In der Praxis gibt es noch viele Fälle

Geoblocking im E-Commerce: EVZ in Bozen vermerkt Erfolge

Dienstag, 11. Juni 2019 | 11:47 Uhr

Bozen – Diskriminierungen von Verbrauchern aufgrund ihres Wohnsitzes oder ihrer Staatsbürgerschaft bei grenzüberschreitenden Online-Einkäufen sind grundsätzlich verboten. In der Praxis kommen Fälle von Geoblocking aber noch häufig vor. Wie reagieren Online-Unternehmer, wenn Sie mit diesen Verboten konfrontiert werden?

Seit 3. Dezember 2018 ist die Verordnung zum Geoblocking EU-weit in Kraft. Die Verordnung verbietet Online-Anbietern von Waren und Dienstleistungen Verbraucher aufgrund ihres Wohnsitzes oder ihrer Staatsbürgerschaft von ihrem Angebot auszuschließen, sie automatisch auf andere länderspezifische Seiten zu verweisen (sogenanntes Re-Routing) oder ungerechtfertigt erschwerende Geschäftsbedingungen einzufügen. Das Europäische Verbraucherzentrum Italien in Bozen ist die offizielle nationale Kontaktstelle für alle Belange in Verbindung mit Geoblocking und hat in letzter Zeit mehr als einen Fall dieser Art betreut.

Technische Mittel

Ein litauischer Verbraucher findet das Angebot eines italienischen Online-Shops sehr interessant. Als er aber über das Bestellformular seine Daten eingeben möchte, gelingt es ihm nicht, seine litauische Telefonnummer einzugeben. Das System verlangt eine italienische Nummer. Ein Fall für das Europäische Verbraucherzentrum, denn die Verordnung verbietet, den Zugang zu Online-Angeboten durch technische Mittel zu beschränken oder zu verhindern. Damit konfrontiert das EVZ den italienischen Händler und nach anfänglichem Zögern macht er es technisch möglich, auch ohne eine italienische Telefonnummer zu bestellen.

Kreditkarte

Genauso positiv reagiert eine bekannte italienische Sportschuhmarke, als das EVZ sie von den Problemen eines bulgarischen Verbrauchers in Kenntnis setzt, dessen bulgarische Kreditkarte nicht als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

Lieferkosten

Auch der italienische Hersteller, der seine Taschen in der ganzen Welt vertreibt, entschuldigt sich nach der Intervention des EVZ beim bulgarischen Verbraucher, dem er zu hohe Lieferkosten angerechnet hatte.

„Die geringe Zahl italienischer Verbraucher, die uns kontaktieren, um eine Diskriminierung beim Online-Kauf zu melden, zeigt, dass viele Bürger noch gar nicht wissen, dass es das Diskriminierungsverbot aufgrund der Staatsbürgerschaft oder des Wohnsitzes in der EU gibt und dass man sich dagegen wehren kann“, erklärt Julia Rufinatscha, Geoblocking-Expertin im EVZ Italien. Die positive Reaktion der italienischen Unternehmen in den drei genannten Beispielen weist darauf hin, dass die Unternehmen das Thema Geoblocking ernst nehmen, wenn auch noch großer Verbesserungsbedarf besteht.

Detaillierte Informationen zum Thema Geoblocking und Preisdiskriminierungen findet ihr auf der Internetseite des EVZ unter http://www.euroconsumatori.org/81913d83365.html.

Alle Verbraucher, die bei grenzüberschreitenden Online-Käufen von Geoblocking betroffen sind, können sich an das Europäische Verbraucherzentrum Italien wenden: Tel. 0471/980939, E-Mail: info@euroconsumatori.org.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Geoblocking im E-Commerce: EVZ in Bozen vermerkt Erfolge"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
alpenfranz
alpenfranz
Tratscher
14 Tage 19 h

bravo…und wo noch zu reagieren gehört, auch von der Politik:
warum kann ich nicht alles auf Netflix und Prime in der Sprache schauen, in der ich Lust habe. bezahlt ist bezahlt..das stresst mich lange schon das S***** Geoblocking

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