ASGB: "Elf Millionen vom Land, aber weiterhin erhebliche Mängel"

Hier geht die Post noch nicht ab

Donnerstag, 22. Oktober 2026 | 15:04 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Elf Millionen Euro jährlich sind im Abkommen zwischen dem Land Südtirol und Poste Italiane Spa vorgesehen. Dennoch bleiben Personalmangel, verspätete Zustellungen und Probleme bei der Zweisprachigkeit ungelöst. Für ASGB-Vorsitzenden Tony Tschenett steht fest: Es müssen endlich die Beschäftigten und die Qualität des öffentlichen Dienstes in den Mittelpunkt rücken.

Elf Millionen Euro jährlich sind für den Zeitraum 2024 bis 2026 im Abkommen zwischen dem Land Südtirol und der italienischen Post vorgesehen. Doch trotz dieser beträchtlichen Mittel hapert es weiterhin an grundlegenden Dingen. „Dass die Kritik berechtigt ist, zeigen auch Erhebungen des Landes: 25 Südtiroler Gemeinden meldeten erhebliche Probleme mit dem Postdienst, in 21 Prozent der Gemeinden wurde die Zweisprachigkeit nach eigenen Angaben nicht ausreichend eingehalten“, so der ASGB.

Für Tony Tschenett, Vorsitzender des ASGB, liegt eines der größten Probleme beim Personal. Sowohl bei der Zustellung als auch am Schalter fehlen Mitarbeiter. Offene Stellen werden aus Sicht des ASGB nicht ausreichend nachbesetzt und nicht selten kommen Beschäftigte zum Einsatz, deren Sprachkenntnisse für die Anforderungen in Südtirol nicht ausreichen.

„Dass sich nur schwer ortsansässige Beschäftigte finden lassen, überrascht kaum. Einstiegsgehälter von teilweise rund 1.350 Euro netto im Monat und Arbeitszeitmodelle mit einer Sechs-Tage-Woche machen den Beruf angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol wenig attraktiv“, so der ASGB. Die Folgen würden Beschäftigte und Bevölkerung gleichermaßen tragen: steigende Arbeitsbelastung, längere Wartezeiten und verspätete Zustellungen. Wer qualifiziertes Personal gewinnen und langfristig halten will, müsse auch entsprechende Arbeitsbedingungen bieten.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich stehen Schalterbeamte und Postamtsleiter unter Verkaufsdruck. Ob Sparbücher, Konten, Postepay-Karten, Versicherungen, Handy- und Internetverträge oder Strom- und Gasverträge – die Produktpalette ist lang, die damit verbundenen Verkaufsziele erhöhen den Druck auf die Beschäftigten. „Dabei sollte bei einem öffentlichen Dienst die Betreuung der Bürger im Mittelpunkt stehen und nicht die Erfüllung vorgegebener Verkaufsbudgets“, so der ASGB.

Auch bei der Zweisprachigkeit sieht der ASGB dringenden Handlungsbedarf: „Fehlende Sprachkenntnisse erschweren die Kommunikation mit den Bürgern und führen immer wieder zu Unverständnis.“ Besonders unverständlich ist für Tschenett, dass die Zweisprachigkeit bei der Post finanziell deutlich geringer anerkannt wird als im öffentlichen Dienst. Die entsprechende Zulage erreicht lediglich ungefähr die Hälfte des dort üblichen Betrages. Wer qualifiziertes zweisprachiges Personal gewinnen will, müsse diese zusätzliche Qualifikation auch angemessen bezahlen, so der ASGB.

Elf Millionen vom Land, aber weiterhin erhebliche Mängel

„Es stellt sich die Frage, welche konkreten Verbesserungen Poste Italiane Spa für dieses Geld gewährleistet. Ein funktionierender öffentlicher Dienst braucht ausreichend Personal, faire Arbeitsbedingungen und die konsequente Einhaltung der Zweisprachigkeit. Solange diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, bleibt der Eindruck, dass bei der Südtiroler Post zwar viel versprochen, aber zu wenig geliefert wird“, so der ASGB.

Denn eines ist für den ASGB klar: „Bei der Post geht es nicht nur ums Geschäft, sondern um einen öffentlichen Auftrag. Und der muss funktionieren.“

Bezirk: Bozen

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