Von: Sophia Molitor
Lüsen – Leerstehende Gebäude verlieren oft an Wert, während gleichzeitig Wohnraum und Platz für Betriebe fehlen. Wie sich das ändern lässt, erfuhren Eigentümerinnen und Eigentümer am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Lüsen. Auf Einladung von Bürgermeisterin Carmen Plaseller und Leerstandsmanagerin Evelyn Hinteregger ging es um die Folgen des Leerstands und konkrete Lösungen. Die Plattform Land begleitet das zweijährige Vorhaben der Gemeinde.
Wenn Gebäude lange ungenutzt bleiben, können Feuchtigkeit, Schäden und Verfall die Folge sein. Sanierungen werden zunehmend aufwendiger und teurer, notwendige Investitionen oft an die nächste Generation weitergereicht. Auch das Dorf spürt die Auswirkungen: Wohnungen fehlen, Geschäfte bleiben geschlossen, Treffpunkte verschwinden. Während der Ortskern an Leben verliert, wird andernorts neu gebaut und zusätzliche Fläche verbraucht.
Lüsen will dem entgegenwirken. Als eine der ersten Gemeinden Südtirols setzt Lüsen auf aktives Leerstandsmanagement mit einer eigenen Leerstandsmanagerin. Laut Erhebung für das Gemeindeentwicklungsprogramm stehen 62 Gebäude teilweise oder vollständig leer, davon sind rund 50 Wohnungen. „Das hat uns zu denken gegeben und dazu animiert, aktiv etwas gegen diesen Trend zu unternehmen“, sagt Leerstandsmanagerin Evelyn Hinteregger.
Ansprechen, beraten, vermitteln
Hinteregger ist die zentrale Ansprechperson für Menschen mit leerstehenden Immobilien ebenso wie für jene, die Wohn-, Geschäfts- oder andere Räume suchen. Sie informiert über Nutzungsmöglichkeiten, vermittelt Fachberatungen und hilft, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Anders als bei einer reinen Leerstandserhebung geht es darum, Eigentümerinnen und Eigentümer aktiv und individuell bei möglichen nächsten Schritten zu begleiten.
Die Plattform Land unterstützt die Gemeinde über zwei Jahre: mit Information und Sensibilisierung, Schulung und Vernetzung der Leerstandsmanagerin, dem Aufbau einer örtlichen Sanierungsberatung sowie weiteren Veranstaltungen und neuen Nutzungsformen. Dazu zählt die Zwischennutzung, bei der leerstehende Räume vorübergehend für soziale, kulturelle oder wirtschaftliche Zwecke geöffnet werden. So lassen sich Ideen erproben und dauerhafte Nutzungen anstoßen.
Beratung macht Sanierung greifbar
Bei der Veranstaltung wurden auch die Angebote der Initiative „Südtirol saniert – gut beraten bauen und sanieren“ vorgestellt. Energie- und Sanierungsberatungen geben eine kostengünstige Orientierung zu Zustand, Möglichkeiten, Aufwand und Kosten einer Sanierung. Architekt Alexander Karnutsch betonte, dass vor jeder Entscheidung die persönlichen Ziele geklärt werden sollten: „Wir wollen Eigentümerinnen und Eigentümer dort abholen, wo sie stehen. Gemeinsam klären wir, wie sie ihr Gebäude künftig nutzen möchten, was möglich ist und was sie dafür investieren können und wollen. So finden wir einen Weg, der zu ihren Bedürfnissen passt.“
Alexander Nitz von der Brixner Bürgerinnengenossenschaft bcoop stellte das Projekt hab*itable vor. Es vermittelt leerstehende Wohnungen an Menschen, die auf dem regulären Mietmarkt schwer Wohnraum finden. Persönliche Begleitung und ein Garantiefonds für Zahlungsausfälle geben Vermietenden zusätzliche Sicherheit. Das Angebot gilt im gesamten Eisacktal und steht auch Lüsen offen. Dass leistbarer Wohnraum ein drängendes Thema ist, zeigte die Diskussion mit den Anwesenden.
Ein Gewinn für das ganze Dorf
Wer bestehende Gebäude nutzt, erhält Immobilienwerte, vermeidet Folgekosten und schafft gegebenenfalls Einnahmen. Raumsuchende finden Wohnungen oder Platz für ihre Vorhaben. Die Gemeinde gewinnt lebendige Ortskerne, Treffpunkte und Raum für Wirtschaft und Gemeinschaft, ohne dafür neue Flächen verbrauchen zu müssen. Lüsen möchte zeigen, wie aus leerstehenden Gebäuden wieder Wohn-, Lebens- und Wirtschaftsraum werden kann.




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