternehmer/innen kann noch nicht abschätzen, wie sich diese Faktoren auf die Ertragslage im kommenden Jahr auswirken werden. Von denjenigen, die eine Prognose abgeben, erwarten 27 Prozent ein unbefriedigendes Betriebsergebnis. Die hohe Ungewissheit wirkt sich auch negativ auf die Erwartungen der Unternehmen in Bezug auf Investitionen und Beschäftigung aus.

Betrachtet man die einzelnen Branchen, so ist das Geschäftsklima im Tiefbau besonders verhalten. In dieser Sparte werden eine Verschlechterung der Ertragslage und ein Rückgang der Investitionen erwartet. Die Hochbaubranche zeigt sich besorgt über die Entwicklung der Umsätze und der Immobilienverkaufspreise. Im Baunebengewerbe befürchten viele Unternehmerinnen und Unternehmer eine Verschärfung des Wettbewerbsumfeldes, vor allem aufgrund der steigenden Materialkosten.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, erklärt: „Es muss weiter in die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude investiert werden. Dadurch werden nicht nur die Energiekosten gesenkt, sondern auch die Nachfrage im Baugewerbe gesteigert. Dies stellt eine wichtige Unterstützung sowohl für die Unternehmen als auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Michael Auer, Präsident des Baukollegiums

„Steigende Preise, sinkende Investitionen der Familien, teure Kredite: Bauunternehmen stehen stark unter Druck und Arbeitsplätze sind in Gefahr. Mehr denn je ist es notwendig, dass das Land jetzt antizyklisch investiert. Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, ist zudem eine Brückenfinanzierung des Landes für die den Unternehmen zustehenden Kompensationszahlungen für öffentliche Bauaufträge notwendig.“

Markus Bernard, Obmann der Baugruppe im lvh

„Unsere Branche hat nach wie vor mit den vom WIFO genannten Herausforderungen zu kämpfen. Umso wichtiger ist es, dass gerade die öffentliche Hand nicht auf die Investitionsbremse drückt, sondern Aufträge ankurbelt und auch Investitionsanreize für Private schafft. Aufgabe der Gemeinden ist es, Baukonzessionen schneller auszustellen und lokale Firmen in die Ausschreibungen zu involvieren.“

Rodolfo Gabrieli, Präsident CNA-SHV Bauwesen

„Auch Südtirols kleine und mittlere Unternehmen sind aufgrund der Ungewissheit besorgt. Das Ausbleiben von Maßnahmen zur Freigabe des Verkaufs der Ökobonus-Steuerabsetzbeträge und die wachsenden Liquiditätsprobleme bringen den Sektor in große Schwierigkeiten. Andererseits kann sich die derzeitige Energiekrise als Chance erweisen, den Sanierungen bestehender Gebäude einen neuen Impuls zu geben.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "2023: Große Ungewissheit in Südtirols Bauwirtschaft"


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anonymous
anonymous
Kinig
1 Monat 23 Tage

Die Bauwirtschaft muss Mal gebremst werden

genau
genau
Kinig
1 Monat 23 Tage

Wieso?
Hast du schon mal diese ganzen hässlichen Hütten aus den 60er Jahren gesehen?
Dieser Dreck muss so schnell wie möglich weg!🤮

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 23 Tage

genau…die Betonklötze sind schöner gell du Traditionbanause.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 23 Tage

…dafür funktionieren die Weihnachts-Lunaparks hervorragend und bringen Reichtum für alle im Lande…
🎅🤭

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 23 Tage

Doolin
Die Tourismusbranche kimmp seit Frühjohr gor nimmr zum lärmen dozue! Gewaltigen Stress!

diskret
diskret
Superredner
1 Monat 23 Tage

Das würde mal nicht schaden , alles wird übertrieben zubetoniert , junge Menschen verschulden sich für das ganze Leben für eine Wohnung
Diese Grossmacherei grosse Hallen Bauen von sen Baufirmen später stehen sie eh leer

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Olm lei jammern und in Hols net voll kriegn. Hosch huire a Baufirma oder an Hondwerker gebraucht hosch kuan gekriag oder Munate gwortn. Und n am Ronde die Baufirmen hobn jo zin Tol kuane guatn Fochkräfte mehr und lei mit die Hondlonger ischs net getun.

Tina1
Tina1
Superredner
1 Monat 23 Tage

mareher…achwas, sell konnsch net sogn 😉

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Tina@ selbn hon i olls folsche Adressn bezw. Telefonnumern kop oder hon mit die Wände gret

sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
1 Monat 23 Tage

Zeit wieder auf den Boden der Realität anzukommen, alles künstlich aufgeblasen.

alpenfranz
alpenfranz
Superredner
1 Monat 23 Tage

Besser wäre es gewesen den Bonus auf 10 Jahre aufzuteilen, also pro Jahr nur ein bestimmtes Kontingent. Dann könnten die Handwerker langfristig planen, die Preise wären zumindest nicht in dem Maße explodiert und man würde überhaupt einen Handwerker bekommen, was momentan fast unmöglich ist.

OrB
OrB
Kinig
1 Monat 23 Tage

Es kann nicht immer mehr werden,aus der Traum vom ewigen Wirtschaftswachstum.
Südtirol muss zurück zur Realität,wohnen muss wieder leistbar werden.

PPP
PPP
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

das neue Urbanistikgesetz hat ganz besonders dazu beigetragen, dass die Baukonzessionen zurückgegangen sind. Es lässt fast keine Baumaßnahmen mehr zu. unendliche Bürokratie und Hindernisse überall. wenn sich das nicht bessert, kommt es zum Stillstand

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