Die AUA erwartet einen starken Europa-Reiseverkehr im Sommer

AUA-Chefin schließt Kurzarbeit nach dem Sommer nicht aus

Mittwoch, 06. Mai 2026 | 12:01 Uhr

Von: apa

Die Austrian Airlines (AUA) hat im ersten Quartal trotz einer höheren Auslastung einen Verlust von über 100 Mio. Euro verzeichnet. Für den Sommer rechnet AUA-Chefin Anette Mann ungeachtet der hohen Kerosinpreise mit starker Nachfrage. Wie es nach dem Sommer weitergeht, hänge davon ab, wie sich die Nahost-Krise entwickelt. Mann schließt weitere Sparmaßnahmen für den Herbst nicht aus. Auch Kurzarbeit sei eine Option, die geprüft werde, sagte Mann am Mittwoch zur APA.

“Wir bereiten uns auf alles vor”, so Mann, für einen Entscheidungszeitpunkt sei es aber viel zu früh, und “wir würden immer versuchen, es mit temporären Lösungen zu machen, weil das ist eine Supermannschaft, die wir hier haben und die hätte ich auch gerne weiter an Bord”.

Der Iran-Krieg sei keine Krise wie die Coronapandemie, wo die Gefahr bestehe, dass das Geld ausgehe. Es werde auch eine Zeit nach der Krise geben, “das heißt, wir streichen aktuell keinerlei Zukunftsprojekte”. Die Erneuerung der Flotte gehe ganz normal weiter, betonte Mann. Es würden auch weiter Piloten, Flugbegleiter und Techniker rekrutiert. Per Ende März hatte die AUA rund 6.150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Kerosinrechnung der AUA heuer um dreistelligen Millionenbetrag höher

Die Lufthansa-Tochter rechnet damit, dass die Kerosinrechnung heuer um einen dreistelligen Millionenbetrag höher ausfällt als geplant. Im gesamten Lufthansa-Konzern sind es 1,7 Mrd. Euro an Mehrkosten. Die Fluglinien reagieren darauf mit höheren Ticketpreisen, auch die AUA hat die Preise angehoben. Die Kundinnen und Kunden seien auch bereit, die höheren Preise zu akzeptieren, würden aber viel kurzfristiger buchen.

Als Grund für die Unsicherheit ortet Mann auch die vielen Meldungen über einen drohenden Kerosinengpass. Hier versucht die Airlinechefin zu beruhigen. “Den Eindruck, in sechs Wochen gibt es in Europa kein Kerosin mehr, halte ich für absolut überzogen.” Der Flughafen Wien sei mit der nahen OMV-Raffinerie in Schwechat gut aufgestellt, zudem gebe es Back-up-Pläne, so Mann. “Also wenn es in Wien knapp wird, ist es vorher woanders knapp.” Die EU sollte aber grundsätzlich dafür sorgen, dass die Raffineriekapazitäten in Europa nicht weiter schrumpfen.

AUA-Chefin: Vielen ist Umsteigen in den Golfstaaten zu unsicher

Die AUA-Flieger nach Asien sind nach den Luftraumsperren in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Katar nach wie vor gut ausgelastet. Die Rückkehr der Golf-Airlines zu einem regulären Flugbetrieb sei im Markt noch nicht angekommen. “Wir sehen bei uns nach wie vor eine massive Nachfrage, weil vielen das Umsteigen dort einfach zu unsicher ist”, so Mann.

Die AUA fliegt seit der Eskalation im Nahen Osten mehrere Ziele nicht mehr an. Bei Tel Aviv in Israel stehe möglicherweise eine Wiederaufnahme im Juni im Raum, aber immer abhängig von der Sicherheitslage, so Mann. Die Destination ist für die AUA wegen des Umsteigeverkehrs nach Nordamerika besonders wichtig.

Ergebnis mit 112 Mio. Euro Quartalsverlust “hinter der Jahresplanung”

“Neben viel Eis und Schnee zum Jahresanfang haben vor allem die Auswirkungen des Iran-Krieges unser erstes Quartal geprägt”, kommentierte die AUA-Chefin die Quartalszahlen. Durch die Streichung von zahlreichen Nahost-Verbindungen und “deutlich gestiegenen” Kosten sei das “Ergebnis hinter der Jahresplanung”.

Viele Airlines schreiben im Winter Verluste, die sie im Lauf des Jahres aber wieder aufholen. Im ersten Quartal 2026 betrug das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Adjusted EBIT) der AUA minus 112 Mio. Euro, nach minus 111 Mio. Euro im Vorjahresquartal, teilte die Lufthansa-Tochter am Mittwoch mit. Die Gesamterlöse stiegen um 4 Prozent auf 495 Mio. Euro.

Die Airline verwies auf die Auswirkungen des Iran-Krieges auf Streckennetz und Kerosinkosten. Verbindungen nach Tel Aviv, Amman, Erbil, Teheran und Dubai hat die AUA seit Beginn der Nahost-Krise Ende Februar bis heute ausgesetzt.

Freigewordene Kapazitäten durch die temporäre Aussetzung der Verbindungen in den Nahen und Mittleren Osten in den Sommermonaten will die AUA für stark nachgefragte Destinationen in Europa einsetzen, unter anderem nach Palma de Mallorca, Dubrovnik, Barcelona, Nizza und Málaga. Insgesamt bietet Austrian Airlines rund 800 zusätzliche Flüge im Sommer an.

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