Von: Sophia Molitor
Bozen – Das Handelsdefizit Europas gegenüber China wächst weiter, 2025 betrug es 360 Milliarden Euro – praktisch eine Milliarde pro Tag. „Wir müssen wieder unabhängig werden, und um dies zu erreichen, brauchen wir ein starkes Europa und eine Industrie, die unter gleichen Bedingungen mit dem Rest der Welt konkurrieren kann”, so der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper. Offene Märkte und der freie Handel sind grundlegende Elemente für das Wirtschaftswachstum, allerdings müssen sie auf fairen Wettbewerbsbedingungen beruhen.
„Wir sind ganz klar für freien Handel und offene Märkte. Aber der Wettbewerb muss unter gleichen Bedingungen stattfinden. Viele europäische Unternehmen stehen heute im Wettbewerb mit chinesischen Produzenten, die von deutlich vorteilhafteren Bedingungen profitieren: Der Wettbewerb wird durch massive staatliche Beihilfen, wesentlich niedrigere Energiekosten, geringere Sozial- und Umweltstandards sowie eine exportfördernde Währungspolitik verzerrt. Eine Situation, die nicht nur den Zugang zum chinesischen Markt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen auf den internationalen Märkten beeinträchtigt. Darunter leiden auch für Südtirol strategisch wichtige Branchen wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Glasindustrie und die Textilbranche”, erklärt Alexander Rieper.
„Wir fordern nicht Protektionismus, sondern Gegenseitigkeit. Wer nach Europa exportiert, muss sich an Regeln halten, die mit denen vergleichbar sind, die unsere Unternehmen täglich einhalten. Nur wirklich gleiche Wettbewerbsbedingungen können einen gesunden und nachhaltigen Wettbewerb gewährleisten”, so Rieper weiter. „Zudem gilt es auch, unsere internen Barrieren abzubauen: wir müssen den Binnenmarkt vollständig öffnen und bürokratische Hindernisse beseitigen.”
„Wir sind Europäer aus tiefster Überzeugung. Angesichts der wachsenden Wirtschaftskraft Chinas, der USA, Indiens und anderer Großmächte kann kein europäisches Land daran denken, alleine zu konkurrieren. Wir brauchen mehr denn je ein geeintes und wettbewerbsfähiges Europa. Dabei kommt der Industrie eine entscheidende Rolle zu. Die Industrie zu stärken bedeutet, qualifizierte Arbeitsplätze, Innovation und Wohlstand zu sichern sowie Abhängigkeiten in strategischen Sektoren zu verringern: Der europäische Haushalt mit dem Mehrjahresfinanzrahmen 2028–2034, der derzeit diskutiert wird, muss dies berücksichtigen. In diese Richtung geht auch der unermüdliche Einsatz des ehemaligen Präsidenten des Unternehmerverbandes Südtirol, Stefan Pan, der heute Vizepräsident mit Zuständigkeit für Europa beim Dachverband Confindustria sowie Vizepräsident von BusinessEurope ist. Er bemüht sich kontinuierlich dafür, die Stimme der europäischen Industrie im Vergleich zu den anderen Weltmächten zu stärken”, schließt Rieper.




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