EFRE-Projekt

Heumilch: Neue Analysemethode soll Zertifizierung des Produkts ermöglichen

Freitag, 12. April 2019 | 13:23 Uhr

Bozen – Kürzlich lancierte das Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen und dem Sennereiverband Südtirol das EFRE-Projekt HEUMILCH. Ziel des Projekts ist es, eine neue wissenschaftliche Methode zur Zertifizierung des Produkts Heumilch zu entwickeln.

Der Milchsektor ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Berglandwirtschaft in Südtirol und sichert fast 5.000 Familien ein regelmäßiges Einkommen. Die Aufrechterhaltung und Wiedereinführung traditioneller Produktionsverfahren ist für die Aufwertung des (Berg)Gebiets von strategischer Bedeutung. Die Heumilch erfüllt die wachsende Nachfrage der Verbraucher nach traditionellen und authentischen Produkten, und ist auf dem Markt sehr erfolgreich. 2016 hat die Europäische Union das Produkt Heumilch zur „garantierten traditionellen Spezialität” (g. t. S.) erklärt. In der innovativen Produktionskette der Heumilch ist die Verwendung von fermentiertem Futter wie beispielsweise Gras- oder Maissilage sowie von gentechnisch veränderten Futtermitteln verboten. Heumilch stammt damit von Kühen, die ausschließlich mit frischem Gras oder Heu und einem begrenzten Anteil an Kraftfutter in der Ration (höchstens 25 Prozent) gefüttert werden.

Das Projekt HEUMILCH: eine neue Analysemethode, um Heumilch zu zertifizieren

Derzeit gibt es keine Analysemethoden, mit denen man in der Milch den Einsatz von Silage, die bei der Erzeugung von Heumilch nicht zugelassen ist, nachweisen kann. Im Projekt HEUMILCH setzen sich das Versuchszentrum Laimburg in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen und dem Sennereiverband Südtirol nun das Ziel eine standardisierte und zuverlässige Methode zur Unterscheidung zwischen Standard- und Heumilch entwickeln. Diese Methode soll die bestehenden Kontrollmaßnahmen verbessern und es ermöglichen die Authentizität des Produktes nachzuweisen. Das Analyseverfahren basiert dabei auf der offiziellen Analysemethode, die zur Unterscheidung zwischen Parmesan-Käse (Parmigiano Reggiano) und Grana Padano entwickelt wurde., „Dieses Projekt ist von großer Bedeutung für die lokale Wirtschaft“, sagte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber.  „Mit HEUMILCH möchten wir heimische Produkte aufwerten, den kommerziellen Erfolg des Endprodukts garantieren und dem Verbraucher eine immer höhere Sicherheit gewährleisten. Wir sehen das Projekt als Chance, die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Betriebe im Hinblick auf einer nachhaltigen Entwicklung beizubehalten und zu stärken.”

Das Projekt HEUMILCH wird von der Europäischen Union durch den Fonds „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung EFRE 2014–2020″ finanziert.

Synergien in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen

Die verschiedenen Projektpartner tragen mit ihrem Know-How aus verschiedenen wissenschaftlichen und praktischen Bereichen zum Projekt HEUMILCH bei und begleiten damit  die einzelnen Phasen der gesamten Produktionskette der Heumilch: vom Futter bis zum vermarkteten Produkt.

Im Projekt analysieren die Experten den Effekt der Konzentration von Gras- oder Maissilage im Futter der Milchkühe und des Zeitpunkts der Fütterung auf einige physikalisch-chemische und biologische Marker in der Milch.

Vom Versuchszentrum Laimburg ist der Fachbereich Berglandwirtschaft unter der Leitung von Giovanni Peratoner am Projekt beteiligt und übernimmt zusammen mit dem Sennereiverband Südtirol und dem Beratungsring für Berglandwirtschaft die Probenahme von Milch und Futter in den landwirtschaftlichen Betrieben. Das Labor für Obst- und Gemüseverarbeitung des Versuchszentrums Laimburg unter der Leitung von Elena Venir untersucht in Fermentationstests im Labor die Faktoren, welche die Entstehung des Markers im Futter verursachen. In den Labors für Pflanzenernährung und Futteranalysen des Versuchszentrums wird unter der Leitung von Aldo Matteazzi das Futter auf dessen Nährstoffeigenschaften und Zusammensetzung hin untersucht. Parallel dazu führt das Labor für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg unter der Leitung von Peter Robatscher in Zusammenarbeit mit dem Labor für Lebensmitteltechnologien der Freien Universität Bozen unter der Leitung von Matteo Scampicchio chemische Analysen sowohl auf Silage als auch direkt auf Milch durch. „Das Projekt HEUMILCH ist ein gutes Beispiel für die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen dem Versuchszentrum Laimburg und der Freien Universität Bozen“, sagt Scampicchio. „Im Bereich Lebensmitteltechnologie haben unsere beiden Institutionen bereits mehrere gemeinsame Forschungsinitiativen entwickelt, in welche auch die Südtiroler Unternehmen mit einbezogen werden.”

Innovative Analysemethoden zur Unterscheidung zwischen Heumilch und Standardmilch

„Die Herausforderung im Projekt HEUMILCH besteht darin, eine objektive Analysemethode zu entwickeln, mithilfe derer Echtheit und Authentizität des Produkts sichergestellt werden kann”, erklärt Daniela Eisenstecken, die im Labor für Aromen und Metaboliten des Versuchszentrums Laimburg forscht und das Projekt leitet.

Derzeit liegen kein analytisches Zertifizierungsverfahren und keine chemischen Parameter der Milch selbst vor, mithilfe derer die Heumilch von der Standardmilch unterschieden werden kann. Die Echtheit des Produkts zu garantieren obliegt nationalen Zertifizierungsbehörden, die auf Basis einer Dokumentenkontrolle und mittels Inspektionen durchgeführt wird. Chemische Analysen an der Milch selbst sind hingegen nicht vorgesehen.

Das soll sich nun ändern: Im Projekt HEUMILCH werden chemische Analysen an der Milch durchgeführt, die auf Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie basieren. „Dabei handelt es sich um eine innovative Technologie, mit der selbst kleinste Mengen an Molekülen in Lebensmitteln unterschieden und charakterisiert werden können“, erklärt Projektleiterin Daniela Eisenstecken. „Insbesondere möchten wir mit diesem Verfahren spezifische Milchfettsäuren nachweisen, die in der Milch von mit Silage gefütterten Kühen enthalten sind, nicht jedoch in Heumilch.“ Aufgrund des Vorhandenseins oder des Fehlens dieser Moleküle kann somit die Echtheit des Produkts festgestellt werden.

Hand in Hand mit lokalen Unternehmen des Lebensmittelsektors

Mit dem Projekt HEUMILCH wird die Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen mit den lokalen Milcherzeugern und Molkereien weiter ausgebaut. Das Projekt fördert insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Forschung und lokalen Produktionsunternehmen, die von Anfang an in die Ausarbeitung und nun in die Umsetzung des Projektvorschlags involviert sind und dann auch von den Projektergebnissen profitieren werden. Der Sennereiverband Südtirol, der die Interessen der neun genossenschaftlichen Milchverarbeiter Südtirols vertritt, wird bei der Probenahme, der Verwaltung und Lagerung sowie bei den Routineanalysen von Proben mitwirken. „Aufgrund unserer jahrzehntelangen Tätigkeit in diesem Bereich durch Beratung, Unterstützung und Koordination der Interessen des Milchsektors, sowie durch die Vermarktung von Milchprodukten können wir eine optimale Schnittstelle zu den Herstellern gewährleisten”, sagt Andreas Österreicher, Leiter der Qualitätskontrolle Lebensmittel des Sennereiverbands Südtirol.

Von: luk

Bezirk: Bozen

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