Chinesische Binnennachfrage weiterhin schwach

Chinas Wirtschaft mit schwächstem Wachstum seit drei Jahren

Montag, 19. Januar 2026 | 10:07 Uhr

Von: APA/dpa

Der chinesischen Wirtschaft ist am Jahresende 2025 angesichts der schwachen Binnennachfrage und hoher US-Zölle etwas die Luft ausgegangen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Oktober bis Dezember um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Das ist der schwächste Wert seit drei Jahren. 2025 reichte es damit zu einem Plus von fünf Prozent, womit das offizielle Regierungsziel erreicht wurde.

Angetrieben wurde das Wachstum vor allem durch einen Rekordanteil am Welthandel, der die schwache Nachfrage im eigenen Land ausglich. Das dürfte in diesem Tempo nicht weitergehen: Ökonomen prognostizieren einer Reuters-Umfrage zufolge für das laufende Jahr ein Wachstum von nur noch 4,5 Prozent.

Unausgewogene Entwicklung

Die Daten unterstreichen eine zunehmende Spaltung der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt: Während die Industrieproduktion im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent zulegte, stiegen die Einzelhandelsumsätze um vergleichsweise schwache 3,7 Prozent. Seit Beginn der Krise am heimischen Immobilienmarkt 2021 hat die Führung in Peking gezielt Ressourcen in die Industrie gelenkt, um ihre ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen. Dies führte zu erheblichen Überkapazitäten in der Produktion und zwang die Unternehmen, im Ausland nach Abnehmern zu suchen.

Dadurch stieg der Handelsüberschuss des Landes im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 1,2 Billionen Dollar (1,03 Billionen Euro). Dies sind 20 Prozent mehr als 2024 und entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung von Saudi-Arabien. Die Strategie half zudem, die Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump verhängten hohen Zölle abzufedern. Während die Lieferungen in die Vereinigten Staaten um ein Fünftel einbrachen, eroberten chinesische Hersteller neue Märkte. “Bei uns läuft es in Europa und Lateinamerika gut, diesen Markt brauchen wir nicht”, sagte dazu Dave Fong, Miteigentümer von drei Fabriken in Südchina, mit Blick auf die USA.

Binnenmarkt schwächelt

Im Inland macht sich allerdings eine zunehmende Schwäche breit. Die Investitionen in Immobilien brachen 2025 um 17,2 Prozent ein. Die Anlageinvestitionen sanken um 3,8 Prozent und verzeichneten damit den ersten Jahresrückgang seit Beginn der Aufzeichnungen 1996. Scott Yang, der eine Fabrik für Rohrventile für Immobilien- und Infrastrukturprojekte besitzt, spürt die Belastungen direkt. “Wenn es der Immobilienbranche schlecht geht, sind die Auswirkungen auf unsere gesamte Industrie sehr groß”, sagte er. Viele Unternehmen sehen angesichts der Überkapazitäten und der Sparneigung der privaten Haushalte kaum einen Grund für Expansionen. Die privaten Investitionen fielen um 6,4 Prozent.

“Trotz erheblicher Konjunkturbaustellen ist das offizielle Wachstumsziel wieder einmal erreicht”, sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. “Rückläufige Investitionen und Immobilienpreise sowie eine miese Konsumstimmung aber sprechen eine andere Sprache.” Dem Exportboom dürfte dieses Jahr die Luft ausgehen. Wegen der US-Zollmauer überschwemmten chinesische Produkte Märkte in Asien, Lateinamerika und Europa. In vielen Ländern rege sich Widerstand gegen Dumpingpreise und Wettbewerbsverzerrungen.

Export-Wachstum ein Auslaufmodell für China?

Analysten warnen, dass das exportgetriebene Wachstumsmodell auf Dauer kaum tragfähig ist. “Es ist schwer vorstellbar, wie der Handelsüberschuss in diesem Tempo weiter wachsen kann”, sagte Ökonom Christopher Beddor vom Analysehaus Gavekal Dragonomics. Die Regierung in Peking steht unter Druck, die Binnennachfrage anzukurbeln. Vergangene Woche kündigte die Zentralbank ein neues Kreditprogramm im Umfang von einer Billion Yuan (123,7 Mrd. Euro) für Privatunternehmen an. Experten zufolge mangelt es jedoch nicht an Krediten, sondern an Nachfrage. Bisherige Maßnahmen wie Subventionen für Konsumgüter oder leichte Erhöhungen von Renten gelten als unzureichend. “Wenn die Politik nicht entschlossener auf die Haushalte und den Konsum umschwenkt, dürfte das Wachstum 2026 im niedrigen bis mittleren Vier-Prozent-Bereich liegen”, sagte die Anlagestrategin beim Finanzhaus Saxo in Singapur, Charu Chanana.

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