Kostendeckende Führung unwahrscheinlich

Hotel Masatsch bleibt endgültig geschlossen

Montag, 27. Juli 2020 | 13:27 Uhr

Bozen – Der Vorstand der Lebenshilfe hat am vergangenen Freitag nach langer, eingehender Diskussion schweren Herzens einstimmig beschlossen, dass das Hotel Masatsch endgültig geschlossen bleibt. Eine eingehende Zahlenanalyse mit Unterstützung der HGV-Unternehmensberatung habe gezeigt, dass auch bei geänderten Rahmenbedingungen eine kostendeckende Führung kaum erreichbar ist. “Verschiedene Faktoren und Entwicklungen, die nichts mit den sozialen Zielsetzungen zu tun haben, sind für das Defizit verantwortlich. Diese Faktoren sind nur bedingt beeinflussbar, so dass ein Neustart mit hohen Risiken verbunden wäre, die den Gesamtverband Lebenshilfe in eine unüberwindbare Schieflage bringen würden. Auch weil sich die Situation letzthin natürlich auch durch die tiefe Krise, die die Covid-19-Pandemie im Tourismusbereich ausgelöst hat, dramatisch verschärft hat. Die Lebenshilfe wurde von der Landesverwaltung immer im Rahmen des Möglichen unterstützt, auch wenn das Problem der Abschreibungskosten für ein im Landesbesitz befindliches Gebäude nicht gelöst werden konnte.”

Der Vorstand der Lebenshilfe betont, dass trotz Schließung die letzten zwölf Jahre gezeigt hätten, dass gelebte Inklusion möglich sei. “Die Menschen mit Beeinträchtigungen, die im Hotel mitgearbeitet haben, konnten viele positive Arbeitserfahrungen sammeln und ein gleichberechtigtes Miteinander im Arbeitsalltag erleben. Das Projekt hat aber auch gezeigt, dass der Ausbau einer gezielten Arbeitsplatzbegleitung in Betrieben zielführender ist. Dadurch kann mit weitaus verhältnismäßigeren Ressourcen eine höhere Anzahl an Menschen mit Beeinträchtigungen flexibler und personenzentrierter ihren Weg in die Arbeitswelt finden.  Die Lebenshilfe ist mit der Abteilung Soziales in Gespräch, um in diese Richtung neue Projekte aufzubauen.” Ein erstes Projekt zur Verbesserung des Übergangs von der Schule in das Berufsleben sei bereits für Herbst 2020 geplant.

Die Lebenshilfe bedankt sich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hotels, die zusammen mit dem Gesamtverband dieses Projekt für einen langen Zeitraum möglich gemacht haben. Die Mitarbeiter des Hotel Masatsch müssen nach dem Auslaufen des staatlichen Kündigungsschutzes aufgrund der Covid-19-Krise entlassen werden. Die Mitarbeiter befinden sich derzeit in der Lohnausgleichskasse, die die Lebenshilfe bisher vorfinanziert hat. Die Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen werden solange von der Lebenshilfe pädagogisch begleitet, bis sich eine Perspektive für ihre weitere berufliche Zukunft ergibt oder sie von anderen sozialen Institutionen betreut werden.

STF: “Großer Verlust für Südtirol”

Die Süd-Tiroler Freiheit bedauert die heute bekanntgegebene endgültige Schließung des Inklusionshotels Masatsch in Kaltern und spricht von einem großen Verlust für ganz Südtirol. Die Bewegung kündigt eine Anfrage im Landtag an und betont erneut: „Masatsch ist zu wertvoll, um es aufzugeben!“

“Die Angestellten in Masatsch waren oft Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen, mit Lernschwächen oder mit Down-Syndrom. Im Inklusionshotel fanden sie vollwertige Arbeitsplätze und ein Sprungbrett in den Arbeitsmarkt. Die Gäste in Masatsch waren zu 60 Prozent ebenfalls Menschen mit Beeinträchtigung, die behindertengerechte Ferien verbringen konnten. Eine einzigartige Einrichtung, weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannt”, so die Bewegung.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Hotel Masatsch bleibt endgültig geschlossen"


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xyz
xyz
Superredner
10 Tage 5 h

Traurig und peinlich für unser reiches Land! Dass so ein Projekt nicht kostendeckend arbeitet ist klar….aber das tun weder der Flughafen noch die Thermen. Ich würde meine Steuern x mal lieber so einem Projekt geben anstatt dem Flughafen, Saftey Park usw.

OAE
OAE
Grünschnabel
9 Tage 21 h

Sehr treffend!!!!!

Felix von Wohlgemuth
Felix von Wohlgemuth
Grünschnabel
10 Tage 5 h

Wenn es z.B. um einen Skilift gegangen wäre, dann hätte diese Landesregierung sicherlich eine Lösung gefunden…aber es ist halt “nur” ein soziales Leuchtturmprojekt!

genau
genau
Kinig
9 Tage 22 h

Dafür haben die Bauern 600 Euro pro Kopf gekriegt. 🤮🤮

MarkusKoell
MarkusKoell
Tratscher
10 Tage 4 h

Schade und traurig 😩

Fani
Fani
Neuling
10 Tage 3 h

Traurig, dass so ein tolles Projekt nicht mehr Unterstützung erhält. Die genauen Zahlen wären interessant, da ich mir kaum vorstellen kann, dass dieses Hotel so viel Geld von “aussen” benötigt. Es war doch immer gut besucht. Ich finde die Schliessung wirklich fatal. Genau für solche Sachen sollen meine Steuergelder verwendet werden, ich hätte auch gespendet wenn die Möglichkeit gewesen wäre. Ich hoffe immer noch, dass es wieder geöffnet wird.

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
10 Tage 3 h

Sehr sehr schade! Es gibt Dinge an die kann man kein Preisschild heften, das Masatsch gehört sicher in diese Kategorie. Wenn man bedenkt wie viel Geld das Land jedes Jahr in den Tourismussektor pumpt enttäuscht dieses Ende doch sehr. Leider haben Vereine wie die Lebenshilfe keine so starke Lobby…

OAE
OAE
Grünschnabel
9 Tage 21 h

Der Tourismussektor ist der wichtigste Sektor im Lande!!! Das sieht man gerade jetzt wieder!! Einfach ein populistisch dummes Gerede ihrerseits!!! Nichtsdestotrotz finde ich es sehr bedauerlich, dass man es nicht geschaffen hat, die Institution fortzuführen…. Ich war sehr oft dort essen, ausgezeichnete Küche!!! Der Fehler war wohl das Augenmerk komplett auf die Belegung der Betten zu legen, anstatt das Restaurant zu bewerben. Ich bin aber kein Fachmann diesbezüglich, vielleicht liege ich auch falsch. Schade, schade, sehr schade….

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
9 Tage 8 h

Der Tourismus ist wichtig keine Frage aber geht auch um Verhältnismässigkeit, jeder neu aufgestellte Skiliftpfeiler wird mit Tausenden Euro mitfinanziert aber ein Projekt wie dieses können nicht unterstützt werden obwohl sich das Gebäude bereits im Besitz des Landes befindet. Wo ein Wille da ein Weg.

Mr.X
Mr.X
Tratscher
10 Tage 2 h

Jo, des isch wirklich leimer traurig. Do awian a Geld übrig zu hoben isch nimmer gongen, ober no an Tunnel in Lond zu bauen oder de unnützen, sautuiern Busheisln in Überetsch, sell isch olls koan Problem…

Plodra
Plodra
Grünschnabel
10 Tage 6 h

Und wer steigt nun ein? Verkauft das Land? Wird es ein privater Hotelbetrieb? Gibt es Perspektiven für die Fortsetzung einer sozialen Zweckbestimmung? 

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Superredner
10 Tage 1 h

Dieses Trauerspiel hatten wir hier auf SN schon vor ein paar Monaten diskutiert. Das für so etwas Außergewöhnliches kein Geld da sein soll, ist für die Betroffenen nicht nur eine Katastrophe, sondern für die verantwortlichen Politiker ein Armutszeugnis.

Diogenes
Diogenes
Grünschnabel
10 Tage 3 h

Was??? 😱😭 Wieder ein Bereich, der in die Kompetenz von LRin Waltraud Deeg fällt und aufgrund ihrer Leichtfertigkeit den Bach runtergeht. 
Egal ob Familie, Senioren, Soziales…die SVP-LR- und Arbeitnehmervertreterin (sic!) hat in wenigen Monaten ihrer Amtszeit bei allen in ihrer Verantwortung liegenden Agenden Chaos angerichtet. Treten Sie zurück, Frau Deeg!

OrB
OrB
Universalgelehrter
10 Tage 1 h

Traurig, ein Armutszeugnis für unser “bestes Südtirol”.
Aber man brauch das Geld ja um den Erntehelfern die Coronatests zu bezahlen.

ebbi
ebbi
Tratscher
10 Tage 40 Min

“mit weitaus Verhältnismäßigeren Ressourcen” = billiger
bitte auch in Zukunft bei Politikergehältern anwenden.

Wohlzeit
Wohlzeit
Tratscher
10 Tage 58 Min

Schade, wenn ein soziales Projekt fallen gelassen wird und Vorschläge ein Public-Private-Partnership abgelehnt werden

Didi
Didi
Grünschnabel
9 Tage 20 h

Die Bauern mit x Hektar kriagen 600€ ohne epes zu tian, zum glick hots dr Bauernbund gmocht sunst hat eh kuaner drichtet😄
Und die Politiker kriagen olm gleich ihre riesigen Gehäter
Förster dei lei in Baren umersitzen kriagen a weiter 2400€ netto usw…
Zum Schamen

Wohlzeit
Wohlzeit
Tratscher
9 Tage 14 h

Wetten daß, ein privater Hotelier das Haus in Zukunft rendabel führen wird.

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