Debatte um Neubesetzung der Direktionsstelle des Touriseums

“Auch wir sind in Sorge”

Donnerstag, 23. Juli 2026 | 10:43 Uhr

Von: mk

Bozen/Meran – Der Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen ist besorgt über die jüngsten Vorkommnisse rund um die die Neubesetzung der Direktionsstelle des Touriseums in Meran. Die wiederholte Infragestellung weiblicher Kompetenz in Führungsfragen sei kein neutraler Vorgang, sondern ein bekanntes Muster geschlechterbezogener Bewertung, das über den konkreten Einzelfall hinausweise, erklären Beiratspräsidentin Ulrike Oberhammer und ihre Stellvertreterin Nadia Mazzardis.

„Während Personalentscheidungen bei Männern häufig als sachliche Weiterentwicklung oder normale Neubesetzung eingeordnet werden, geraten Frauen in vergleichbaren Situationen deutlich schneller unter zusätzlichen Rechtfertigungsdruck“, so Oberhammer und Mazzardis.

Auffällig sei dabei weniger die inhaltliche Kritik als die Art und Weise, wie sie vorgebracht werde. „Bei Frauen wird Kompetenz oft nicht vorausgesetzt, sondern besonders markiert, hinterfragt oder problematisiert. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der eigentlichen Führungsfrage hin zu einer geschlechterbezogenen Bewertung, die bei Männern in dieser Form weit seltener zu beobachten ist“, erklärt der Beirat.

Genau hierin liege das medienpolitisch Relevante: Wenn weibliche Führungspersonen systematisch stärker auf ihre Eignung, ihre Wirkung oder ihre vermeintlichen Defizite reduziert werden, entstehe kein fairer öffentlicher Diskurs, sondern ein asymmetrischer Bewertungsrahmen. Ein solcher Rahmen präge Wahrnehmung, verstärke Vorurteile und erschwere eine sachliche Auseinandersetzung mit Qualifikation und Leistung.

„Es wäre daher wünschenswert, bei der Bewertung von Führungswechseln dieselben Maßstäbe anzulegen – unabhängig vom Geschlecht der betreffenden Person. Erst dann kann die öffentliche Debatte ihrem Anspruch auf Ausgewogenheit und Professionalität gerecht werden“, so Oberhammer und Mazzardis.

Das Land Südtirol hat erst kürzlich 220 Amtsdirektorinnen und -direktoren bestätigt. Weitere Besetzungen der offenen Führungsposition werden in Kürze folgen. „Während bei Männern Führungswechsel oder Neubesetzungen häufig als fachliche oder strategische Entscheidung diskutiert werden, verschiebt sich der Fokus bei Frauen auffallend oft auf ihre angebliche Eignung, Belastbarkeit oder ‚Kompetenz‘ — selbst dann, wenn objektive Qualifikationskriterien nicht anders behandelt werden, erklären Oberhammer und Mazzardis.

Die neue Direktorin des Turiseums, Helen Seehauser, habe das Auswahlverfahren positiv bestanden und sei somit bereits einer fachlichen Eignung für die ausgeschriebene Stelle unterzogen worden. „Jeder Wechsel bringt mit sich, dass es eine notwendige Einarbeitungszeit braucht. Diese sollte ihr auch zuerkannt werden. Auch Politikern wird eine entsprechende Einarbeitungszeit gewährt, bevor sie an Taten gemessen werden. Es stellt sich somit die Frage, ob es bei der von Hans Heiss und Paul Rösch geäußerten Kritik tatsächlich um Frau Seehauser persönlich oder um eine allgemeine Kritik an Frauen in Führungspositionen geht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt”, erklären Oberhammer und Mazzardis abschließend.

Bezirk: Burggrafenamt

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