Langgehegter Wunsch

Eigenverwaltungen haben eigenen Landesverband

Dienstag, 25. August 2020 | 17:43 Uhr

Bozen – Es war ein langgehegter Wunsch, der nun endlich in Erfüllung gegangen ist. Die Südtiroler Eigenverwaltungen haben sich zu einem eigenen Landesverband zusammengeschlossen, der die Tätigkeiten der Eigenverwaltungen koordiniert und ihre Interessen vertritt. Erster Obmann ist Oswald Angerer.

116 gewählte Eigenverwaltungen bürgerlicher Nutzungsrechte, besser als Fraktionsverwaltungen bekannt, gibt es in Südtirol. In weiteren 70 Ortschaften werden die bürgerlichen Nutzungsrechte von den jeweiligen Gemeinden verwaltet. Diese Rechte geben allen Bürgerinnen und Bürgern eines Ortes, sofern sie seit mindestens vier Jahren dort ansässig sind, das Recht, mit ihrem Vieh Almen zu beweiden oder Holz aus den Gemeinschaftswäldern zu entnehmen. Etwa 25 Prozent der Wälder und zehn Prozent der Almen Südtirols sind mit solchen Gemeinnutzungsrechten versehen. Die Möglichkeit der Nutzung von natürlichen Ressourcen bringt für gar einige Eigenverwaltungen Zusatzeinnahmen, die es ihnen ermöglicht, Vereine und Verbände im Ortsgebiet finanziell zu unterstützen.

Trotz ihrer großen Bedeutung sind die Eigenverwaltungen der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Auch haben sie ihre Interessen bis jetzt allein vertreten. Einen Austausch zwischen den Eigenverwaltungen gab es bisher lediglich im Arbeitskreis „Bürgerliche Nutzungsrechte“ im Südtiroler Bauernbund, der sich auch um Vereinfachungsvorschläge, Weiterbildung und um die Weiterleitung wichtiger Informationen kümmerte.

Auf der Gründungsversammlung gestern (Montag) Abend haben die Eigenverwaltungen von Laas, Mals, Prad, Schleis, Latsch, St. Johann, Wahlen, Weißenbach, St. Peter, Niederdorf und Naturns mit Unterstützung des Südtiroler Bauernbundes den „Landesverband der Eigenverwaltungen bürgerlicher Nutzungsgüter Südtirols“ als Genossenschaft aus der Taufe gehoben. Alle weiteren Eigenverwaltungen sowie Gemeinden, die Nutzungsrechte verwalten, können demnächst Mitglied des neuen Landesverbandes werden.

Ziel des Verbandes ist, die Tätigkeiten der Fraktionsverwaltungen zu koordinieren und die Zusammenarbeit zu stärken, als Ansprechpartner für rechtliche und verwaltungstechnische Fragen zur Verfügung zu stehen, die Interessen zu bündeln und ihnen mehr Gewicht zu verleihen. Zudem sollen die Eigenverwaltungen mehr Sichtbarkeit erhalten sowie die Bedeutung und Vorteile dieser Gemeinnutzungsrechte besser kommuniziert werden. Demnächst sollen die Eigenverwaltungen im Hinblick auf eine geplante Überarbeitung des betreffenden Landesgesetzes den Landtagsabgeordneten vorgestellt werden. Auch sind eine bessere Vernetzung der Sekretäre der Eigenverwaltungen und ein Treffen mit der Vergabestelle bzgl. Ausschreibungen geplant.

Eine weitere Aufgabe des Verbandes wird es sein, dafür zu sorgen, dass diese Nutzungsrechte in der sich ständig weiterentwickelnden Gesellschaft fortbestehen und den Bedürfnissen der Bürger weiterhin gerecht werden.

Im Trentino gibt es bereits seit über 30 Jahren einen eigenen Landesverband für die Fraktionsverwaltungen. Dieser wird von der Provinz Trient finanziell unterstützt. Der Südtiroler Landesverband hofft ebenso auf eine öffentliche Unterstützung, um die Qualität der Dienstleistungen zu garantieren.

Auf der Gründungsversammlung ist auch der Verwaltungsrat gewählt worden. Erster Obmann des Landesverbandes der Eigenverwaltungen ist Oswald Angerer, sein Stellvertreter ist Franz Troger. Als Geschäftsführer des neuen Landesverbandes ist Egon Mutschlechner vorgeschlagen worden. Als Rechnungsrevisorin wurde Dr. Carmen Zwick namhaft gemacht.

Mehr Infos gibt es auf fraktion.it.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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