Wirtschaftsbarometer

Herbst 2020: Große Unsicherheit für die Zukunft

Montag, 09. November 2020 | 09:12 Uhr

Bozen – Obwohl es im Sommer eine Erholung gab, bleiben die Bewertungen der Südtiroler Unternehmen zur Ertragslage im laufenden Jahr äußerst bescheiden. Umsatz, Investitionen und Beschäftigung sind stark rückläufig. Auch die Erwartungen für 2021 sind von großer Unsicherheit geprägt. Dies ergibt sich aus der Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 10,0 Prozent im Jahr 2020 und mit einem leichten Anstieg, zwischen 1,0 Prozent und 5,0 Prozent, im Jahr 2021. Das Ausmaß des Anstiegs hängt im Wesentlichen von der Covid-Pandemie ab.

Südtiroler Wirtschaft – Die Erholung im Sommer reicht nicht aus

Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeiten nach dem Lockdown hat zu einer allmählichen Erholung der Umsätze geführt. Die leichte Verbesserung, die sich bereits im Mai abgezeichnet hat, weitete sich im Sommer nach und nach auf alle Wirtschaftsbereiche aus. Im Juni lagen die Umsätze noch etwa ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. Diese Differenz reduzierte sich auf zehn Prozent im Juli und auf vier Prozent im August. Nichtsdestotrotz erwarten sich sieben von zehn Unternehmen einen Umsatzrückgang für das Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Ergebnis wird auch durch eine schwache Dynamik der Verkaufspreise hervorgerufen: In den letzten zwölf Monaten stieg das Preisniveau in Südtirol um lediglich 0,8 Prozent.

Der Arbeitsmarkt zeigte einen ähnlichen Trend wie jener des Umsatzes. Trotz einer allmählichen Erholung der Beschäftigung im Sommer, wurden im September immer noch über 2.300 unselbständig Beschäftigte weniger verzeichnet als im Vorjahresmonat.

Umsatz März – August 2020

Übereinstimmend mit diesen Dynamiken bleiben die Bewertungen der Unternehmerinnen und Unternehmer für das Geschäftsjahr 2020 überaus negativ: Etwa ein Drittel der Befragten bewertet die Rentabilität mit „schlecht“; kaum jemand gibt ein „gutes“ Urteil ab. Trotz der leichten Erholung im Sommer, äußern sich verschiedene Sektoren weiterhin kritisch über die aktuelle Lage, allen voran der Tourismus und das Transportgewerbe. Auch in vielen Sparten des Dienstleistungssektors sowie des Groß- und Einzelhandels gibt es nach wie vor Schwierigkeiten.

Die Unternehmen bemängeln die steigenden Kosten und die Verschlechterung der betrieblichen Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus sind sie über die schlechter werdende Zahlungsmoral der Kunden sowie über die Erschwerung des Kreditzugangs besorgt. Die Investitionen bleiben rückläufig aufgrund der nach wie vor sehr unsicheren Rahmenbedingungen, auch bedingt durch die erneute Ausbreitung der Infektionen. Unsicherheit prägt auch die Erwartungen für das nächste Jahr. Die Unternehmen erwarten einen leichten Anstieg des Umsatzes, vor allem auf dem Südtiroler Markt, aber keine wesentliche Verbesserung der Rahmenbedingungen. Folglich wird auch für das nächste Jahr keine Erholung der Investitionstätigkeit erwartet. Die Ertragserwartungen für das Jahr 2021 sind sehr heterogen und fast ein Fünftel der Unternehmen erwartet weiterhin eine schlechte Rentabilität.

Ertragslage 2020 nach Sektoren

Die zweite Covid-19-Welle bremst den Aufschwung der internationalen Konjunktur

Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeiten nach dem Lockdown und die außergewöhnlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft haben im dritten Quartal zu einer deutlichen Erholung der internationalen Konjunktur geführt. Die jüngsten Prognosen der Europäischen Kommission berücksichtigen diesen Aufschwung: Die Vorhersage des BIP für die Eurozone im Jahr 2020 bleibt zwar weiterhin sehr negativ, wurde aber von -8,7 auf -7,8 Prozent nach oben korrigiert. Diese teilweise Erholung wird jedoch im letzten Quartal des Jahres aufgrund der zweiten Welle, die Europa im September erfasst hat, zum Stillstand kommen. In den vergangenen Wochen sahen sich viele europäische Regierungen gezwungen, nach und nach Beschränkungen der Mobilität und der wirtschaftlichen Tätigkeiten wieder einzuführen, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Weiterhin ungelöst bleibt auch die Brexit-Frage: Nach derzeitigem Stand konnten sich Brüssel und London noch nicht zu einem Abkommen über die zukünftigen wirtschaftlichen Beziehungen durchringen.

International betrachtet sind die Vereinigten Staaten nach wie vor das am stärksten von der Epidemie betroffene Land, wobei für 2020 ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 4,6 Prozent erwartet wird. China setzt hingegen den Aufwärtstrend fort und wird heuer voraussichtlich ein Wachstum von 2,1 Prozent verzeichnen.

Italienische Wirtschaft – Die Aussichten bleiben äußerst negativ

Italien befindet sich – obgleich der Steigerung der Industrieproduktion in den Sommermonaten – in einer äußerst schwierigen Situation. Die Wirtschaft leidet nach wie vor am Rückgang des internationalen Touristenstroms, des Exports und der internen Nachfrage. Die Europäische Kommission erwartet für das Jahr 2020 einen Rückgang des italienischen Bruttoinlandsprodukts um 9,9 Prozent, was über dem Durchschnitt der Eurozone liegt. Diese Prognose könnte aber nach unten revidiert werden, angesichts der Verschlechterung des epidemiologischen Verlaufs im letzten Monat und der von der Regierung angeordneten neuen Maßnahmen.

Auf dem Arbeitsmarkt haben die unterstützenden Maßnahmen die Auswirkungen der Krise, die die Jugend und die Frauen am stärksten getroffen hat, nur teilweise abgemildert. Noch im September lag die Zahl der Beschäftigten in Italien um 1,7 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Die schwere Rezession und die Ausgaben für die Unterstützungsmaßnahmen der Wirtschaft werden in diesem Jahr zu einem Defizit von 10,8 Prozent des BIP und zu einem starken Anstieg der Staatsschuldenquote auf 159,6 Prozent führen. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten Monaten der Unterschied der Rendite zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen verringert. Die relative Stabilität der Finanzmärkte, begünstigt durch eine expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, hat überdies zu einer Senkung der Finanzierungskosten für Unternehmen und Kreditinstitute geführt.

Das Bruttoinlandsprodukt in Südtirol

Auf Grundlage der aktuell verfügbaren Informationen und unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen konjunkturellen Entwicklung, des Vertrauensklimas der Unternehmen und Konsumenten sowie der derzeitigen Situation der Pandemie, schätzt das WIFO, dass das Südtiroler BIP im Jahr 2020 um 10,0 Prozent schrumpfen wird. Im Jahr 2021 wird das Wachstum u. a. aufgrund der Investitionsschwäche der Unternehmen eher bescheiden ausfallen. Je nach Entwicklung der Pandemie und der zu ihrer Eindämmung erforderlichen Maßnahmen wird es voraussichtlich zwischen +1,0 und +5,0 Prozent liegen.

Handelskammerpräsident Michl Ebner betont die Notwendigkeit, die Unsicherheiten für die Unternehmen so weit wie möglich zu reduzieren: „In dieser sehr besonderen Phase ist es wichtig, dass die Politik keine zusätzliche Verunsicherung verursacht. Klare Regeln würden den Unternehmerinnen und Unternehmern die Planung in den nächsten Monaten erleichtern. Zu diesem Zweck ist eine gute Koordination zwischen dem Staat und den lokalen Behörden notwendig. Es ist außerdem wichtig, dass die versprochenen Hilfen schnell eintreffen, um neue Liquiditätsengpässe für Unternehmen zu vermeiden.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

20 Kommentare auf "Herbst 2020: Große Unsicherheit für die Zukunft"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Universalgelehrter
26 Tage 17 h

wenn man die Wirtschaft lahmlegt, legt man automatisch auch die Sanität lahm…. oder wer soll das morgen alles zahlen… Vielleicht Geld drucken?….. ochmals eine Weimarer Republik?
Mit den Coronamassnahmen werden wir uns afrikanische Verhältnisse einrichten….

Gudrun
Gudrun
Superredner
26 Tage 15 h

wenn kein Tourismus statt findet werden wir alle verhunger !!

Ingalingreichts
Ingalingreichts
Grünschnabel
26 Tage 9 h

I sicher nit

Doolin
Doolin
Grünschnabel
26 Tage 17 h

…jetzt wird man anfangen müssen, Geld zu drucken…irgendwo muss es ja herkommen…wird tolle Inflation…
😢

Sun
Sun
Superredner
26 Tage 16 h

Du meintest wohl Deflation?

Pacha
Pacha
Superredner
26 Tage 16 h

Eine Inflation hat auch Vorteile, die Schulden werden weniger 😉

Doolin
Doolin
Grünschnabel
26 Tage 13 h

@Sun …wenn man Geld drucken muss um Schulden zu zahlen, ist das weniger wert und man bekommt weniger dafür, d. h. mann muss mehr ausgeben, um das Gleiche zu bekommen, d. h. alles wird teurer…ich glaube mich zu erinnern, dass man dies Inflation nennt…Deflation wäre dann das Gegenteil…
🤔

Sun
Sun
Superredner
26 Tage 9 h

Doolin, bin kein Finanzexperte, aber normalerweise steigen die Preise der Konsumgüter wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot, Inflation.
Wenn durch eine Krise die Kaufkraft sinkt, weil den Konsumenten das Geld fehlt,übersteigt das Angebot die Nachfrage, also sinkende Preise, Deflation. Geld drucken darf nur die Zentralbank und die schenkt mir leider kein Geld um meine Schulden zu tilgen. 😉

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
26 Tage 17 h

wenn man sich morgen für einen totalen lockdown entscheidet, dann sehe ich diesmal wirklich schwarz!
Und außerdem würde ich es als totale verarsc… finden, wenn man die Schule für 2 Tage wiedereröffnet hätte und dann wieder alle daheim! Die Zahlen sind seit Wochen sehr schlecht, daher verstehe ich nicht diese teils wiedersprechliche Massnahmen mit Tropfenzähler, die die Bevölkerung noch mehr verunsichern und durcheinander bringen!

Gudrun
Gudrun
Superredner
26 Tage 15 h

wir müssen unbedingt die Wintersaison retten,koste was es wolle !!

primetime
primetime
Universalgelehrter
26 Tage 8 h

Ich denke man wollte die Bevölkerung alle paar Tage (teilweise auch nur Stunden 🤦) so langsam an den Lockdown “gewöhnen”. Noch bei der ersten Welle. hieß es ja immer man muss sich gute 2-3 Wochen gedulden bis man die Auswirkungen einer Entscheidung sieht. Warum diesmal nicht?

Lorietta12345678
26 Tage 17 h

Die Südtiroler werden sich noch wundern, was finanziell auf sie zukommt. Ausgleich wird, nach 5 Monaten ausbezahlt und die Entlassunhsschreiben sind schon in den Schubladen der Unternehmen.

MrRobot
MrRobot
Grünschnabel
26 Tage 16 h

Komisch, aus China hört man wenig mehr, nur noch Gutes; Corona im Griff und Wirtschaft im Positivtrend. Glaube die warten schon von der Tür, und wenn alles in Trümmern ist, übernehmen sie uns und reißen die Weltherrschaft an sich 😂

Oma Luise
Oma Luise
Neuling
26 Tage 16 h

Pinky und Brain sind wohl bei den Chinesen 🤔

Storch24
Storch24
Kinig
26 Tage 15 h

In China getraut sich auch niemand gegen Maskenpflicht und Anordnungen zu protestieren

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
26 Tage 17 h

Für gewisse gibs jo genügend Beiträge

oasterhos
oasterhos
Grünschnabel
26 Tage 18 h

10 % ? Wohl kaum … Österreich hat ja schon 8 % Einbruch und diese Zahl steigt noch.

Bei uns mindestens 15 % wenn nicht mehr. 

Gudrun
Gudrun
Superredner
26 Tage 13 h

sicher ist dass die Reichen reicher werden und die Armen ärmer !!!!!!

Hausdetektiv
Hausdetektiv
Tratscher
26 Tage 15 h

Die Frage ist ob es mehr Coronakranke oder mehr Leute vor der Arge gibt.

irgendwer
irgendwer
Tratscher
26 Tage 15 h

ist logisch dass China floriert wenn ganz Europa und auch viele andre Staaten alles in China produzieren lassen !!!!!

wpDiscuz